Film-Paare: Regisseure und ihre Cutter

Never change a winnig team - viele erfolgreiche Regisseure arbeiten seit Jahren mit demselben Cutter zusammen. Wir stellen fünf berühmte Film-Paare vor.

Thelma Schoonmaker und Martin Scorsese

Eigentlich wollte Thelma Schoonmaker Diplomatin werden. Dann wurde sie jedoch während eines Sommerkurses an der New York University gebeten, einem verzweifelten Filmstudenten beim Schnitt seines aktuellen Werkes zu helfen, weil sie bereits ein wenig Erfahrung als Cutterin gesammelt hatte. So rettete sie zum ersten Mal Film und Nerven des späteren Meisterregisseurs Martin Scorsese - der dankt es ihr bis heute mit mehr als 30-jähriger Freundschaft (und Hollywood honoriert es mit regelmäßigen Oscar-Nominierungen für ihre Arbeit.)

Gleich nach dem ersten Erfolg versuchte Scorsese Schoonmaker wieder zu beschäftigen, was aber immer daran scheiterte, dass die gebürtige Algerierin nicht als Mitglied in den amerikanischen Cutter-Verband aufgenommen wurde (in der streng gewerkschaftlich geregelten Traumfabrik zwingende Grundvoraussetzung für eine Arbeitserlaubnis). Pünktlich zum Schnitt von "Wie ein wilder Stier" bekam Schoonmaker dann allerdings doch die Mitgliedschaft zugesprochen. Bis heute weiß sie nicht, welchem gönnerischen Einfluss sie die Aufnahme verdankt - man munkelt, es sei Al Pacinos Werk gewesen, der auf Scorseses Bitte hin aktiv geworden sei. Könnte es eine bessere Grundlage geben, um das Genre des Mafiafilmes zu erschaffen und bis heute zu perfektionieren?

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Andrew Bird und Fatih Akin

Bevor der gebürtige Londoner Fatih Akin traf, hatte er eigentlich schon mit dem Schnittberuf abgeschlossen - zu viele hochnäsige Regisseure hatten ihm die Arbeit verleidet. Fortan wollte Bird nur noch als Übersetzer arbeiten. Dann baten ihn die Produzenten der Hamburger Filmproduktion "Wüste-Film" doch wenigstens noch einen Blick in das Drehbuch von "Kurz und schmerzlos" zu werfen. Bird tat es, traf sich kurz darauf mit dem deutsch-türkischen Newcomer aus Hamburg-Altona - und ging dem Filmgeschäft glücklicherweise doch nicht verloren. Natürlich sei es immer noch anstrengend, mit demselben Menschen über lange Zeit in einem engen Schnittraum zu sitzen, sagt Bird, "aber man muss diesen Weg gemeinsam gehen, denn man will ja etwas herstellen, was in der Welt Bestand hat."

Welch großen Einfluss er auf Akins Filme hat, wurde beim Film "Auf der anderen Seite" deutlich. Erst im Schnittraum stellten Bird und Akin fest, dass das Drehbuch auf der Leinwand überhaupt nicht mehr funktionierte - also nahmen sie das vorhandene Material und fügten es neu zusammen. Akin vertraute dabei völlig auf Birds Intuition, auch wenn die Struktur des Original-Drehbuches so völlig zerschlagen wurde. Ironischerweise bekam der Regisseur dann den Drehbuch-Preis in Cannes, ließ aber in allen Interviews keinen Zweifel daran, wer dem Film wirklich zu seiner Qualität verholfen hatte.

Sally Menke und Quentin Tarantino

Wer hätte gedacht, dass eine Frau großen Anteil an Quentin Tarantinos grellbunten männlichen Gewalt- und Trashfantasien hat? Sally Menke ist seit seinem rasanten Debüt "Reservoir Dogs" 1992 Tarantinos Frau fürs Feine. Der ehemalige Videothek-Verkäufer schwärmt von der Cutterin auf seine Art: "Die besten Kollaborationen sind die zwischen jenen Regisseur-Cutter-Teams, die den Satz des anderen beenden können, und Sally Menke ist meine einzige, aufrichtige und authentische Kollaborateurin."

Michael Kahn und Steven Spielberg

Als sich die beiden 1976 zum ersten Mal trafen, fragte Steven Spielberg Michael Kahn, ob er ein guter Cutter sei. Der sagte seelenruhig: "Was soll ich da sagen? Ich weiß nur, dass mich jeder, mit dem ich bisher gearbeitet habe, wieder beschäftigen wollte." Dem Regisseur reichte das, um Michael Kahn seit nunmehr über 30 Jahren immer wieder an seine Filmrollen zu lassen.

Die beiden gehen dabei immer auf die gleiche Weise vor: Spielberg sagt: "Du hast alle Takes, also schneide sie so zusammen, wie Du denkst und ich gucke dann, ob es mir gefällt." Und Kahn sagt manchmal: "Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Sequenz umgehen soll, ich brauche ein bisschen Input von Dir." Am Ende diskutieren sich die beiden ihre Endfassung zurecht und verabschieden den nächsten Blockbuster ins Kino.

Alisa Lepselter, Susan E. Morse und Woody Allen

In der Beziehung zwischen Cutter und Regisseur geht es häufig wie in einer Ehe zu - im Guten wie im Schlechten. Seit "Sweet und Lowdown" (1999) ist Alisa Lepselter Woody Allens persönliche Cutterin - damit beendete der Regisseur die 20-jährige Zusammenarbeit mit Susan E. Morse, die seit "Manhattan" alle seine Filme geschnitten hatte. Warum es zum Bruch kam, haben beide nie kommentiert, klar ist nur, dass ihre letzte gemeinsame Arbeit "Celebrity" zu Allens schwächsten Filmen gehört.

Tinka Dippel
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