Bester ausländischer Film

Hat Deutschland mit der dritten Nominierung in Folge vielleicht mehr Glück? Werfen Sie selbst einen Blick auf die Konkurrenz für "Das Leben der Anderen".

Nach der Hochzeit

Wenn Ihnen ein dänischer Film besonders gut gefallen hat, schauen Sie mal auf den Namen des Drehbuchautors - in neun von zehn Fällen steht da Anders Thomas Jensen. Auch für den neuen Film der Regisseurin Susanne Bier ("Open Hearts","Brothers") schrieb er das Drehbuch: die Geschichte eines Dänen Jacob, der sich in Indien um Waisenkinder kümmert. Er erhält eine großzügige Spende, die dringend nötig ist – aber mit einer Auflage verbunden: Jacob muss den Scheck persönlich in Dänemark in Empfang nehmen. Widerwillig reist er in die alte Heimat. Und trifft dort auf eine Vergangenheit, die er für begraben glaubte: Die Frau des spendablen Industriellen entpuppt sich als seine einstige große Liebe und ihre Tochter als seine. "Nach der Hochzeit" hat die emotionale Wucht einer griechischen Tragödie, ist rührselig, ohne je in Klischees oder Kitsch zu verfallen, psychologisch präzise und grandios gespielt. (Sabine Groß)

Kinostart: 01.02.2007

Nach der Hochzeit

Days of Glory (Indigènes)

Anerkennung! Das ist alles, wonach die nordafrikanischen Soldaten in "Days of Glory" dürsten. Todesverachtend kämpfen sie im zweiten Weltkrieg in der französischen Armee, in der Hoffnung, endlich als gleichwertig und gleichberechtigt anerkannt zu werden. Doch auch ihr Einsatz in vorderster Front kann den Rassismus im eigenen Land nicht besiegen und das Versprechen eines besseren Lebens nicht einlösen. Eine Ungerechtigkeit, die sich bis heute fortsetzt: Es gibt hunderte von Filmen über den zweiten Weltkrieg, aber nicht einer von ihnen erwähnt die Rolle der Nordafrikaner in der französischen Armee. Der algerische Regisseur Rachid Bouchareb setzte diesen Soldaten nun nachträglich ein Denkmal und löste in Frankreich die längst überfällige Diskussion über den Umgang mit Soldaten aus, die als Kanonenfutter betrachtet wurden, nicht aber als gleichwertige Menschen. Ein Auslands-Oscar würde dieser Diskussion bestimmt zusätzliches Gewicht verleihen.

Kinostart: noch kein Starttermin für Deutschland bekannt

Days Of Glory (Indigènes)

Das Leben der Anderen

Daran könnte man sich gewöhnen: Zum dritten Mal in Folge ist Deutschland mit dabei im Rennen um den Oscar für den besten ausländischen Film. Nur eines dürfte „Das Leben der Anderen“ gern besser machen als seine Vorgänger „Der Untergang“ (2005) und „Sophie Scholl“ (2006) – am Ende sollte der Film einfach auch den Preis gewinnen. Das gelang für Deutschland zuletzt Caroline Link und ihrem Film „Nirgendwo in Afrika“ bei der Oscar-Verleihung 2003.

Im Mittelpunkt von Florian Henckel von Donnersmarcks Drama „Das Leben der Anderen“ steht Stasi-Hauptmann Gerd Wiesel (Ulrich Mühe). Er ist ein ganz harter Hund, der Verdächtigen im Verhör so lange zusetzt, bis sie alles und jeden verraten. Auf Wunsch des Kulturministers, der hinter der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) her ist, soll er sie und ihren Lebensgefährten, den Dramatiker Georg Dreymann (Sebastian Koch), überwachen. Für Wiesler ein Job wie tausend andere zuvor: Wohnung verwanzen, Nachbarn einschüchtern, observieren rund um die Uhr, dunkle Punkte finden. Doch diesmal läuft etwas aus dem Ruder. Zunehmend fasziniert ihn die freigeistige Clique rund um das Künstlerpaar. Die Gespräche über Kunst, Liebe, Freiheit und Wahrhaftigkeit geben ihm Einblicke in "Das Leben der Anderen", die auch sein Leben verändern. Aus dem Beobachter wird ein Zweifler, am Ende ein Verräter am eigenen System.

Im Spielfilmdebüt des jungen Regisseurs und Autors Florian Henckel von Donnersmarck gibt es nicht einen falschen Ton. Mit der Präzision eines Pathologen entlarvt er die Mechanismen eines Überwachungsapparats, demaskiert die Politiker, die ideologisch verbrämt ihre persönlichen Ziele verfolgen. Es geht ebenso um individuelle Verantwortung und Schuld in einem Unrechtssystem wie um die Rolle der Kunst zwischen Anpassung und Verweigerung. Ein nach wie vor aktuelles Thema - und die Oscars sind bekanntlich gerne hin und wieder politisch motiviert.

(Sabine Groß)

Das Leben der Anderen

Pans Labyrinth

Düsteres Märchen und düsterer Kriegsfilm treffen in diesem mexikanischen Fantasyfilm aufeinander. 1944 nähert sich der spanische Bürgerkrieg seinem Ende. Franco-Faschist Kapitän Vidal will besessen den letzten Widerstand gegen das neue Regime auslöschen. Seine elfjährige Stieftochter Ofelia trifft derweil auf magische Fabelwesen, die ihr drei Aufgaben stellen. Beide Handlungstränge führen am Ende zusammen, nicht aber zu einem märchengerechten Happy-End. Regisseur Guillermo del Toro, der sich bereits 2001 in "The Devils Backbone" mit dem spanischen Bürgerkrieg auseinandersetzte, feiert mit seinem Märchen für Erwachsene seinen bislang größten Erfolg. Kaum ein Film wurde letztes Jahr dermaßen einstimmig von der Kritik gepriesen und auf so vielen Bestenlisten platziert. Del Toro, vor allem durch seine Comic-Verfilmungen "Blade 2" und "Hellboy" bekannt, hat einmal mehr bewiesen, dass er mehr kann als Popcornkino. In der Regel ist die Academy nicht unbedingt aufgeschlossen gegenüber Märchen- und Fantasyfilmen (Ausnahme:"Herr der Ringe"). Verdient hätte del Toros Meisterwerk die Auszeichnung auf jeden Fall.

Kinostart: 22.02.2007

Pan's Labyrinth

Water

Als Chuyia zur Witwe wird, ist sie acht Jahre alt und wird in ein Witwenheim gebracht. Von nun an heißt es: beten, betteln, auf den Tod warten - so will es der hinduistische Brauch. Die 14 Frauen, zwischen 18 und 80, die im Heim leben, haben sich scheinbar mit ihrem Dasein abgefunden. Doch Chuyia wirbelt alles durcheinander. Vor allem das Leben von Kalyani, die als Prostituierte das Geld für den Ashram verdient. Deepa Mehtas Film ist der letzte Teil ihrer Trilogie ("Fire", "Earth") über indische Frauen. Ein poetisches Meisterwerk mit kraftvollen Bildern, farbenfroh und voller Lebenslust. (Sabine Groß)

Kinostart: 07.09.2006

Water

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