Ausgeliebt: ARD macht Schluss mit "Verbotene Liebe"

Die Seifenoper "Verbotene Liebe" wird nun endgültig abgesetzt, die Fans sind entsetzt. BRIGITTE-Redakteurin Nikola Haaks ist mehr als das.

Nach genau 4664 Episoden soll nun tatsächlich Schluss, Aus, Ende sein: Am Freitag, den 26. Juni wird um 18.50 Uhr die letzte Folge "Verbotene Liebe" in der ARD über den Bildschirm flimmern. Das vermeldet die Serie selbst über ihren Twitteraccount. Die Liebe zwischen der ARD und ihrer einstigen Vorzeige-Soap ist soweit abgekühlt, dass man sich nun doch endgültig trennt. Der Grund: stetig sinkende Zuschauerzahlen.

Volker Herres, Programmdirektor der ARD: "Die 'Verbotene Liebe' hat ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben, indem sie früh für Toleranz in der Liebe und Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft eingetreten ist. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich bei uns gesellschaftlich einiges verändert, einstige Tabus wurden hinterfragt und sind heute vielerorts keine mehr. So wollen wir jetzt nicht das Ende der Serie betrauern, sondern auf 20 erfolgreiche Jahre voller Spannung und Emotionen zurückblicken."

Bridget Jones bei der Geburtsvorbereitung

Nachdem das Aus schon im letzten Jahr kurz bevor stand, gab es letzte Hoffnung für die Fans. Man machte aus der Daily-Soap (also der "täglichen") mit einer Konzeptänderung eine Weekly-Soap, die wöchentlich freitags ausgestrahlt wurde. Doch der Erfolg blieb aus.

Schon damals gab es ordentlich Protest von "VL"-Fans, dem sich auch BRIGITTE-Redakteurin Nikola Haaks anschloss:

"Verbotene Liebe" macht Schluss!

Gerade habe ich eine Petition unterschrieben. Nichts Politisches, nichts gegen Tiertransporte. Es geht um einen gravierenden Einschnitt, der in meinem Leben stattfinden wird. Und in den Leben sehr vieler anderer Menschen. Ein dramatischer, unverständlicher und vor allem unnötiger Einschnitt: Die ARD will die Daily-Soap "Verbotene Liebe" zum Jahresende absetzen. Es geht, natürlich, um die Quote.

Ich dachte lange, ich gehöre zu einer kleinen, traurigen Minderheit, deren Lieblingsserie nicht was angesagtes Amerikanisches ist wie "Game of Thrones" oder "Homeland" , sondern eine deutsche Seifenoper um die adeligen Lahnsteins auf Schloss Königsbrunn nahe Köln. Außer meinen Freunden Matthias und Silke, die zwischen 18 und 18.45 Uhr nie ans Telefon gehen, kannte ich bis dato niemanden, der versessen ist auf "VL". Meine US-Serien guckenden, kulturbeflissenen Kolleginnen lächeln nur milde darüber, meine Mutter hält das Ganze für den Gipfel der Flachheit. Aber nachdem das "SZ"-Feuilleton Elke Heidenreich fast eine ganze Seite Platz gegeben hat für ihre Fassungslosigkeit über die unmögliche Entscheidung der ARD, man im Netz Petitionen gegen die Absetzung der Serie unterschreiben kann und es zudem eine aktive Facebook- Gruppe gibt ("Rettet VL!"), schäme ich mich keine Sekunde mehr.

"Verbotene Liebe" ist mein Hirn-Leerfeger

Ja, lasst uns VL retten! Dieses Stück Fernsehgeschichte, das nicht nur mich seit fast 20 Jahren begleitet und doch nie gestrig daherkommt: Ansgar, der hamsterbäckige Fiesling, Charlie, die gutsituierte Middle-Agerin; der Graf, die Gräfin, die unsagbar vielen (teils verschollenen) Kinder, die plötzlich auftauchen, um das gesamte Familiengefüge inklusive Erbfolge durcheinanderzubringen. Und im Gegenentwurf das "normale Volk", das in WGs und einschlägigen Serien-Kneipen wie dem "No Limits" ein und aus geht. Es geht - außer um Liebe zwischen Menschen, die lieber die Finger voneinander lassen sollten - um künstliche Befruchtung, Alleinerziehende, Fahrerflucht, Integration, Arbeitslosigkeit, Insolvenz, Demenz, Tablettensucht - nichts, was hier nicht abgehandelt wird.

Das alles bietet die RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auch? Nein! Nicht so charmant, nicht so unterhaltend. Nicht so öffentlich-rechtlich, hätte ich bis vor Kurzem noch gesagt. Weil das für mich bisher für Niveau stand. Für bessere Drehbücher, mehr Liebe zum Detail. Aber das war wohl gestern. Dem Programmdirektor der ARD, Volker Herres, sind 1,22 Millionen Zuschauer nicht genug. Er will stattdessen ein beknacktes Quizduell auf dem Sendeplatz. Das wievielte? Ich weiß es nicht. Ich werde es auch nicht gucken.

"Verbotene Liebe" ist mein Hirn-Leerfeger. Meine Sorglos-Nische. Meine Feierabend-Meditation. Wenn ich weiß, dass ich die Gelegenheit habe, um 18 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen, überkommt mich eine wohlige Vorfreude. Die Serie ist wie ein alter, vertrauter Bekannter: Selbst wenn man sich nicht dauernd spricht, ist man sofort wieder im Film. Egal, ob zwischendurch ein paar Protagonisten ausgetauscht oder komplett neue Handlungsstränge eröffnet wurden: Das ruckelt sich alles ganz schnell zurecht. Seit fast 20 Jahren. Verdammt!

Reaktionen zum Aus von "Verbotene Liebe" bei Twitter

Text: Nikola Haaks BRIGITTE 20/2014
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