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Filmbesprechung I wanna dance with somebody: Whitney Houston für alle

I wanna dance with somebody: Sängerin Whitney Houston
© Everett Collection / imago images
Warum der Film “Whitney Houston: I wanna dance with somebody” jeden zum Fan macht: eine Filmbesprechung von Andrea Hacke.

Schnallt euch an: Wir reisen einmal durch das Leben der bis heute erfolgreichsten Sängerin aller Zeiten - Whitney Houston.

Wer war Whitney Houston? Ein Chormädchen mit großen Träumen, eine Gläubige, ein Superstar mit mehr Nummer-1-Hits in Folge als die Beatles, die Ehefrau von R&B-Sänger Bobby Brown, liebevolle Mama, Geliebte, Betrogene, ein Drogenwrack, die Auferstandene, die nie aufgeben wollte – bis zu ihrem Tod 2012, mit nur 48 Jahren. 

Hier wird jede:r zum Fan

Das Biopic über die große Sängerin mit einer 3-Oktaven-Stimme nimmt die Zuschauer:innen mit durch all diese Etappen: Man lacht über den frechen, jungen Fratz, der so genau weiß, was er will und immer einen Spruch parat hat. Man bekommt Gänsehaut, wenn ihre großen Hits erklingen (und einem wieder einfällt, welchen Song man früher wo gehört hat). Wir erfahren von Whitneys erster Liebe zu einer Frau, ihrer Assistentin Robyn Crawford. Das Verhältnis passte nicht zu den Regeln ihres Glaubens, allerdings strahlt diese Freundin in jeder Szene so viel Wärme aus und ist ihr Leben lang so bedingungslos für Whitney da, dass die Sängerin gut daran getan hätte, in dem Fall nicht auf ihren Gott zu hören. 

Der Film gleicht einer Achterbahnfahrt – wir steigen mit Whitney in die Höhe und schauen ihr zu beim Versinken. Gespielt wird die Ausnahmekünstlerin von einer Ausnahmeschauspielerin: Naomie Acki. Sie schafft es, jeden auf ihre Seite zu ziehen. Ihre Rolle spielt sie selbstbewusst und weich, verliebt und verletzt, die Figur erscheint mal von der ganzen Welt getragen und kurz darauf wie im freien Fall – und jede Facette wirkt echt. Alles zusammen lässt den Superstar im Kino wie eine von uns wirken: Eine Frau, die geliebt werden will, aber trotz allen Jubels vor der Bühne durch ihr Leben struggelt. Am berührendsten ist vielleicht die Szene zwischen ihr und einem unbekannten Kellner, der im Tief genau die Worte findet, die man manchmal braucht, um sich wieder aufzurichten. 

Die Männer bringen ihr Unglück

Ansonsten hat Whitney wenig Glück mit den Männern in ihrem Leben: Sie verliert durch sie Geld, Vertrauen, Liebe und die Hoffnung auf ein gutes Zuhause. Das schwächt sie mehr, als die guten Menschen um sie herum sie stärken: ihre engste Freundin Robyn (Nafessa Williams), ihre Mutter (Tamara Tunie), auch der Plattenfirmen-Boss Clive Davis (Stanley Tucci), der alle Erfolge mit ihr feierte, aber dem am Ende ihre Gesundheit und ein lebensrettender Entzug wichtiger war als weitere Hits. Das Problem: Whitney war beim Treffen ihrer Entscheidungen nicht ganz so talentiert wie beim Treffen der Noten.

In dem Film von Regisseurin Kasi Lemmons, nach dem Drehbuch von Anthony McCarten, der auch schon "Bohemian Rhapsody" schrieb, ist jede Rolle so gut besetzt, dass man nie denkt: "Die Person senkt jetzt leider das Niveau". Das trägt beim Gucken sehr zur Entspannung bei und macht den Film zu einem guten Programmpunkt zwischen Weihnachtsessen und Ferienende.   

I wanna dance with somebody: Sängerin Whitney Houston
© Everett Collection / imago images

Um Whitney Houston den nötigen Respekt zu erweisen, werden ihre größten Hits, die im Kino im Original zu hören sind, ausgespielt. Das macht den Film lang: 144 Minuten, die sich zum Ende etwas ziehen. Trotzdem verlässt man das Kino erfüllt – wegen der Darsteller, den vielen zum Schmunzeln angelegten Dialogen und einer durchweg guten Inszenierung mit vielen netten Details. Beim Rausgehen aus dem Kino schwingt Traurigkeit mit, weil Whitney Houston im Leben nicht das bekommen hat, was man ihr gegönnt und sie verdient hätte. 

Filmstart ist der 22. Dezember 2022.

Brigitte

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