Lena Dunham: Sex und City mal ohne Glamour

Mit nur 27 Jahren erfand Lena Dunham eine der meistdiskutiertesten Serien in den USA. Ihr Erfolgsgeheimnis: Mut zur Hässlichkeit.

Sag noch mal einer, dass Fernsehen nur zur Lebenszeit-Vernichtung taugt und nicht zu gesellschaftlicher Veränderung. Gucken wir mal in die USA. Dort bringt gerade eine 27-Jährige ihre Landsleute aus der Fassung - mit einer TV-Serie namens "Girls", die auf ihrem Leben basiert und in der sie als Autorin, Regisseurin, Produzentin und Hauptdarstellerin agiert. Ungewöhnlich?

Stimmt. Wie vieles an Lena Dunham. Zum Beispiel hat sie ihre Schultern mit Bildern ihrer liebsten Kinderbücher tätowiert. Fährt haufenweise Preise ein, beschäftigt aber keinen Hollywood-Optimierer, der dafür sorgen könnte, dass sie auf dem roten Teppich nicht wirkt, als wäre sie nur zufällig über die Absperrung gestolpert. Am ungewöhnlichsten ist aber die Serie selbst, sie dreht sich um vier beste Freundinnen und ihr (Sex-)Leben in New York. Sie denken jetzt an einen schillernden Alltag, in dem man nur ab und zu kolumnierend auf dem Bett sitzen muss, um sich ein Apartment in Manhattan leisten zu können.

Von dieser Märchenwelt ist "Girls" aber so weit entfernt wie Gesundheitslatschen von Manolo Blahnik. Hier ist die Stadt so teuer, dass man WGs bilden muss - in Brooklyn. Um pleite zu sein, weil man trotz Uni-Abschluss nur in miesen Aushilfsjobs dümpelt. Auch der Sex in der City ist nicht von der üblichen mild ausgeleuchteten Sorte.

Lena Dunhams TV-Alter-Ego Hannah wurschtelt sich aus Wurstpellenstrumpfhosen, lässt ihre großen Speckröllchen und kleinen Brüste raushängen und sieht so wenig körperstraff aus, dass man sofort bequemer auf dem Sofa lümmelt. Hannah hadert nicht mit ihrem Körper. Sie nimmt ihn, wie er ist, und formt ihn gelegentlich liebevoll mit Cupcakes nach. Sie hat Besseres zu tun, als einem absurden Schönheitsdiktat zu folgen. Nämlich sich zu fragen, wie man überlebt, ohne alle Ideale zu verraten.

Oder wie man Feministin bleibt, obwohl man sich im Bett auch gern mal erniedrigen lässt. Eine durchschnittlich aussehende Protagonistin, die überdurchschnittlich schlaue und witzige Sachen sagt: Das taugt für eine kleine Revolution. Zum Glück können wir jetzt die erste Staffel auf ZDF Neo ansehen. Anschalten und die Glotze zum Denkapparat veredeln!

Text: Andrea Benda BRIGITTE 15/2013
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