Neu im Kino: "Die Päpstin"

Popcorn-Mittelalterkino mit einer starken Johanna Wokalek: Der Film "Die Päpstin" von Sönke Wortmann läuft ab 22. Oktober in unseren Kinos.

Johanna Wokalek als "Die Päpstin"

Ob sie nun wahr ist oder nicht - faszinierend ist die Geschichte auf jeden Fall: Sollte es tatsächlich eine Frau gegeben haben, die es heimlich auf den Papstthron geschafft hat? Verschwörungstheoretiker halten die Legende der angeblichen Päpstin Johanna jedenfalls für wahr und füllen ganze Internetseiten, um zu beweisen, dass die katholische Kirche im großen Stil Geschichtsfälschung betrieben hat, damit die "Schmach" einer weiblichen Nachfolgerin Petri ausgemerzt wurde.

Die amerikanische Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross hat daraus einen saftigen Historienroman gemacht, den Sönke Wortmann nun mit großem Aufwand und Johanna Wokalek in der Hauptrolle verfilmt hat: Die kleine Johanna erblickt 814 n. Chr. das Licht der noch unaufgeklärten Welt. Obwohl sie viel schlauer ist als ihre beiden Brüder, weigert sich ihr strenger Vater, sie zu unterrichten. Frauen und Bildung, das sei Teufelswerk, ist der Dorfpfarrer überzeugt. Doch Johannas Wissensdurst ist größer als jede Angst vor Strafe - heimlich lernt sie lesen und schreiben. Ein griechischer Gelehrter erkennt ihre Begabung und vermittelt Johanna an die Domschule des Bischofs. Als sie auch dort nur auf Widerstand trifft, fasst sie einen Entschluss: Sie verkleidet sich als Mann und tritt in ein Mönchskloster ein. Wegen seiner außergewöhnlichen Intelligenz wird Bruder Johannes Anglicus schnell von allen geschätzt - auch vom Papst (John Goodman), der den stillen Mönch zu seinem Leibarzt macht ...

Wie jeder gute Monumentalschinken ist "Die Päpstin" ein bisschen zu lang, vor allem, weil der Film in zwei Teile zerfällt: Während es Wortmann schafft, für Johannas Lehr- und Klosterjahre bedrückend dunkle Bilder zu finden, die die unerträgliche geistige Enge ihrer Zeit zeigen, ist ihm ihr Leben in Rom zur unfreiwillig komischen Asterix-Nummer geraten. Was nicht nur an der hanebüchenen Liebesgeschichte liegt, die dort ihren traurigen Höhepunkt findet, sondern leider auch an John Goodman: Der gibt den Papst als grotesk grimassierenden Obelix - dagegen kommt nicht mal mehr die großartige Johanna Wokalek mit ihren stets beherrschten Gesichtszügen an. Trotz aller Schwächen kurzweiliges Popcorn-Mittelalterkino, das einmal mehr zeigt, wie sehr Frauen in der christlichen Gesellschaft unterdrückt wurden - und werden.

Der Trailer zum Film

Kino: Die Päpstin
Andrea Benda
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