Möhring-Tatort: Kaltstart bei der Bundespolizei

Mord, Menschen- und Waffenhandel, totale Überwachung - der neue Tatort mit Wotan Wilke Möhring ist ein echter "Kaltstart" und nimmt sich für einen Sonntagabend zu viele Themen vor.

So schnell hat bisher kein Kommissar beim Tatort Karriere gemacht: Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) wechseln nach zwei Fällen in Hamburg und auf Langeoog zur Bundespolizei - und ermitteln damit künftig in ganz Deutschland. Ob sich die Beförderung für die beiden Kommissare wirklich lohnt, ist nach dem ersten Fall bei der Bundespolizei - eine Premiere in der Tatort-Geschichte - aber alles andere als klar. Zu überladen ist diese kleine Premiere; dieser Fall will mehr, als er in 90 Minuten sinnvoll unterbringen kann.

Die Handlung ist zu überladen

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Für Falke und Lorenz beginnt ihre neue Arbeit mit einem "Kaltstart" - so der Titel der aktuellen Folge. Noch vor ihrem offiziellen Dienstantritt müssen die beiden in Wilhelmshaven anrücken, denn dort sind bei einer Explosion im JadeWeserPort zwei Polizisten und ein Menschenhändler getötet worden. Für Falke wird der Fall schnell persönlich: Mit der toten Polizistin Rita hatte er ein Verhältnis. Und der Vorfall, der sich schnell als Anschlag entpuppt, ist der Auftakt für eine reichlich wirre Handlung, die den Zuschauer am Ende ratlos zurücklässt.

Eine Gruppe Menschenhändler schleust Flüchtlinge nach Deutschland. Ein toter Schleuser, ein Spediteur, ein Lademeister und ein dubioser Sicherheitsmann - sie alle wirken verdächtig. Die Flüchtlinge können den Ermittlern nicht bei der Suche nach den Hintermännern helfen, Falke und Lorenz werden beobachtet und die Verbrecher scheinen den Kommissaren immer einen Schritt voraus. Da hilft es auch nichts, dass Falkes Kumpel Jan Katz (Sebastian Schipper) ganz zufällig neuerdings bei der Kripo Oldenburg arbeitet und so mit seinem Freund Seite an Seite ermitteln kann.

Alle klassischen Tatort-Themen in einem Fall

Redakteurin Insa Winter mag den Tatort mit Wotan Wilke Möhring, hofft aber, dass bei den Fragezeichen beim nächsten Mal etwas gespart wird. Weniger ist eben oft mehr.

Weil aber Morde und Menschenhandel heute offenbar nicht mehr für einen Tatort ausreichen, packen die Autoren von "Kaltstart" gleich noch ein bisschen Waffenhandel, totale Überwachung und modernste Militärtechnik oben drauf - allesamt ernste Themen, mit denen man ordentlich punkten könnte. Und damit das Menschliche nicht zu kurz kommt, kümmert sich Lorenz um einen Vater und seinen Sohn, die in einem Container nach Deutschland geflüchtet sind. Falke ist derweil mit der Trauer um seine Geliebte und seinem Einstand als Ermittlungsgruppenleiter bei der Bundespolizei beschäftigt.

Auch wenn Teile der Handlung sicher realistisch sind, fasst Lorenz den Tatort am Ende perfekt zusammen: "Diese Geschichte glaubt uns kein Mensch." Am Ende bleiben zu viele Fragezeichen: Worum ging es eigentlich genau? Warum wurden die Polizisten ermordet? Wer hat Falke und Lorenz überwacht - und warum? Wer sich am Sonntagabend einen abgeschlossenen Fall mit überführtem Täter wünscht, ist mit diesem Tatort eindeutig überfordert. Wer ihn als Einstieg in eine Reihe sieht, sich über schöne Bilder und tolle Schauspieler freut, wird sich an den Fragezeichen nicht weiter stören. Wir hoffen allerdings, dass die Autoren des "Bundestatorts" ihre Ermittler demnächst in handlungssichere Gefilde schicken.

Tatort: Kaltstart, Sonntag, 27. April 2014, 20.15 Uhr, ARD

Fotos: NDR/Boris Laewen

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