Beste Hauptdarstellerin

Eines haben die diesjährigen Nominierten gemeinsam: Sie sind in ihren jeweiligen Filmen das Machtzentrum und flößen ihrer Umwelt Respekt oder gar Angst ein (Ausnahme: Kate Winslet in "Little Children"). Vor welcher von ihnen hat die Academy wohl am meisten Ehrfurcht?

Penélope Cruz - Volver

Frauenpower! Selten wurde die Weiblichkeit so gefeiert wie in Pedro Almodóvars "Volver". Und niemand im Film verkörpert diese Power so sehr wie Penelope Cruz. Nach mäßigem Erfolg in Hollywood ("Sahara", "Gothika") kann die 32-Jährige endlich in einem spanischen Film wieder zur Höchstform auflaufen. Voller Energie verkörpert sie die allein erziehende Mutter Raimunda, die den Film "wie eine spanische Königin durchschreitet" (DIE ZEIT). Cruz hat am Anfang ihrer Karriere gesagt, es wäre schlecht, für sein gutes Aussehen berühmt zu werden, weil man dann nie mehr ernst genommen würde. Mit ihrer Darstellung in "Volver" hat sie eindeutig bewiesen, dass sich beides nicht ausschließen muss. Damit hat sie sich ihre erste Oscar-Nominierung redlich verdient.

Kinostart: 03.08.2006

Judi Dench - Notes On A Scandal

Mit Judi Dench ist nicht zu spaßen! Immerhin wird selbst ein Superheld wie James Bond ganz kleinlaut, wenn sie ihm in der Rolle seiner Vorgesetzten M eine Standpauke hält. Dem internationalen Kinopublikum fiel sie erst auf, als sie dem Prototypen des Macho-Geheimagenten Befehle erteilte. In England hingegen ist die mittlerweile 72-jährige Schauspielerin schon seit Jahren ein gefeierter Theaterstar. Sie gewann insgesamt sechsmal den begehrten britischen Laurence Olivier-Schauspielpreis und wurde letztes Jahr in einer Fernsehumfrage zur besten Schauspielerin Großbritanniens gewählt. Auch die Queen war von Denchs schauspielerischen Leistungen beeindruckt und verlieh ihr 1988 den Titel "Dame Commander of the British Empire". Im Kino spielt Judi Dench meistens Frauen in einflussreichen Positionen, die sich gegen (in der Regel männlichen) Widerstand durchsetzen müssen. Wer einmal gesehen hat, wie sie in Shakespeare in Love (1998) ein aufgebrachtes Theater zum Schweigen bringt, wird ihr jedenfalls bestimmt niemals freiwillig in die Quere kommen wollen. Letztes Jahr war sie auch im ebenfalls Oscar-nominierten "Stolz und Vorurteil" (2005) zu sehen. In "Notes on a Scandal" spielt sie die verbitterte, einsame Lehrerin Barbara Covett, die sich mit einer neuen Kollegin anfreundet. Als die eine Affäre mit einem Schüler beginnt, nutzt Covett die Gelegenheit, durch Erpressung fast vollständige Kontrolle über einen anderen Menschen zu haben. Eine echte Paraderolle für Dame Judi, die wieder einmal so gar nicht damenhaft in ihrem Film ist. Judi Dench wird dieses Jahr zum sechsten Mal für den Oscar nominiert - gewonnen hat sie ihn bereits 1998 als beste Nebendarstellerin in "Shakespeare in Love".

Kinostart: 22.02.2007

Helen Mirren - The Queen

Ihre Mundwinkel zeigen streng nach unten. Allein dieses Gesichtsmerkmal lässt Helen Mirren der Königin von England ähnlich sehen. Aber es sind natürlich nicht nur die Mundwinkel, die ihre Darstellung von Queen Elizabeth II. so überzeugend machen. Mirren verkörpert die Monarchin in Mimik und Ausstrahlung dermaßen gut, dass man fast vergisst, dass es sich um eine Schauspielerin handelt. Mirren selbst tendiert, ganz british, zum Understatement: Ihrer Meinung nach könne man ihre Darstellung auf ihre Brille und Perücke reduzieren. Erfahrung im Spielen von Königinnen hat sie genug, schließlich verkörperte sie in Film und Fernsehen bereits vier andere Regentinnen, unter anderem Elizabeth I. Angeblich war ihre Ausstrahlung am Set so stark, dass die Filmcrew in ihrer Gegenwart stets verstummte und respektvoll Haltung annahm. Ihre Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin ist einer der wenigen todsicheren Oscar-Tipps. Andererseits: Das sagte man letztes Jahr auch über "Brokeback Mountain" und "Bester Film"...

Kinostart: 01.01.2007

Meryl Streep - Der Teufel trägt Prada

Ein echter Stammgast: Meryl Streep gehört mittlerweile fast so fest zur Oscarverleihung wie der rote Teppich und die kleinen Briefumschläge. 14 mal war sie bereits nominiert - ein Rekord. Selbst die Hollywood-Legenden Bette Davis (10 Nominierungen) und Katharine Hepburn (11 Nominierungen) können da nicht mithalten. Ihre Ausbeute ist allerdings bisher vergleichsweise bescheiden: Nur zweimal führte die Nominierung auch zum Erfolg. In "Der Teufel trägt Prada" hat Streep eine Traumrolle für Schauspielerinnen: Die tyrannische Herausgeberin eines Modemagazins vor der Designer wie Angestellte gleichermaßen Respekt und Angst haben. Streep nutzt diese Vorlage reichlich aus und macht ihre Umwelt mit einer eisigen Kälte und wenigen harten Worten so effektiv zur Schnecke, dass es eine wahre Freude ist. Dabei überspannt sie den Bogen allerdings nie und zeigt ihre Figur zwischenzeitlich immer wieder als menschlich und verletzlich. Eine reife Leistung - auch oscarreif? Vielleicht. Sonst sehen wir sie nächstes oder spätestens übernächstes Jahr wieder, zu ihrer 15. Nominierung

Kinostart: 12.10.2006

Kate Winslet - Little Children

Kate Winslet hat es besser als Leonardo DiCaprio. Sie wurde immerhin für ihre Rolle in "Titanic" für den Oscar nominiert, der arme Leo nicht. Nominiert wurde sie überhaupt schon recht häufig, insgesamt fünfmal. Gewonnen hat sie die begehrte Trophäe aber noch nicht. Das könnte sich dieses Jahr ändern: In "Little Children" spielt sie die frustrierte Hausfrau Sarah Pierce, die sich nicht so recht ins spießige Vorstadtleben einfinden kann. Winslet hat sich mit dieser Figur ungewöhnlich stark identifiziert und ihr während der Dreharbeiten zahlreiche Merkmale verliehen, die nicht im Drehbuch standen (eine Rückblende, in der sie schwanger ist, geht etwa auf Winslet zurück). Bald wird sie wissen, ob sich die Mühe gelohnt hat - oder Winslet wieder mit leeren Händen nach Hause geschickt wird.

Kinostart: Starttermin für Deutschland ist noch nicht bekannt

Stimmen Sie hier für Ihre Favoritin

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Guten Morgen, Welt!

Guten Morgen, Welt!

Wir servieren euch täglich Trends, Top-Stories und kuriose Netzfundstücke zum Frühstück!

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Beste Hauptdarstellerin

Eines haben die diesjährigen Nominierten gemeinsam: Sie sind in ihren jeweiligen Filmen das Machtzentrum und flößen ihrer Umwelt Respekt oder gar Angst ein (Ausnahme: Kate Winslet in "Little Children"). Vor welcher von ihnen hat die Academy wohl am meisten Ehrfurcht?

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden