Von Wickie bis zur Roten Zora: Die TV-Serien unserer Kindheit

Machen wir uns nichts vor: Einige TV-Serien prägten uns als Kind womöglich mehr als Erziehung und gute Ratschläge. Zum Kinostart von "Wickie und die starken Männer" blicken wir zurück auf die Fernsehhelden unserer Kindheit.

"Wickie" prägte das Männerbild von Susanne Arndt

Susanne (links) und ihr Bruder freuen sich ...

.. einmal die Woche auf die "Wickie-Time"!

Einmal die Woche gingen unsere Eltern "in die Stadt", wie man bei uns sagte, und Oma passte auf mich und meinen Bruder auf: Wickie-Time! "Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey!", dröhnte es dann zuverlässig aus dem Schwarz-Weiß-Fernseher, den sich meine Eltern 1966 angeschafft hatten. Ich fand die kleine Wickie so cool, wie sie den starken, aber strunzblöden Männern, mit denen sie unterwegs war, immer aus der Patsche half. Das Beste war natürlich immer der große Moment, wenn sie sich die Stupsnase rieb und strahlend rief: "Ich hab's!"

Dank Wickie bin ich in der festen Gewissheit aufgewachsen, dass Wesen mit ganz viel Grips und schulterlangem Haar ganz klar weiblich sein müssen. Die Enttäuschung kam im Teenageralter, als ich erfuhr: Wickie ist gar kein Mädchen, Wickie ist ein Wickingerjunge! Seitdem besitze ich ein mehr oder weniger gesundes Misstrauen und finde langhaarige Männer schön, denn ich habe damals schon gelernt: 1) Nichts ist, wie es scheint und 2.) nicht alle Männer sind tumb und struppig.

Wo kann man Susannes Lieblingsserie heute noch sehen?

Bei ZDFtivi läuft die Originalserie "Wickie und die starken Männer" samstags um 9.50 Uhr. Außerdem gibt es "Wickie" auch auf DVD: In der "Wickie und die starken Männer - Komplett-Box" von Universum Kids sind 12 DVDs mit allen 78 Folgen enthalten. Und wahre Wickie-Fans sollten sich natürlich auch das Remake von Bully Herbig nicht entgehen lassen, das am 9.9.2009 in unsere Kinos kommt.

Fotos: privat, ZDF

Henning Hönicke verehrt "Captain Future" bis heute

Die Folgen hat Henning zwar nie verstanden ...

... aber toll fand er den Captain trotzdem.

Oh Captain, mein Captain! Du bist und bleibst der strahlendste Held meiner Kindertage! Ich weiß noch genau, wie ich an meinem fünften Geburtstag die Festivitäten mit dem Ausruf "Captain Future!" zum Erliegen brachte und alle Gäste vor den Fernseher zwangsumsiedelte. Für meine Eltern war das damals ein schwerer Schock, für mich nur der Beginn einer wundervollen Freundschaft zwischen Kind und Fernseher.

Ein virtueller Besuch von dir war zehnmal aufregender als eine Visite vom Weihnachtsmann (und auch häufiger). Bei dir gab es alles, was Kinder lieben: Raumschiffe, Roboter, Monster, Action - und vor allem den bis heute unübertroffen besten Soundtrack aller Zeiten. Da störte es nicht, dass ich deine Abenteuer nie so richtig verstanden habe. Heute weiß ich: Das ging auch gar nicht. Beim ZDF schnitt man damals zwecks Laufzeit-Optimierung kaltblütig fast ein Drittel aus jeder Folge raus - ohne Rücksicht auf die Handlung. Da musste halt mal unter den Tisch fallen, wie du, O Captain, aus einer Gefängniszelle entkommen konntest. Du warst halt plötzlich draußen und hattest gleich eine Wundermaschine, mit der du durch Wände gehen konntest. Dass die Folgen in falscher Reihenfolge ausgestrahlt wurden, machte dein Handeln auch nicht verständlicher.

Leider hattest du, wie viele TV-Stars, mit schlechter Presse zu kämpfen: Viele Eltern (auch meine) standen dir eher skeptisch gegenüber und verteufelten dich als kinderschädlich. Jaja, heute lachen wir angesichts vom Vormittagsprogramm aller Privatsender beide darüber. Aber damals wurdest du mir einfach von autoritären Senderbossen weggenommen. Das fand ich gar nicht komisch! Das Loch in meinem Herzen konnten auch die kurz verkauften Captain-Future-Comic-Hefte nur notdürftig flicken.

Erst jetzt als Erwachsener kann ich mich dank DVD-Set ungestört wieder mit dir und deinen beiden Robotern Grag und Otto in dein Raumschiff "Comet" begeben und den Kampf mit dem "Herrscher von Megara", dem "schwarzen Planeten" und den überraschenden Handlungssprüngen aufnehmen. Und das ist heute noch so aufregend wie in Kindergarten-Zeiten!

Wo kann man Hennings Lieblingsserie heute noch sehen?

Zwei DVD-Boxen sind mittlerweile erschienen: "Captain Future - DVD Collection 1" (vier DVDs, Folge 1-25) und "Captain Future - DVD Collection 2" (drei DVDs, Folge 26-40)

Fotos: privat, 1978 Toei Animation

Michèle Rothenberg freute und fürchtete sich mit den "Fraggles"

Michèle wäre als Kind gerne ...

... ein Mitglied der Fraggle-Gang gewesen.

Der Held meiner frühen Kindheit hieß Gobo und war orange. Zum einen bewunderte ich ihn für seinen Mut und seine Neugier, zum anderen fand ich ihn einfach sehr sympathisch. Denn Gobo war immer groovy und funky und gut drauf. Wenn er nicht gerade den Untergrund erforschte, machte Gobo am liebsten Party mit seiner Kommune. Da war immer was los in der Höhle! Den ganzen Tag hatten die Fraggles offenbar nichts anderes zu tun als zu singen, zu tanzen, zu schwimmen und die kleinen Doozers zu ärgern, deren Sinn ich nie begriffen habe, aber die auch irgendwie nett waren. Und wenn sich die Fraggles abends in ihre Kojen kuschelten, unterhielten sie sich immer noch ein bisschen und wünschten sich eine gute Nacht. Hach, ein Fraggle müsste man sein ...

Junior-Gorg. Ist er nicht... äh... gruselig?

... wären da nicht diese fürchterlichen GORGS gewesen. Ich gruselte mich tierisch vor den Zottel-Monstern, der hässliche Junior tauchte sogar in meinen Albträumen auf. Man denke nur an die Folge, in der er die gesamte Fraggle-Gang in einen Käfig sperrte und den armen Wembley mit einer Keule fast zu gelbem Brei geschlagen hätte. Grausam! Leider mussten die Fraggles ständig in den Gorgs-Garten, um Radieschen zu klauen oder die allwissende Müllhalde zu befragen (die mir auch nicht ganz geheuer war, aber wenigstens war sie nicht gewalttätig). Und so bangte ich Folge für Folge um die Fraggles, wohl wissend, dass am Ende doch wieder alle ein große Party feiern würden.

Ob die Fraggles mich beeinflusst haben? Hm, mal überlegen: Mit sieben entwickelte ich eine Vorliebe für Wassersport, mit 14 begann ich, mir die Haare rot zu färben, mit 16 wollte ich in eine Hippie-Kommune ziehen, Party mache ich nach wie vor gerne, und mein Mann ist Musiker.

Ich glaube, schon.

Wo kann man Michèles Lieblingsserie heute noch sehen?

Die Fraggle-Abenteuer gibt es als DVD-Box "Die Fraggles - Folge 1-12" auf Deutsch, inklusive 12 englischer Folgen.

Fotos: privat, Jim Henson Company

So rebellisch wie "Die Rote Zora" wäre Andrea Huss auch gern gewesen

Die blonde Andrea bewunderte ...

... "Die Rote Zora" für ihre Wildheit.

Meine Eltern hatten eine riesige Musiktruhe, ein extra Fernsehzimmer und ein Teletennis-Spiel. Ende der 70er zählten wir damit vermutlich zu den medienaffinen Haushalten. Mein Schönstes an einem tristen verregneten Nachmittag war es, auf der Fernsehcouch zu sitzen, mit einer Packung süßklebriger Toffifees auf dem Schoß und "Die Muppet Show", "Pan Tau", "Die Waltons" oder ähnlich Kindgerechtes zu sehen. Mein TV-Favorit aber war die "Die Rote Zora". Wie ich selbst musste die Heldin es mit einer Handvoll Jungs aufnehmen, anders als ich schaffte sie es dabei aber locker zur Bandenführerin. Die Jungs in meiner Straße, einer Sackgasse auf dem Dorf, hießen Christian, Bernhard, Jochen, Stefan und Peter. Zoras Jungs hießen Branko, Nicola, Pavle und Duro... Ich hatte glatte blonde Haare, trug Kordhosen und durchsichtigen Lipgloss mit Erdbeergeschmack. Zora hatte eine wilde rote Mähne und lief im angeschmuddelten Fetzenlook herum.

Damals hatte ich kein Wort für das, was sie für mich war, heute weiß ich: Sie war sexy. Unbezähmbar stark wie Pippi, aber viel gerissener und erwachsener. Es gab kein vergleichbares Mädchen damals im deutschen Fernsehen. Mit ihrer Bande aus Waisenkindern hauste die rote Zora außerhalb der Stadt in einer verlassenen Burg. Klar wäre ich da nie eingezogen, schon wegen der vielen Spinnen (und der fehlenden Toffifees). Aber ein bisschen mehr Chaos und Wildheit hätte ich mir auch für mein Leben gewünscht. Die rote Zora legte sich mit arroganten Gymnasisten ebenso an wie mit geldgierigen Bonzen, und zog die Truppe los zu einem ihrer Streiche, marschierte Zora selbstverständlich ganz vorn.

Erst viel später habe ich erfahren, dass "Die Rote Zora" gleichzeitig der Name einer radikalfeministischen Stadtguerilla war, die in den 70ern mit Sprengstoffanschlägen gegen den Abtreibungsparagraphen und Frauenunterdrückung kämpfte. Beide, die Terrorvereinigung und die Fernsehserie, hatten das gleiche Vorbild: die Titelheldin aus dem Jugendbuchklassiker "Die Rote Zora". Geschrieben hat das Powerfrauen-Buch erstaunlicherweise ein Mann (Kurt Held) und das während der Nazizeit (Erstveröffentlichung 1941).

Fotos: privat, Bayerisches Fernsehen

Wo kann man Andreas Lieblingsserie heute noch sehen?

Die DVD-"Collector's Box" mit allen 13 Folgen der Serie gibt es bei Amazon für ca. 34 Euro.

Angelika Unger litt als Kind unter "Krimi-Polygamie"

Der Fahnder und Kollege Max

Ende der 80er, ich muss neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, hatte ich jeden Abend ein Date mit einem anderen Mann. Montagabends traf ich mich mit Faber, dem "Fahnder". Obwohl unsere Beziehung viele Monate dauerte, weiß ich nicht einmal seinen Vornamen. Faber war ein Einzelgänger, ein Draufgänger, einer, der schon mal eine Tür eintrat, wenn er dahinter einen Verbrecher vermutete. Ich liebte seine Ruppigkeit und seinen Ruhrpott-Charme, und es machte mir auch nichts aus, ihn mit seiner Freundin Susanne zu teilen.

Horst Schickel und sein Team von der "Soko 5113"

Horst Schickl, mein Dienstags-Date von der "SOKO 5113", war das genaue Gegenstück zum Fahnder: stets korrekt, penibel, mit Jackett, Brille und messerscharfem Verstand. Und dann gab es da noch den charmanten Schwindler "Remington Steele" (mittwochs), den abenteuerlustigen Millionär Jonathan Hart (donnerstags) und die ungleichen Brüder Rick und A.J. Simon, der eine ein raubeiniger Schnurrbart-Träger, der andere ein smartes Milchgesicht (freitags).

"Hart, aber herzlich" - Jonathan und Jennifer Hart

Was hat mich damals so fasziniert an diesen Männern, dass ich mit jedem von ihnen einen Abend pro Woche verbrachte? Wahrscheinlich das Versprechen, das dahinter steckte: Egal, was in dieser Welt Schlimmes passiert, in 45 Minuten ist alles wieder gut, der Fall aufgeklärt, die Bösen hinter Gittern. Eine unglaublich beruhigende Vorstellung - übrigens nicht nur für Zehnjährige. Krimis schaue ich noch heute gern an.

Wo kann man Angelikas Lieblingsserien heute noch sehen?

"SOKO 5113" läuft montags, 18 Uhr, im ZDF. "Remington Steele" zeigt Das Vierte täglich um 16:55 Uhr und 18 Uhr. Als (in Deutschland lieferbare) DVD-Boxen gibt es: "Der Fahnder - Die erste Staffel", "Der Fahnder - Die zweite Staffel", "Der Fahnder - Die dritte Staffel", "SOKO 5113 - Kokain / Sichtvermerk", "SOKO 5113 - Knastdealer / Das Duell", "Remington Steele - Series 1 - Complete" [UK IMPORT], "Hart aber herzlich - Erste Season" (6 DVDs), "Hart aber herzlich - Zweite Season" (5 DVDs)

Wiebke Peters war verliebt in "Ein Colt für alle Fälle"

Als Kind fand Wiebke ...

... Stuntman Colt Seavers irre cool.

Meine Englischkenntnisse waren Anfang der 80er sehr begrenzt. Das hinderte mich nicht daran, jeden Montag um 17.50 Uhr laut, begeistert und hemmungslos falsch "The Unknown Stuntman" mitzusingen, den Titelsong von "Ein Colt für alle Fälle". Das war meine Leib-und-Magen-Serie: Alles daran fand ich großartig. Hauptfigur Colt Seavers mit seinen blauen Augen und den irren Stunts war cool, lange bevor ich das Wort kannte. Sein Helfer Howie - trottelig, aber soo süß. Und Assistentin Jody, eine Barbie-Puppe in Menschengestalt, bewunderte und beneidete ich heiß und innig. Vor allem wegen ihrer langen blonden Haare. An inhaltliche Details meiner geliebten Serie erinnere mich nicht. Eins ist aber geblieben: Noch immer trällere ich ab und an den "Unknown Stuntman" vor mich hin. Natürlich nur, wenn keiner mich hören kann. Den Text kenne ich nämlich immer noch nicht.

Wo kann man Wiebkes Lieblingsserie heute noch sehen?

Um Colt im Fernsehen zu bewundern, muss man früh aufstehen: Samstags und sonntags um 6 Uhr wiederholt Das Vierte alle Folgen. "Season 1" und "Season 2" von "Ein Colt für alle Fälle" gibt es auch jeweils als DVD-Box. Fotos: privat, Das Vierte

Und welche Serien haben Sie in Ihrer Kindheit gesehen?

Schreiben Sie einen Kommentar.

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!