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Im Kino: Gierige Leinwand-Schurken


Die Geschichte des Films ist die Geschichte von gierigen Schurken. Auch in diesem Frühjahr spielen sie wieder eine der Hauptrollen im Kino.

Warum gehen wir eigentlich ins Kino? Okay, einerseits wegen der Großen Liebe und rührselig triefenden Schlusssequenzen. Andererseits, weil wir gepflegte Schurken sehen wollen. Jeder braucht ab und an einen Buhmann und die Filmemacher wissen das. Und davon leben, nur man zum Beispiel, alle "James-Bond"-Filme: fiese Gegenspieler, die mit ihrer Gier nach unendlicher Macht den Weltfrieden bedrohen. Noch viel häufiger als mit dem Größenwahn der James-Bond-Schurken haben wir es im Film allerdings mit ganz realen Gierschlunden zu tun. Jeder Krimi, in dem nicht gerade aus Liebe, Leidenschaft oder Eifersucht gemordet wird, dreht sich irgendwie um Gier.

"21" mit Kevin Spacey

Gerne schlittert aber auch einer mehr oder minder unabsichtlich in Situationen, in denen er sich bewusst gegen das dicke Geld entscheiden müsste - und das natürlich nicht tut. So in "21" (Kinostart 10. April). Der Film erzählt die Geschichte des jungen Ben, Mathematikstudent an der renommierten Universität M.I.T. und ein Genie, wenn es um Zahlen geht. Ben hält sich mit einem Job beim Herrenausstatter über Wasser - sein Traum vom Medizinstudium in Harvard scheint in weiter Ferne. Doch dann wird sein Mathematik-Professor (Kevin Spacey) auf ihn aufmerksam und holt ihn ins "Blackjack-Team": Fünf hochbegabte Mathematik-Genies werden vom Professor darauf getrimmt, mit der perfekten Formel beim Blackjack zu gewinnen. Mit falschen Identitäten nehmen die Studenten an den Wochenenden die Kasinos aus. Für Ben beginnt ein Doppelleben zwischen Universität und First Class Hotels, zwischen Kapuzenpullis und Designer-Anzügen. Das Geld für sein Harvard-Studium hat er längst zusammen; doch Ben will mehr. Und damit ist er nicht der erste, der besser rechtzeitig "Nein" gesagt hätte.

"Chiko" von Özgür Yilderim

Auch dem kleinen Dealer Chiko im gleichnamigen Film von Özgür Yildrim (Kinostart: 17. April) hätte eine frühe Gier-Bremse viel erspart. Chiko träumt von Macht, Anerkennung und einem dicken Mercedes. Um das alles zu erreichen will er gemeinsam mit zwei Freunden die Drogenszene im Hamburger Rand-Ghetto Dulsberg aufmischen. Zuerst scheint der Plan aufzugehen: Drogenboss Brownie (Moritz Bleibtreu) - der alles verkörpert, wovon Chiko träumt - wird auf den Jungen aufmerksam und gibt ihm die Chance, als Dealer ins Geschäft einzusteigen. Alles läuft glatt, doch dann begeht Chikos Freund Tibet einen schweren Fehler - und Chiko muss sich entscheiden: Für Reichtum oder Freundschaft. Klar, wie ?s weitergeht.

"Cassandras Traum" von Woody Allen

Im Juni nimmt sich auch Woody Allen nach "Match Point" wieder des Themas vom ersehnten gesellschaftlichen Aufstieg an. Einschließlich der Frage, ob man dafür bereit ist, einen Mord zu begehen. "Cassandras Traum" (Kinostart 5. Juni) erzählt die Geschichte von zwei Brüdern aus der Londoner Arbeiterklasse. Beide haben Geldsorgen und beide wissen nicht mehr weiter: Der spielsüchtige Terry (Colin Farrell) versinkt in Schulden und Ian (Ewan McGregor) verliebt sich in eine Frau, die ein Leben im Luxus fordert. Ian will ihr den Lebensstandard bieten, den sie sich wünscht und geht dafür über Leichen: Für das große Geld lassen sich die Brüder auf einen gefährlichen Deal ein, der sich schon bald ihrer Kontrolle entzieht.

Im Fernsehen: "Mit Glanz und Gloria"

Auch im Fernsehen ist das Thema Gier präsent. Voraussichtlich im Herbst beginnt Regisseur Dieter Wedel mit den Dreharbeiten zum ARD-Fernsehzweiteiler "Mit Glanz und Gloria". Der Film erzählt die Geschichte des Hamburger Anlagebetrügers Jürgen Harksen, der sich in den Jahren 1986-1993 um viele Millionen Euro bereichert und sich anschließend nach Südafrika abgesetzt hatte. Aber halt, wieso ist das nur ein Zweiteiler? Wir wollen mehr, mehr, mehr, mehr...

Text: Annika Behrmann Foto: 2007 Sony Pictures Releasing GmbH

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