Oscar 2008: Bester Film

Alles ist offen im Rennen um den "besten Film": Alle Nominierten haben viel Kritikerlob im Rücken und gleich gute Chancen auf den begehrtesten Oscar.

Abbitte

England, 1935, ein schwül-heißer Sommertag auf dem feudalen Anwesen der Familie Tallis: Die 13-jährige Briony (<il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/beste-nebendarstellerin/index.html?p=3">Saoirse Ronan</il>), ein Mädchen mit lebhafter Fantasie und Schreibtalent, beobachtet einen Flirt zwischen ihrer älteren Schwester Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy), dem Sohn der Haushälterin. Am Abend erwischt Briony die beiden gar in flagranti in der Bibliothek. Eifersüchtig, weil sie selbst für Robbie schwärmt, und irritiert durch das freizügige Verhalten ihrer Schwester, lässt sich Briony zu einer folgenschweren Aussage hinreißen: Sie beschuldigt Robbie eines Verbrechens, das er nicht begangen hat - und verändert damit für immer das Leben aller Beteiligten ...

Abbitte

Joe Wrights Adaption von "Abbitte" bleibt nah an der prominenten Buchvorlage, viele Dialoge sind wortwörtlich aus dem Roman übernommen. So trifft der Film genau den Ton von Ian McEwans Drama um die Abgründe der menschlichen Seele und die Macht von Leidenschaft und Fantasie. Und Keira Knightley? Die darf in "Abbitte" endlich mal eine erwachsene Frau spielen - und beweisen, dass sie diese Rolle sehr gut ausfüllen kann.

Bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt, ist "Abbitte" ein Film von großer emotionaler und visueller Kraft. Nur beim Soundtrack hätte Filmmusikkomponist Dario Marianelli gern auf ein paar leisere Töne setzen dürfen.

Kinostart: 8.11.2007

Juno

Oft sind es die kleinen, etwas ausgefallenen Filme, die bei den Oscars überraschend abräumen. So geschehen letztes Jahr, als die Independent-Produktion "Little Miss Sunshine" wie aus dem Nichts kam und gleich mit zwei Oscars bedacht wurde. "Juno" schlägt in eine ähnliche Kerbe - auch hier geht es darum, wie eine Familie mit einer ungewöhnlichen Situation umgeht.

Die 16-jährige Juno (<il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/beste-hauptdarstellerin/index.html?p=5">Ellen Page</il>) ist eine toughe, schlagfertige Schülerin, die in ihrem Umfeld den Ton angibt. Als sie nach dem ersten Sex mit ihrem Freund schwanger wird, entschließt sie sich dazu, ihr Baby zur Adoption freizugeben. Ein passendes Elternpaar ist schnell gefunden: Die erfolgreichen Yuppies Vanessa und Mark (Jennifer Garner und Jason Bateman) sind scheinbar die perfekte Familie für Junos Baby. Aber es ist leider nicht alles so, wie es scheint: Das Traumpaar hat seine eigenen Probleme und auch Juno steckt die Weggabe ihres Kindes nicht so lässig weg, wie sie ihrer Umwelt vorspielt.

Mit seinen mitreißenden Dialog-Feuerwerken und seinem charismatischen Ensemble (allen voran die Neuentdeckung <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/beste-hauptdarstellerin/index.html?p=5">Ellen Page</il>, die auch für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert ist), hat sich Juno in den USA zum Überraschungshit gemausert. Ob auch die Academy Junos Charme erlegen ist, wird sich zeigen.

Kinostart: 20.3.2008

Juno

Michael Clayton

Erst kommt das Geld, dann die Moral: Doch Arthur Edens (<il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/bester-nebendarsteller/index.html?p=5">Tom Wilkinson</il>, nominiert als bester Nebendarsteller), Prozessbevollmächtigter der Kanzlei Kenner, Bach & Leeden, will nicht länger käuflich sein. Eigentlich soll er das Chemieunternehmen U/North gegen eine Milliarden schwere Sammelklage von Landwirten und Familien verteidigen, die behaupten, ein Pflanzenschutzmittel habe sie krank gemacht. Aber plötzlich kommen Edens Zweifel an der Unschuld des Unternehmens. Er fasst den Entschluss, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Der Fall Edens wird zu einer Angelegenheit für Michael Clayton (<il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/bester-hauptdarsteller/index.html?p=1">George Clooney</il>, nominiert als bester Hauptdarsteller). Er ist der Ausputzer in der Kanzlei, der Mann für alle Fälle, der normalerweise die persönlichen Probleme der Klienten beseitigt - und der jetzt Kollege Edens von seinen Plänen abhalten soll. Ein spannender Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem Clayton seine eigene Rolle überdenken muss ...

Mit sieben Oscar-Nominierungen gehört <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/beste-regie/index.html?p=3">Tony Gilroys</il> Regiedebüt neben <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/bester-film/index.html?p=4">"No Country for Old Men"</il> und <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/bester-film/index.html?p=5">"There Will Be Blood"</il> zu den Favoriten bei der diesjährigen Oscar-Verleihung. Gilroys Thrillerdrama kommt erfreulich altmodisch daher. Statt auf Special-Effects setzt "Michael Clayton" lieber auf eine gut erzählte Geschichte und ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble.

Kinostart: 28. 2.2008

Michael Clayton

No Country for Old Men

Für die Brüder <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/beste-regie/index.html?p=2">Joel und Ethan Coen</il> war es ein Trip zurück zu ihren filmischen Wurzeln: Nach den gescheiterten Versuchen, einen kommerziellen Komödien-Hit zu landen ("Ein unmöglicher Härtefall", "Ladykillers") haben sie eingesehen, dass sie einfach einen Tick zu ausgefallen für das Mainstream-Publikum sind. Vielleicht ist "No Country for old Men" deshalb wie ihr Erstling "Blood Simple" wieder ein kompromissloser, spannender Thriller in der Tradition des Film Noir geworden.

Die Ausgangssituation ist ein klassiches Gangsterfilm-Dilemma: Der Texaner Llewelyn Moss (Josh Brolin) findet in der Wüste die Überreste eines geplatzten Drogendeals. Verteilt in zerschossenen Wagen liegen blutende Leichen - und ein Koffer mit zwei Millionen Dollar. Llewelyn nimmt das Geld mit und tritt damit eine Lawine der Gewalt los, die im Laufe des Filmes immer mehr Opfer fordert. Die Coens wären aber nicht die Coens, wenn sie diesen Rahmen nicht für ihren eigenen Humor und komplexe Reflexionen über die Natur von Gut und Böse ausnutzen würden.

"No Country for Old Men" führte letztes Jahr zahlreiche Kritikerlisten als bester Film an und geht mit acht Nominierungen ins Rennen. Das tut allerdings auch das epische Drama "There will be Blood" - es bleibt also spannend. Kinostart: 28.2.2008

No Country for Old Men

There Will Be Blood

Da haben sich zwei gefunden: Die Perfektionisten <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/bester-hauptdarsteller/index.html?p=2">Daniel Day-Lewis</il> und <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/beste-regie/index.html?p=1">Paul Thomas Anderson</il> machen sich nur an die Arbeit, wenn sie sicher sind, etwas Außergewöhnliches zu produzieren. Ein Film, an dem beide mitwirken ist daher rein statistisch gesehen schon ein echter Glücksfall - qualitativ ohnehin. Die Saga um die Pioniertage des Ölgeschäftes und seine Folgen ist für beide ein weiterer Meilenstein geworden, der von einigen schon jetzt als Klassiker bezeichnet wird.

Es ist es leicht, bei den Schlagwörtern "Öl" und "Blut" politische Parallelen zu ziehen, aber "There Will be Blood" funktioniert unabhängig davon auch als intensive Darstellung eines Mannes, der getrieben von seiner Gier jegliche Menschlichkeit verliert. Beim Rennen um den Golden Globe als bestes Drama ging das Epos dennoch leer aus und verlor gegen <il href="http://www.brigitte.de/kultur/kino_events/oscar_2008/bester-film/index.html?p=4">"No Country for Old Men"</il>. Die Frage, welcher der Filme nun endgültig der "beste" ist, wird auch eine Oscarverleihung nicht klären können - aber dafür kann sie uns ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen der Konkurrenten liefern.

Kinostart: 14.2.2008

There Will Be Blood

Henning Hönicke/Katharina Wantoch
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