Münster-Tatort: Gute Freunde, schlechte Freunde

Regelmäßig holt der Münster-Tatort neue Zuschauerrekorde. Die einen lieben den Klamauk aus Westfalen, die anderen könnten getrost darauf verzichten. Ein Plädoyer für und gegen das Team Boerne/Thiel.

Darum geht's im neuen Münster-Tatort

In Münster stürzt ein Bauunternehmer aus seinem Büro und wird schließlich von einem Auto überfahren. Der Tote war aber schon vor dem Sturz mausetot, wurde mit einem Hammer erschlagen. Nachdem ein Zuhälter ebenfalls mit einem Hammer ermordet wird, ist für Zuschauer und Ermittler klar: Zwischen beiden Morden besteht ein Zusammenhang. Beide Opfer hatten mit dem Bau der umstrittenen Waikikioase zu tun - ein als Wellnessoase getarntes Bordell, gegen das Kommissar Thiels Vater und eine Bürgerbewegung demonstrieren. Die skurrile Wendung lässt nicht lange auf sich warten: Der Täter, den eine Überwachungskamera aufgezeichnet hat, inszeniert sich als Rächer in Superheldenmontur. Können Thiel und Boerne den Täter aufhalten bevor ein dritter Mord geschieht?

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Contra Münster-Tatort: Zu viel Klamauk, zu wenig Logik

Ich finde den Münster-Tatort schlecht. So, jetzt ist es endlich raus. Nach den immer neuen Zuschauerrekorden und dem Hype, der in den letzten Jahren um diesen Tatort entstanden ist, habe ich mich nie getraut, es einfach mal auszusprechen. Damit macht man sich ja keine Freunde. Auch unsere Leserinnen und Leser haben den Krimi aus Münster mit Abstand zu ihrem absoluten Tatort-Favoriten gekürt. Was soll man bei so viel Sympathie sagen?

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Dabei bin ich keineswegs nur aus einer Laune heraus der Meinung, dass der Münster-Tatort schlecht ist. Ganz im Gegenteil: Ich gehöre zu der Gruppe, die sogar einmal begeisterter Fan war. Wie leider so oft bei einer gewissen Verliebtheit, begann die Entzauberung für mich mit einer Banalität. Eine gute Freundin schrieb eines sonntagabends eine SMS: "Thiel und Boerne stehen in meinem Hörsaal - in Düsseldorf." Na gut, der Sender spart ganz vorbildlich: Statt das ganze Team für die kompletten Filmaufnahmen nach Münster zu verfrachten, was man zu Beginn der Reihe 2002 wohl tatsächlich noch tat, drehte man eben in anderen Räumen. Das ist nicht unüblich, aber mir ging damals auf: Wo Münster drauf steht, ist eben nicht nur Münster drin.

Anfangs war ich auch begeistert vom versnobten Professor Boerne (Jan Josef Liefers), seinem schnoddrigen Partner Thiel (Axel Prahl) und deren bissigen Wortgefechten. Eigentlich genau mein Humor. Mittlerweile ist die Begeisterung in eine genervte Ermüdung umgeschlagen, weil die Drehbuchautoren die beiden dazu zwingen, sich 90 Minuten durch einen Krimi zu kalauern, bei dem der Witz einen fast erschlägt und mehr zählt als die Logik. Am Ende spielt es eben keine Rolle, ob der Fall aufgeklärt wurde, wer wen warum umgebracht hat und ob das alles einen Sinn ergibt. Hauptsache, die Witze sitzen, dann stimmt am Ende auch die Quote. Je höher diese zuletzt war, umso größer war meine Enttäuschung.

Insa Winter ist im Münsterland geboren und hat lange in Münster gelebt. Die Liebe zu Münster ist geblieben, die Liebe zum Münster-Tatort nicht.

Passend zum Jubiläum sitzen die Witze im 25. Tatort aus Münster zwar wieder etwas besser als vorher, aber gespart wird nicht an Klamauk, sondern vor allem weiter an der Logik. Warum nummeriert der Täter seine Opfer mit einem Hammer durch, auf dem er eine Zahl angebracht hat? Damit die Ermittler die Reihenfolge, in der die Toten ermordet wurden, besser nachvollziehen können? Das wäre ja mal ein Service! Diese und andere Fragen bleiben uns die Autoren aber schuldig.

Auf eines können sich die Fans des Münster-Tatorts aber freuen: Auf Thiel und Boerne ist Verlass, es gibt keine Überraschungen, sondern das immergleiche Programm, das den Tatort so erfolgreich gemacht hat. Und ob wir ihn nun gut finden oder schlecht oder uns so gar nicht dafür interessieren - am Montag kann man Gesprächen über den Tatort nicht aus dem Weg gehen.

Tatort: Der Hammer, Sonntag, 13. April 2014, 20.15 Uhr, ARD

Pro Münster-Tatort: Thiel und Boerne sind wie gute Freunde

"Freunde sind Gärten, in denen man sich ausruhen kann." Das ist eines meiner Lieblingszitate - es stammt von Antoine de Saint-Exupéry, dem Autor des "Kleinen Prinzen". Für mich bedeutet es, dass wir uns bei wahren Freunden nicht anstrengen müssen, um uns wohl zu fühlen. Und genauso geht es mir bei meinen geliebten Freunden Kriminalhauptkommissar Frank Thiel und Professor Karl-Friedrich Boerne aus dem Münster-Tatort.

Zugegeben ist die Freundschaft einseitig, komplett fiktiv und durch eine Mattscheibe getrennt, aber das stört mich nicht. Die beiden kommen mich seit zwölf Jahren regelmäßig sonntagsabends besuchen und erzählen ihre Witze immer auf die gleiche Art und Weise. Das ist nicht langweilig, sondern beruhigend. So auch dieses Mal in der Folge "Der Hammer". Boerne zeigt auf die Stirn des Toten: "Hier sehen wir einen arabischen Zahlencode." Thiel: "Für mich sieht das aus wie eine Zwei." Oder auch gut: Boernes Assistentin Alberich (Silke Haller): "Ich liebe Superhelden."- Boerne: "Sonst würden Sie nicht mit mir arbeiten."

Bianka Echtermeyer hat in Münster studiert und liebt die Stadt. Aber nicht nur deswegen ist sie Fan des Münster-Tatorts. Boerne und Thiel sind einfach Freunde für sie geworden.

Auch der Rest ist so, wie man es kennt: Boerne hat viel Raum für seine Arroganz (gleich in der ersten Szene fährt er mit weißer Smoking-Jacke zum Tatort vor), Thiel ist verpeilt und überfordert (er bleibt nur eine Szene später mit dem Gürtel an einer Türklinke hängen) und "Vaddern", der Vater von Kommissar Thiel, protestiert mal wieder gegen das System (hat dieses Mal aber weibliche Unterstützung). Ach ja, und der Fall? Der ist so nebensächlich, wie er immer nebensächlich ist. Das alles kann man kritisieren und albern finden, aber ich halte trotzdem zum Münster-Tatort. Denn hinter der Arroganz von Boerne und der Verpeilheit von Thiel steckt ein tiefer Wunsch nach Freundschaft. Nach Vertrautheit und Nähe. Und das berührt mich nach all den Jahren immer noch. Wir sind eben Freunde.

Tatort: Der Hammer, Sonntag, 13. April 2014, 20.15 Uhr, ARD

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