Oscar 2008: Bester fremdsprachiger Film

Deutschland ist dieses Jahr nicht vertreten, aber wir haben ja schließlich gerade erst gewonnen. Stattdessen gab es Nominierungen für Österreich, Israel, Kazakhstan, Russland und Polen.

Beaufort

Silber gab's schon für den israelischen Film "Beaufort", jetzt ist Joseph Cedar mit seinem Werk auf Goldkurs. Auf den Regie-Bären soll der Oscar für den besten fremdsprachigen Film folgen.

Beaufort, hinter diesem wohlklingenden Namen verbirgt sich eine Festung im Süden Libanons. 1982 wurde sie von den Israelis erobert und zum Außenposten im besetzten Südlibanon ausgebaut, im zweiten Libanonkrieg 18 Jahre später aufgegeben. Beaufort gilt als einer der gefährlichsten Stützpunkte in dieser Region. Entsprechend froh ist die Truppe um Kommandant Liraz Liberti (Oshri Cohen), als sie im Jahr 2000 die Nachricht erreicht, dass Beaufort geräumt werden soll.

Joseph Cedars Antikriegsfilm zeigt die letzten Wochen vor dem Abzug, das Warten auf die nahende Erlösung, die Angst, im letzten Moment doch noch getötet zu werden. Die Kunst des Films besteht darin, dass er das eigentlich langweilige Warten der Soldaten so inszeniert, dass es keineswegs langweilig ist - und einem stattdessen der ganze Wahnsinn des Krieges bewusst wird.

Kinostart: noch kein Starttermin für Deutschland bekannt

Der Mongole

Dieser Mann ist zwar schon seit hunderten von Jahren tot, aber seinen Namen kennt nun wirklich jeder: Dschingis Khan. Das Epos "Der Mongole" erzählt, wie aus dem jungen Temudgin einer der größten Stammesführer der Geschichte wird. Alles beginnt - wie so oft in mitreißenden Filmen - mit der ersten großen Liebe. Temudgin, Sohn eines Khans, verliebt sich in das Mongolenmädchen Borte. Als sie von einem verfeindeten Stamm entführt wird, zieht Dschingis Khan in den Kampf um Liebe und Freiheit und erobert dabei weite Teile Zentralasiens und Chinas.

Gedreht wurde "Der Mongole" größtenteils an Originalschauplätzen in der Mongolei. Fans von Weitblick und grandiosen Landschaften kommen definitiv auf ihre Kosten. Allerdings: Für Zartbesaitete ist "Der Mongole" nichts. Die Kriegszenen sind brutal blutig.

Das Werk ist eine Koproduktion von deutschen, russischen und kasachischen Produktionsfirmen. Eingereicht wurde "Mongol", wie der Film im Original heißt, von Kasachstan, Regie führte der Russe Sergei Bodrov. Kinostart: Frühjahr 2008

Die Fälscher

Mit einer Nominierung für Fatih Akins "Auf der anderen Seite" hat es ja leider nicht geklappt, aber dank "Die Fälscher" sind wir Deutschen nun doch ein bisschen bei den Oscars dabei. Stefan Ruzowitzkys Film ist nämlich eine deutsch-österreichische Koproduktion - und in der wirken einige deutsche Schauspieler mit, allen voran August Diehl und Devid Striesow.

"Die Fälscher" basiert auf den Erinnerungen von Adolf Burger und erzählt von der "Operation Bernhard". Um die gegnerische Wirtschaft zu schwächen, ließen die Nazis gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Millionen falsche britische Pfund und später auch Dollar drucken. Dafür richteten sie im KZ Sachsenhausen eine Fälscherwerkstatt ein, die sie von Juden betreiben ließen. Der Film rückt die Figur des Profifälschers Salomon Sorowitsch (Karl Marcovics) in den Mittelpunkt, eine ambivalente Figur mit großem Überlebenswillen. Er und die anderen Gefangenen, darunter Adolf Burger (August Diehl), sollen perfekte Blüten herstellen - und steigen dafür zu Gefangenen erster Klasse auf. Doch die Gewissensfrage wird immer drängender: Sollen sie mit dem Feind kooperieren oder die Aktion sabotieren?

Ganz ohne Klischees kommt Stefan Ruzowitzkys Film zwar nicht aus, er weiß seine bewegende Geschichte aber gut zu erzählen und profitiert von einem starken Schauspieler-Ensemble. Und historische Stoffe kommen bei der Academy erfahrungsgemäß gut an. Für Österreich ist dies die zweite Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film".

Kinostart: 01.02.2007

Katyn

Einer dieser Filme, die an der Menschlichkeit zweifeln lassen. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda zeigt das Massaker von Katyn in all seinen grausamen Facetten. 1939 wurden mehr als 22 000 polnische Intellektuelle, Offiziere und Geistliche von Stalins Truppen exekutiert. Lange Zeit hielt man an dem Glauben fest, die deutsche Wehrmacht sei für das grausame Massaker verantwortlich. Erst 1990 gestand Michail Gorbatschow die Alleinschuld Russlands ein.

Der Oscar gekrönte Regisseur Wajda hat seiner eigenen Familiengeschichte mit "Katyn" ein Denkmal gesetzt: Sein Vater kam in dem Massaker ums Leben. Der Filmstart in Polen glich einem doppelten moralischen Zeigefinger: Der Film kam am 17. September 2007 in die Kinos, dem Tag des Einmarsches der Roten Armee in Ostpolen. Filmstart: leider noch nicht bekannt

12

50 Jahre nach "Die zwölf Geschworenen" von Sidney Lumet ist nun eine russische Variante des Gerichtsdramas für den Oscar nominiert. Für den Film "12" von Nikita Mikhalkov kann man nur hoffen, dass er sich in Sachen Oscar-Erfolgsgeschichte nicht am Original orientiert. Das hieße nämlich: leer ausgehen.

In Mikhalkovs Version wird aus dem 18-jähriger Puertoricaner ein 18-jähriger Tschetschene, der des Mordes an seinem Adoptivvater beschuldigt wird - pikanterweise ein russischer Offizier. Alle Beweise sprechen gegen den Jungen, und wie im Original sind elf von zwölf Geschworenen bereit, ihn zu verurteilen. Doch der eine Zweifler schafft es letztlich, die anderen umzustimmen. Regisseur Nikita Mikhalkov, der selbst einen der Geschworenen spielt, fügt in den Film immer wieder Rückblenden der vom Tschetschenien-Konflikt überschatteten Jugend des Angeklagten ein - und unterstreicht damit, dass seine Version der "zwölf Geschworenen" von trauriger Aktualität ist.

Für Russland ist dies die fünfte Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" seit dem Zerfall der Sowjetunion. Bislang gab es eine Auszeichnung, und zwar 1994 für "Die Sonne, die uns täuscht", übrigens auch ein Film des in seiner Heimat sehr bekannten Nikita Mikhalkov.

Bianca Gerlach/Katharina Wantoch

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