Zu Weihnachten im Kino: "Buddenbrooks"

Ein Film von einiger Größe: Thomas-Mann-Experte Heinrich Breloer hat die "Buddenbrooks" neu verfilmt (Kinostart: 25.12.).

Die "Buddenbrooks" auf dem Gipfel des Erfolges

Im Sommer 2007 streifte sich das Who's who der deutschen Schauspielszene entweder eine Terroristenkluft über oder hüllte sich in Kostüme im Stil des 19. Jahrhunderts. Die Dreharbeiten zu zwei großen deutschen Filmen fanden parallel statt - auf der einen Seite "Der Baader Meinhof Komplex", auf der anderen die Neuverfilmung der "Buddenbrooks". Und während der deutsche Kinoherbst 2008 von Edels "RAF"-Film dominiert wurde, soll der Winter jetzt Breloers "Buddenbrooks" gehören.

Es ist kein Geheimnis, dass Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks" aus dem Jahre 1901 autobiografische Züge trägt. Mitglieder der Mann-Familie standen Pate für Familie Buddenbrook. Heinrich Breloer schafft durch einen Schauspieler die Verbindung zwischen Mann-Leben und Mann-Werk: Armin Mueller-Stahl, in Breloers TV-Film "Die Manns - ein Jahrhundertroman" als Thomas Mann zu sehen, gibt in den "Buddenbrooks" Konsul Jean, das Familienoberhaupt.

Heinrich Breloers Film blendet sich ins Geschehen ein, als das Geschäft der Buddenbrooks noch vortrefflich floriert. Man konkurriert mit den Hagenströms um die Vormacht in der Hansestadt Lübeck und ist ihnen einige Getreidelängen voraus. Im Buddenbrook-Universum ist das Private untrennbar mit dem Geschäftlichen verbunden. Das bekommt vor allem Tochter Tony (Jessica Schwarz) zu spüren. Als Kaufmannstochter hat man einen Kaufmann zu heiraten, und so findet sich Tony an der Seite von Bendix Grünlich (Justus von Dohnányi) wieder, obwohl sie doch in - allerdings unstandesgemäßer - Liebe zu einem Medizinstudenten entbrannt ist. Wenige Jahre später entpuppt sich Herr Grünlich als Mitgiftjäger, Jean Buddenbrook holt seine Tochter nach Hause und kann nicht verwinden, dass er sich so getäuscht hat.

Thomas Buddenbrook (Mark Waschke) und Gattin Gerda (Léa Bosco)

Als Konsul Jean stirbt, beginnt der "Verfall der Familie", den Thomas Mann im Untertitel seines Romans ankündigt. Sohn Thomas (Mark Waschke), der Erstgeborene, tut alles dafür, das Geschäft am Laufen zu halten, reibt sich aber zwischen Beruf und Familie auf und muss feststellen, dass seine aparte Frau Gerda (Léa Bosco) nur für ihre Musik lebt - genauso wie Sohn Hanno, der doch eines Tages die Geschäfte übernehmen soll. Tony läuft erneut ins Eheunglück - mit dem Bayern Permanender (Martin Feifel), der sie ausnutzt und betrügt. Christian (August Diehl), der zweite Sohn, ist als Unterstützung für die Geschäfte der Buddenbrooks denkbar ungeeignet. Immer wieder gerät der Lebemann, der sich unter Stande amüsiert und eine uneheliche Tochter mit einer Tänzerin hat, mit seinem Bruder aneinander. Am Ende geht es Schlag auf Schlag mit den Schicksalsschlägen im Hause Buddenbrook. Erst stirbt Konsulin Bethsy (Iris Berben), Jeans Frau, dann Thomas und schließlich auch Hoffnungsträger Hanno.

Das heutige Lübeck auf 19. Jahrhundert getrimmt

Aus knapp 800 Seiten Romanvorlage hat Heinrich Breloer (Regisseur und Drehbuchautor zugleich) 150 kurzweilige Filmminuten gemacht. Da musste kräftig gestrafft werden, und Breloer tut das so gut wie nur möglich. Ein Teil des Roman-Personals kommt deshalb gar nicht vor: Verschwiegen wird zum Beispiel das vierte Kind von Jean und Bethsy, und Tony hat in der Filmfassung auch kein Kind von Grünlich. Man vermisst die weiteren Nebenfiguren nicht in dieser Literaturverfilmung. Dazu ist man zu sehr gefesselt vom Hauptpersonal.

Neben Armin Mueller-Stahl brillieren vor allem die Darsteller der beiden Buddenbrook-Söhne. Mark Waschke, bislang überwiegend im Theater zu sehen, ist eine Entdeckung, August Diehl zeigt als Lebemann Christian eine seiner besten Leistungen. Auch Jessica Schwarz überzeugt, wenn auch mit der falschen Haarfarbe, denn Tony ist eigentlich blond. Dass die "Buddenbrooks" auch auf der Leinwand Eindruck machen, ist nicht zuletzt der detailgetreuen Ausstattung zu verdanken, den Kostümen, der Einrichtung der Häuser, dem Originalschauplatz Lübeck. Und so fehlt einem wenig in diesen zweieinhalb Stunden Literaturkino - nur noch ein bisschen mehr Mann'sche Ironie hätten die Film-Buddenbrooks an der einen oder anderen Stelle vertragen können.

Der Trailer zum Film

Kino: Trailer: Buddenbrooks

Die Kaufmannsfamilie Buddenbrook

Konsul Jean Buddenbrook (Armin Mueller-Stahl)

Konsulin Bethsy (Iris Berben), Jeans zweite Ehefrau

Der älteste Sohn Thomas (Mark Waschke), der die Firma nach dem Tode des Vaters weiterführt ...

... und Gerda Arnoldsen (Léa Bosco) heiratet, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns aus Amsterdam

Auf Gerdas und Thomas' Sohn Hanno (Raban Bieling, r.) ruhen alle Hoffnungen. Er soll eines Tages die Firma übernehmen.

Christian (August Diehl), der zweite Sohn der Buddenbrooks, ist ein Lebemann.

Er amüsiert sich prächtig, aber unter Stand mit der Tänzerin Aline Puvogel (Nina Proll).

Tony Buddenbrook (Jessica Schwarz), die Tochter des Hauses, ...

... verliebt sich in Morten Schwarzkopf (Alexander Fehling), Sohn eines Lotsenkommandanten, den sie aber nicht wird heiraten dürfen.

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