Tatort: Wien blickt in den menschlichen Abgrund

Im Tatort aus Wien ging es mal wieder düster zu. Der neueste Fall brachte die Ermittler Moritz Eisner und Bibi Fellner auf die Spur eines Kinderpornorings.

Auf den Frühling hatten sich Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) bestimmt schon genauso gefreut wie wir. Aber statt Sonne und Vogelgezwitscher zu genießen, stapfen die beiden Kommissare aus dem Österreich-Tatort am Sonntagabend durch das schneeverwehte Wien. Sie müssen in ihrem neuesten, sehr düsteren Fall in menschliche Abgründe blicken. Dieser Tatort ist nichts für schwache Nerven!

Bridget Jones bei der Geburtsvorbereitung

In den Abbruchtrümmern eines Hauses wird eine Leiche gefunden. Die Tote war vor fünf Jahren Ermittlungsleiterin einer Sonderkommission. Denn in genau diesem Haus hatte ein Kinderschänder ein Mädchen im Keller gefangen gehalten. Ausgerechnet dort kommt die Kommissarin jetzt ums Leben - angeblich ein Unfall. Tragisch. Und traurig. Weil sie den Fall nicht loslassen konnte. So sagen es zumindest Kollegen und Vorgesetzte, denen die Ermittlungen der engagierten Frau ein Dorn im Auge waren. Die Ermittlerin hatte nie daran geglaubt, dass der Kinderschänder ein Einzeltäter war. Moritz Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner zweifeln an einem Unfall. Immer wieder kommen sie bei den Ermittlungen nicht weiter, weil sie von oben blockiert werden. Was haben seine Vorgesetzten zu verbergen? Sind sie etwa selbst Teil des Kinderpornorings, dem die tote Ermittlerin auf der Spur zu sein schien?

Redakteurin Insa Winter mag Tatorte, die den Zuschauer herausfordern - auch wenn man danach manchmal nicht gut schlafen kann.

Aktueller hätte der neueste Tatort-Beitrag aus Wien nicht sein können, auch wenn die Ausstrahlung rund um die Edathy- und Kinderpornographie-Diskussion sicherlich nicht geplant war. "Abgründe" ist kein Fall für die Spaß-Tatort-Fraktion, die sich gern anschaut, wie sich Dr. Boerne und Kommissar Thiel durch Münster kalauern, die den subtilen Humor eines Weimar-Tatorts schätzt oder die sich am Sonntagabend einen 0815-Fall wünscht, mit dem sie sich ablenken kann - und schon während des Abspanns wieder vergessen hat, worum es eigentlich ging. Dieser Tatort hallt nach und lässt einen nur schwer einschlafen.

Das liegt daran, dass wir wissen: Die Handlung des Tatorts, so fiktiv sie ist, kann tagtäglich passieren und geschieht tatsächlich. Die Anspielung auf den Fall Natascha Kampusch ist offensichtlich. Die aktuelle Debatte um Kinderpornographie zeigt, dass wir hier kein Was-wäre-wenn-Szenario im Fernsehen sehen. Am Ende des Tatorts wünscht man sich als Zuschauer nur eines: Gerechtigkeit. In welcher Form auch immer. Für die Kinder im Film. Und für die Kinder im tatsächlichen Leben, die jeden Tag Opfer von Missbrauch und Kinderpornographie werden.

"Tatort: Abgründe", Sonntag, 2. März 2014, 20.15 Uhr, ARD

Filmszenen aus "Abgründe"

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