Stuttgart-"Tatort": Kommissar hinter Gittern

Wie kann ein Gewaltverbrecher hinter Gittern einen Mord außerhalb der Gefängnismauern begehen? Der neue "Tatort" aus Stuttgart zeigt uns vor der Sommerpause, dass es Dinge gibt, die es eigentlich nicht geben dürfte.

Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Im Fernsehen sowieso. Am Tatort eines Mordes finden die Ermittler die DNA von Holger Drake, einem bekannten Gewaltverbrecher, der allerdings gerade eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Zuffenhausen absitzt. Wie kommen seine genetischen Spuren also ausgerechnet an den Fundort der Leiche seiner Frau? Alles deutet für die Stuttgarter "Tatort"-Ermittler Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller) auf einen Irrtum hin, wäre da nicht vor zwei Jahren schon mal ein ähnlicher Fall gewesen: Damals fand man ebenfalls Spuren am Tatort, die auf einen einsitzenden Häftling als Täter wiesen. Auch er saß in der JVA Zuffenhausen ein. Purer Zufall? Oder besteht etwa ein Zusammenhang zwischen den Morden?

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Kommissar undercover

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Eine rein rhetorische Frage natürlich. Wir säßen nicht vor einem "Tatort", wenn hinter diesen Zufällen kein System stecken würde. Um der Sache auf den Grund zu gehen, verwandelt sich Thorsten Lannert also kurzerhand in Peter Seiler und tritt undercover einen Job in besagter Haftanstalt an. Sein von privaten Problemen (Scheidung!) geplagter Kollege Bootz versucht derweil, offiziell zu ermitteln - wenn er nicht gerade in Selbstmitleid und Alkohol versinkt.

Normalerweise ist ein Knast der Ort, an dem die Verbrecher am Ende landen - sicher verwahrt hinter Schloss und Riegel. In "Freigang" dient das Gefängnis als Ausgangspunkt der Geschichte. Die Idee ist nicht neu. Beim "Tatort" häuften sich zuletzt die Episoden mit Knast-Fokus. In Stuttgart hat man sich für die letzte "Tatort"-Folge vor der Sommerpause (es geht erst ab 3. August mit neuen Erstausstrahlungen weiter) auf die Vollzugsbeamten gestürzt. Denn im Hochglanzpostkartenvorzeigeknast Zuffenhausen sitzen die Verbrecher nicht nur hinter den verschlossenen Zellentüren. Ein System aus korrupten Vollzugsbeamten um Strippenzieher "King" interpretiert das Wort "Freigang" ein bisschen zu frei.

Herbert Knaup als Stargast im Knast

Es dauert eine ganze Weile, bis die Episode aus Stuttgart an Fahrt aufnimmt. Da hat der geübte "Tatort-Zuschauer den Ausgang der Geschichte schon längst enträtselt. Immerhin wird es zum Ende dann ein bisschen spannend, auch wenn der "Tatort" dieses Mal arg überspitzt wirkt. Stellt sich also die Frage: dranbleiben? Oder den Abend lieber auf dem Balkon ausklingen lassen? Wir empfehlen trotz aller Schwächen dranzubleiben, schon allein wegen Herbert Knaup. Als Sicherheitschef Franke meistert er den Spagat zwischen schmierig-kühl und besorgt-väterlich ganz hervorragend. Neben Knast-Promi Knaup gibt es auch einige tolle, unverbrauchte Gesichter zu sehen (schöner Lokalkolorit: die schwäbelnde Frau eines Vollzugsbeamten). Nach dieser leicht verdaulichen Sonntagabendkrimikost freuen wir uns aber im August dann wieder auf richtig gute, frische "Tatort"-Folgen.

Tatort: Freigang, Montag, 9. Juni 2014, 20.15 Uhr, ARD

Sollten Sie den "Tatort" verpasst haben, können Sie sich die aktuelle Folge bis sieben Tage nach Ausstrahlung (aus Jugendschutzgründen jeweils in der Zeit von 20 bis 6 Uhr) in der ARD-Mediathek anschauen.

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