Oscar 2008: Bester Hauptdarsteller

Wahrhaft mörderisch geht es dieses Jahr bei den nominierten Hauptdarstellern zu: Gleich drei von ihnen bringen gewissermaßen beruflich Menschen um und einer versucht, einen Mord aufzuklären. Gut, dass der fünfte im Bunde ein kompetenter Anwalt ist.

George Clooney - Michael Clayton

"Hausmeister Clooney" - das klingt nach einer neuen, lustigen Sitcom mit einem attraktiven Hauptdarsteller. Zu früh gefreut. Mit "Hausmeister" beschreibt George Clooney lediglich seinen Job im Film "Michael Clayton". Er spielt einen ehemaligen Staatsanwalt, der jetzt die persönlichen Probleme der Klienten einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei bereinigt. Und der plötzlich ein ganz großes Problem lösen muss, weil der Prozessbevollmächtigte der Kanzlei (Tom Wilkinson) auf dem besten Wege ist, einen großen Klienten in den Ruin zu stürzen. Bald schon findet sich der smarte Clayton in einem tödlichen Wettlauf gegen die Zeit wieder, bei dem er einiges einstecken und seinen "Hausmeisterjob" überdenken muss.

Die Zeiten, dass George Clooney "nur" als Schauspieler gearbeitet hat, sind vorbei. Längst hat er sich auch als Regisseur ("Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind", "Good Night and Good Luck"), Drehbuchautor ("Good Night and Good Luck") und Produzent einen Namen gemacht. Als ausführender Produzent ist er auch an "Michael Clayton" beteiligt.

Für den 46-Jährigen ist es die vierte Oscar-Nominierung. Einmal konnte er den Goldjungen bereits gewinnen, im letzten Jahr als bester Nebendarsteller in "Syriana". Gut möglich, dass Clooneys Oscar in diesem Jahr ein Brüderchen bekommt.

Kinostart: 28.2.2008

Daniel Day-Lewis - There Will Be Blood

Ein echtes Chamäleon: Nur wenige Schauspieler sind so wandlungsfähig wie Charakterdarsteller Daniel Day-Lewis. Das mag daran liegen, dass er sehr wählerisch ist. Er nimmt nur sehr selten eine Filmrolle an, aber wenn er das tut, dann richtig. Der Brite ist für die Besessenheit bekannt, mit der er sich in seine Filmrollen reinsteigert, deren Identität er auch in Drehpausen nicht ablegt.

In "There will be Blood" spielt Day-Lewis nun den Geschäftsmann Daniel Plainview, der 1898 ins gerade erst entstehende Ölgeschäft einsteigt und für seine Ziele über Leichen geht. Sein intensives Porträt brachte ihm bereits einen Golden Globe ein und könnte ihm durchaus einen weiteren Oscar bescheren (Day-Lewis gewann die Trophäe bereits 1990 als bester Hauptdarsteller in "Mein linker Fuß".)

Seine Wandlungsfähigkeit führte übrigens zu einer kuriosen Pressemeldung: 2006 ging ein Foto der Dreharbeiten von "There will be Blood" um die Welt, dass die Medien staunen ließ, wie unglaublich sich Day-Lewis mal wieder verändert hatte. Die Lobeshymnen auf das Schauspiel-Genie verstummten erst wesentlich später, als ein kühler Kopf darauf hinwies, dass auf dem Foto gar nicht Day-Lewis, sondern ein anderer Darsteller zu sehen war. Einem Chamäleon wie ihm nimmt man halt selbst unmögliche Verwandlungen ab.

Video: Daniel Day-Lewis über "There will be Blood"

Kinostart: 14.2.2008

Johnny Depp - Sweeney Todd

"Jetzt singt er auch noch", möchte man in leichter Abwandlung des Albumtitels von Barbara Schöneberger ausrufen. Er, das ist Johnny Depp und dass er gut schauspielern kann und Musik macht, wissen wir schon lange. Aber singen ist ja doch noch mal was anderes. Das weiß der gute Johnny auch und hatte angeblich Todesangst, für seine Rolle im Musicalthriller "Sweeney Todd" nicht den richtigen Ton zu treffen. Er hat ihn getroffen, sonst wäre er jetzt nicht unter den Nominierten. In Tim Burtons Adaption des gleichnamigen Stephen-Sondheim-Musicals spielt Johnny Depp den Barbier Benjamin Barker, der unter dem Namen "Sweeney Todd" nach 15 Jahren unschuldig verbüßter Haft in seine Heimat London zurückkehrt - um sich an dem Mann zu rächen, der ihn ins Gefängnis gebracht hat. Doch über diesen Plan gerät der Barbier in einen barbarischen Blutrausch und lässt etliche Männer über die Klinge seines Rasiermessers springen.

Tim Burton ist so etwas wie der Haus- und Hofregisseur von Johnny Depp, "Sweeney Todd" ihr sechster gemeinsamer Film. Zu seinen beiden bisherigen Oscar-Nominierungen verhalfen Depp allerdings Filme anderer Regisseure: Mark Fosters "Wenn Träume fliegen lernen" und Gore Verbinskis "Fluch der Karibik".

Mal sehen, ob's im dritten Anlauf klappt. Hauptsache, Johnny lässt das Rasiermesser stecken, sollte nicht er, sondern einer seiner Kollegen den Oscar bekommen.

Kinostart: 21.2.2008

Tommy Lee Jones - In the Valley of Elah

Trocken wie Zwieback, gewürzt mit einer Extraportion Sarkasmus - so kennt man Tommy Lee Jones seit Jahren. Mit seiner zynischen, aber auch irgendwie aufrichtigen Art verleiht der Texaner jedem seiner Filme einen Hauch Klasse, den selbst Auftritte in Katastrophen wie "Batman Forever" nicht kaputt machen können.

Im letzten Jahr konnte man gleich zwei neue Seiten an ihm kennenlernen - zermürbende Selbstzweifel und Ängste in "No Country for Old Men" und eine erstaunliche Verletzlichkeit in "Im Tal von Elah". Gerade diese Darstellung eines Ex-Army-Offiziers, der den Tod seines Sohnes erforscht und dabei stets Haltung bewahrt, geht unter die Haut: So gut wie nie lässt er seinen Schmerz und seine Trauer nach außen, und doch sind sie in jedem Wort präsent.

1993 gewann Jones bereits einen Oscar für seine Darstellung eines US-Marshalls im Harrison-Ford-Film "Auf der Flucht" - knapp 15 Jahre später zeigt er erneut, dass er zur Elite der Hollywood-Darsteller gehört.

Kinostart: 6.3.2008

Viggo Mortensen - Tödliche Versprechen

Ein nackter Viggo Mortensen kämpft im Dampfbad mit zwei tschetschenischen Killern - und die Kamera hält kompromisslos drauf (ja, meine Damen, man sieht alles). Gäbe es einen Oscar in der Kategorie bester Körpereinsatz, der Gewinner wäre schon gefunden. Aber so oberflächlich ist man in der Academy natürlich nicht - was die Chancen von Viggo Mortensen aber nicht schmälert, gleich im ersten Anlauf einen Oscar zu bekommen. Er überzeugt in "Tödliche Versprechen" nicht nur äußerlich als eiskalter Killer Nikolai, der für die Russenmafia arbeitet. Und der eine überraschend sanfte Seite zeigt, als er Bekanntschaft mit der Hebamme Anna (Naomi Watts) macht.

"Tödliche Versprechen"ist nach "A History of Violence" Mortensens zweite Regiearbeit mit David Cronenberg. Davor war Viggo Mortensen unter anderem als Aragon in der "Herr der Ringe"-Trilogie zu sehen. Seit seinem Leinwanddebüt in Peter Weirs "Der einzige Zeuge" (1985) hat der New Yorker in fast 50 Filmen mitgespielt. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sein markantes Gesicht irgendwann nicht mehr auf der Leinwand gefragt sein sollte, hat er vorgesorgt: Mortensen kann nicht nur sehr gut schauspielern, sondern auch malen, fotografieren und schreiben.

Kinostart: 27.12.2008

Henning Hönicke/Katharina Wantoch
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