Oscar 2008: Bester Nebendarsteller

Nebendarsteller haben vergleichsweise wenig Ruhm - es sei denn, sie sind so überzeugend, dass sie sogar den Hauptdarstellern vorübergehend die Show stehlen. Diesen Nominierten ist das gelungen.

Casey Affleck - The Assassination of Jesse James

Lange Zeit stand Casey Affleck im Schatten seines großen Bruders Ben. Er spielte unter anderem in "Ocean's Eleven" und dessen beiden Fortsetzungen - allerdings eher im Hintergrund. Schade eigentlich, er ist eindeutig der bessere Schauspieler in der Familie (Bruder Ben hat ja letztens mit "Gone Baby Gone" bewiesen, dass seine Stärke eher im Regie führen liegt).

Als "Nebenrolle" kann man seinen Robert Ford in "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" aber eigentlich nicht abtun - immerhin kommt er im Titel vor, und trägt die Hauptlast der Handlung. Geschenkt - so lange sein Schauspieltalent mit einem Oscar gewürdigt wird, stört sich Casey vermutlich wenig daran. Und in Zukunft wird vielleicht zur Abwechslung mal Ben nur noch als "der Bruder von Casey" bezeichnet.

Kinostart: 25.10.2007

Javier Bardem - No Country for Old Men

Er ist das personifizierte Böse: In "No Country for Old Men" repräsentiert der Spanier Javier Bardem das Schlimmste, was die Menschheit zu bieten hat - und hat eine Menge Spaß dabei. Die unbeteiligte, fast gelangweilte Art, mit der er als Psychopath Chighur seine Opfer ermordet ist verstörend, aber gleichzeitig auch im wahrsten Sinne des Wortes todkomisch.

Der 38jährige freut sich über die Nominierung, obwohl er zugibt, dass ihm die Arbeit in einer fremden Sprache schwer fiel: "Wenn ich "Ich liebe dich" auf Spanisch sage, verbinde ich damit automatisch Gefühle und Erinnerungen. Auf Englisch ist das nicht der Fall", sagte er kürzlich über die Dreharbeiten. Diese Sprachbarriere passt allerdings perfekt zu seinem Killer, der von der restlichen Menschheit isoliert ist, und über große Teile des Filmes fast wie eine Art wortlose Naturgewalt agiert.

Angeblich beschwerte sich Bardem ursprünglich über den, vorsichtig ausgedrückt, unschicken Topfschnitt, mit dem er den Film über herumläuft. Aber mal ehrlich: Wer es schafft, in diesem Styling Angst und Schrecken hervorzurufen, ist ein verdammt harter Kerl, der seine Oscar-Nominierung wirklich verdient hat. Nominiert war Bardem bereits vor sieben Jahren für den Film "Bevor es Nacht wird". In seiner Heimat war das eine Sensation, denn es war das erste Mal, dass ein spanischer Schauspieler Chancen auf einen Oscar hatte.

Kinostart: 28.2.2008

Philip Seymour Hoffman - Der Krieg des Charlie Wilson

Bis vor zwei Jahren war der Name Philip Seymour Hoffman nur wenigen ein Begriff. Er tingelte von einer Nebenrolle zur nächsten, spielte an der Seite von Comedy-Größen wie Ben Stiller oder Adam Sandler. Doch dann kam der Erfolg mit einem Schlag: Für seine Verkörperung des exzentrischen Schriftstellers Truman Capote in "Capote" gab es 2006 den Oscar als bester Hauptdarsteller und in diesem Jahr gleich noch eine Nominierung für "Der Krieg des Charlie Wilson".

Darin spielt Hoffman den schrulligen CIA-Agenten Gust Avrakotos. Sein erster Satz im Film: "Fuck You". Harte Worte, die er da seinem Boss an den Kopf wirft. Aber es ist vor allem diese gnadenlose Ehrlichkeit und eine große Portion Humor, mit der Hoffman aus der eigentlichen Nebenrolle Gust Avrakotos am Ende eine kleine Hauptrolle macht.

Kinostart: 7.2.2008

Hal Holbrook - Into the Wild

Später Ruhm: Der 82-jährige Holbrook ist schon seit einer Ewigkeit im Geschäft, aber erst jetzt für einen Oscar nominiert. Dabei ist die kleine Rolle, die er in Sean Penns Roadmovie "Into the Wild" verkörpert in seiner Biographie eher eine kleine Fußnote.

Millionen von Amerikanern ist er in erster Linie als Mark Twain bekannt,den er jahrzehntelang in einem selbst erdachten Ein-Personen-Stück auf der Bühne verkörperte. Zu Fernseh-Ruhm gelangte er in den Siebzigern mit einer anderen historischen Figur: In einer mehrteiligen Doku-Serie spielte er US-Präsident Abraham Lincoln und ist seitdem auch im TV eine feste Größe. Für Bühne wie Fernsehen wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen regelrecht überhäuft - eine Anerkennung seiner Filmarbeit wäre da natürlich eine willkommene Ergänzung.

Schon jetzt hat Holbrook mit seiner Nebenrolle Oscar-Geschichte geschrieben: Er ist der älteste Schauspieler, der je für die Trophäe nominiert wurde. Die 2008 ebenfalls nominierte Ruby Dee ist allerdings noch ein Jahr älter als er.

Kinostart: 31.1.2008

Tom Wilkinson - Michael Clayton

Dieser Mann ist eine Bereicherung für jeden Film. Also, liebe Regisseurinnen und Regisseure, gebt Tom Wilkinson doch häufiger mal die Hauptrolle. Für "Michael Clayton" kommt unser Appell zu spät, den spielt nun George Clooney. Ist ja auch kein schlechter, wie seine Oscar-Nominierung für eben diesen Film unterstreicht. Ohne Nebendarsteller Wilkinson würde "Michael Clayton" allerdings gar nicht ins Rollen kommen. Er spielt Arthur Edens, den Prozessbevollmächtigten einer renommierten Kanzlei, der eine Milliarden-Klage gegen einen großen Chemiekonzern abwenden soll. Doch plötzlich kommen Edens Zweifel an der Unschuld seines Großklienten, und er sabotiert den Fall. Edens Verhalten ruft Michael Clayton auf den Plan, den Ausputzer der Kanzlei, der die große Katastrophe verhindern soll.

Tony Gilroy, Regisseur von "Michael Clayton" und dafür ebenfalls Oscar-nominiert, hat offensichtlich großen Gefallen an Tom Wilkinsons Schauspielkunst gefunden. Bei Gilroys neuem Film "Duplicity" wird der 59-jährige Brite wieder dabei sein. Mal schauen, ob die Academy Gilroys Begeisterung teilt und Tom Wilkinson am 24. Februar den Oscar verleiht. Einmal war er bereist nominiert, für "In the Bedroom", in dem er tatsächlich die Hauptrolle spielt.

P.S. Falls Sie gerade das Gefühl beschleicht, diesen Mann schon mal nackt gesehen zu haben: Das ist gut möglich. Tom Wilkinson war einer der sechs strippenden Stahlarbeiter in der launigen, britischen Komödie "Ganz oder gar nicht".

Kinostart: 28.2.2008

ja/heh/kawa
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