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Persepolis


Comics wie Zeichentrickfilme werden oft als "Kinderkram" abgetan. Marjane Satrapi beweist mit ihren Comic-Memoiren "Persepolis - Eine Kindheit im Iran" das Gegenteil. Nun zeigt auch die Verfilmung, dass Zeichentrick erwachsen und anspruchsvoll sein kann.

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Der Film hält sich dicht an die Buchvorlage: Die 1969 im Iran geborene Satrapi erlebt als Kind den Fall des Schahs und die Machtübernahme des Ayatollah-Regimes. Ihre Eltern schicken sie als Teenager nach Österreich, wo sie sich plötzlich als Außenseiterin behaupten muss. Aber auch die Rückkehr in ihre alte Heimat und die Verheiratung mit einem Landsmann bieten ihr kein Zuhause mehr: Satrapi trennt sich schließlich und zieht nach Paris.

Was "Persepolis" so besonders macht, ist der persönliche Blick auf ein Land, das die Medien oft als Sammelbecken von religiösen Fanatikern und Terroristen darstellen. In Satrapis Eltern und Großmutter kann sich fast jede Familie wiedererkennen; ebenso fällt es leicht, ihre Isolation im Ausland nachzuempfinden. So bekommt der politische Wandel im Iran plötzlich ein ganz neues Gesicht. Es sind keine abstrakten Vorgänge, die vielleicht mal als Fußnote der "Tagesschau" stattfinden, es sind Ereignisse, die Satrapi und ihre Familie geprägt haben: Frauen dürfen plötzlich nicht mehr ohne Kopftuch aus dem Haus und geliebte Verwandte kommen als politische Häftlinge ums Leben. Satrapi zeigt aber auch, wie Menschen es schaffen, in all dem Wahn ihre Normalität zu behalten.

In schlichten, klaren Bildern stellt der Zeichentrickfilm die Absurditäten des Alltags in einem totalitärem Regime dart: Da westliche Popmusik verboten ist, wird diese heimlich von suspekten Gestalten verkauft, die Passanten im Vorbeigehen leise die Bandnamen zumurmeln, als ginge es um illegale Drogen. Und weil der Staat den weiblichen Körper am liebsten komplett verbieten würde, kriegt die Kunststudentin Satrapi zum Aktzeichnen nur ein völlig verhülltes Modell, von dem nur Augen und Nase zu sehen sind. So ist der Film oft erstaunlich komisch, trotz seines schweren Themas.

"Persepolis" ist ebenso berührend wie unterhaltsam und vor allem eines nicht: Kinderkram.

Henning Hönicke Fotos: Prokino

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