"Der Wüstensohn" - der neue "Tatort" aus München

Im neuen "Tatort" aus München macht es der Hauptverdächtige den Kommissaren nicht leicht, denn "Der Wüstensohn" genießt einen Diplomatenstatus. Lohnt sich das Einschalten?

Worum geht's?

Fernab seiner Heimat führt Nasir als Yasaf - Sohn des Emir von Kumar - in München ein Luxus-Leben voll Partys, Koks und schnellen Autos. Konsequenzen muss er nicht fürchten, schließlich genießt er einen Diplomatenstatus - und den in vollen Zügen. Eines Nachts rast der junge Mann mit seinem Sportwagen durch München und liefert sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Mit dabei auf dem Beifahrersitz: sein erschossener bester Freund Karim. Der Polizei sind die Hände gebunden, denn Nasirs Auto ist "exterritoriales Gebiet". Gar nicht so leicht für die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), wenn sie nicht einmal den Verdächtigen befragen dürfen. Der zeigt sich aber kooperativ, hat er doch Gefallen an Batic gefunden, den er am liebsten seinem Vater als Polizeichef empfehlen würde. Natürlich ist Nasir nicht der einzige Verdächtige - neben einem dubiosen Generalkonsul empfehlen sich auch Politiker aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium als potenzielle Täter.

Interview: Javier Bardem

Worum geht es wirklich?

Wie immer: um eine Leiche. Aber auch um Korruption, Drogen, kriminelle Geschäfte. Und um diplomatische Verwicklungen.

Was ist gut?

Batic und Leitmayr ermitteln in gewohnt guter Manier. Zuletzt zählte der "Tatort" aus München zu den besten der Reihe. Weiterer Pluspunkt: Yasin el Harrouk überzeugt als Bad Boy Nasir.

Nasir (Yasin el Harrouk) genießt seinen Diplomatenstatus und fuchtelt mehr als einmal mit der Knarre in der Hand umher.

Gibt's was zu meckern?

Ja. Dieser "Tatort" ist voll von Klischees über reiche, arabische Touristen, die sich einen Luxus-Urlaub in Deutschland gönnen. Verschleierte Frauen, die teure Schuhe kaufen. Kamele im Vorgarten. Und Männer, die sich Hubschrauber und Panzer als Spielzeuge kaufen. Und auf Wilson Gonzalez Ochsenknecht als Nasirs Party-Freund hätten wir auch verzichten können.

Der erste Satz:

"Hallo? Steigen Sie bitte aus! HALLO?!" Da fühlt sich jemand wohl und mag der Aufforderung des Kommissars nicht folgen. Warum auch?

Der letzte Satz:

"Die Vorwürfe sind abstrus. Ich werde mich dazu nicht weiter äußern." Schweigen und aussitzen - damit sind auch schon ganz andere durchgekommen.

Ist dieser "Tatort" realistisch?

Pate für diesen "Tatort" stand eine Begebenheit, die vor einigen Jahren hohe Wellen schlug. Der damalige Polizeipräsident von München dinierte mit dem Sohn von Gaddafi, dem libyschen Ex-Diktator, im Bayerischen Hof. Er habe ihn nur ermahnen wollen, erklärte der Polizeipräsident damals die Situation.

Lohnt das Einschalten?

Den ersten deutschen "Tatort" nach der Sommerpause (als Auftakt gab es Krimis aus Österreich und der Schweiz) sollte man sich nicht entgehen lassen. Schließlich gehören Batic und Leitmayr zu den Top-Ermittlern im "Tatort"-Reigen. Und nach einem schwächelnden Wiener "Tatort" und den gewöhnungsbedürftigen Schweizer Ermittlern freut man sich erst recht auf Gutes aus bayerischen Landen.

Aktuelle und zukünftige "Tatort"-Ermittler im Überblick

Der "Tatort" bei Twitter

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