Krimi-Tipps

Die Welt um sich herum einfach mal vergessen, stundenlang abtauchen in die Welt der Verbrecher - kaum etwas eignet sich besser für verregnete Tage auf der Couch als ein guter Krimi. Wir haben für euch einige Highlights zusammengestellt - vom Schwedenkrimi bis zum Verschwörungsthriller -

Marc Buhl -"Drei Sieben Fünf"

Paul Cremer hat es nicht mehr ausgehalten. Mit einer Kugel wollte er sein Leben beenden, seine Erinnerungen für immer ausradieren. Doch sein Selbstmordversuch missglückt. Ärzte holen die Kugel aus seinem Kopf und ihn zurück in sein Leben. Als der Vierzigjährige in der Klinik im Schwarzwald wieder zu Bewusstsein kommt, weiß er jedoch nicht einmal mehr, was das ist - sein Leben. Die Kugel "hatte nicht nur eine Schneise ins Hirn geschlagen, sondern es erschüttert wie ein tektonisches Beben". Das Beben hat alles durcheinander gebracht. Paul ist überzeugt, 22 Jahre alt und im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen zu sein. An seine jüngere Vergangenheit, seinen Sohn, seine Frau, seine Arbeit als Antiquitätenhändler, an all das kann er sich nicht mehr erinnern. Stattdessen schießen ihm immer wieder diese Erinnerungen durch den Kopf. Endlose Verhöre, Schlafentzug, Einzelhaft in einer stockdunklen Gummizelle. Stück für Stück, arbeitet sich Paul durch die Erinnerungen in seinem zerstörten Hirn - bis er am Ende auf die Wahrheit stößt.

"Drei Sieben Fünf" ist kein gewöhnlicher Krimi. Es gibt weder einen Verbrecher, der gejagt wird, noch einen Ermittler, der ihn überführen will. Das Verbrechen, das Marc Buhl in den Mittelpunkt seines Romans stellt, wurde von einem menschenverachtenden System begangen. Es geht um die Taten der Stasi, um ihre zermürbenden Verhörmethoden, um ihr Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. In einer beinahe poetischen Sprache beschreibt er die Erinnerungen des ehemaligen Hohenschönhausen-Häftlings Paul Cremer. Eine Geschichte, die nicht nur wegen des authentischen Hintergrunds, sondern gerade wegen Buhls meisterhaften Schreibstils an die Nieren geht.

Marc Buhl: "Drei Sieben Fünf" Verlag: Eichborn Hardcover: 281 Seiten Preis: 19,95 Euro ISBN: 978-3-8218-5782-4

Kurt Aust - "Die Bruderschaft der Unsichtbaren"

Es ist Frühling. Vor einem Pariser Straßencafés genießen Einheimische und Touristen die ersten Sonnerstrahlen des Jahres, als plötzlich diese Frau auf einen Stuhl im Café zusteuert. Sie setzt sich, zieht sich die Lippen nach, betrachtet sich in ihrem Handspiegel, holt eine Pistole aus ihrer Handtasche, steckt den Lauf in ihren Mund - und drückt ab.

Warum hat sich die Norwegerin Mai-Britt ausgerechnet in einem Pariser Café umgebracht? Auch wenn alles für einen Selbstmord spricht, ihr Ex-Mann Even glaubt nicht daran, erst recht nicht, nachdem er Mai-Britts Abschiedsbrief gelesen hat. In ihm stößt Even auf den Anfang einer ganzen Kette von versteckten Hinweisen. Er findet heraus, das Mai-Britt an einem Buch über Isaac Newton gearbeitet und unbekannte Seiten des Mathematikers zu Tage gefördert hat: Newton war Mitglied einer geheimen Bruderschaft. Eine Bruderschaft, die bis heute im Verborgenen ihre Strippen zieht - und jeden aus dem Weg räumt, der ihr zu nahe kommt.

Obskure Logen, geheime Codes - "Die Bruderschaft der Unsichtbaren" hat alle Zutaten für einen packenden Thriller. Fasziniert begibt man sich mit Even auf einen Schnitzeljagd quer durch Europa. Das Besondere dabei: Kurt Aust lässt Zahlen zu geheimen Botschaftern werden. Für seinen Helden Even Vic hat jede etwas Magisches. So erfährt man nicht nur eine Menge über die Magie der Zahlen, sondern auch über Isaac Newton. Wie und wann er gelebt und womit er sich neben der Mathematik noch beschäftigt hat. Alles in allem ein rundherum gelungener Roman, nichts Tiefgründiges aber jederzeit unterhaltend.

Kurt Aust: "Die Bruderschaft der Unsichtbaren" Verlag: rororo Taschenbuch: 539 Seiten Preis: 9,95 Euro ISBN: 978-3-499-24632-6

Jan Seghers - "Partitus des Todes"

Georges Hofmann wollte eigentlich alles vergessen und verdrängen. Seine Kindheit in Deutschland, seine Eltern, die Nazis. Doch als die Journalistin Valerie auftaucht und ihn bittet in ihrer TV-Sendung aufzutreten, sollte sich alles ändern. In der Show bricht er sein Schweigen. Zum ersten Mal seit 60 Jahren erzählt er davon, wie er sich vor den Nazis versteckte und dabei zusehen musste, wie sie seine Eltern verhafteten. Nach der Show meldet sich eine Französin. Sie habe einen Umschlag für ihn. Der Absender: Arthur Hofmann, Auschwitz. Der Umschlag ist von seinem Vater. Er enthält eine Original-Partitur von Jaques Offenbach und einem verschlüsselten Text. Valerie wittert eine Geschichte und reist nach Deutschland, um nach Spuren zu suchen - mit fatalen Folgen.

Kurz darauf werden in Frankfurt in einem Imbiss fünf Menschen ermordet. Hauptkommissar Marthaler und seine Kollegen stehen vor einem Rätsel, ermitteln in alle Richtungen, finden schließlich heraus, dass noch eine sechste Person da gewesen sein muss. Ihr Name: Valerie Rochard, die Journalistin aus Paris.

"Die Partitur des Todes" lässt tief in die Seele eines Nazi-Opfers blicken. Starker Tobak für einen Krimi. Doch dank seines Kommissars Marthaler schafft es Jan Seghers, den Bogen nicht zu überspannen. Der schnoddrige Antiheld, der sich mit der Presse genauso gerne anlegt wie mit dem Innenminister, lässt den Leser an einem ganz normalen Alltag teilhaben, mit allem was dazu gehört: Ein kaputter Fahrradreifen, ein kriselnde Beziehung und Streit unter Freunden. Ein sympathischer Kommissar und ein empfehlenswerter Krimi.

Jan Seghers: "Partitur des Todes" Verlag: Wunderlich Hardcover: 472 Seiten Preis: 19,90 Euro ISBN: 978-3-8052-0839-0

Matt Ruff - "Bad Monkeys"

Ja, sie wisse, warum sie hier sei, sie habe jemanden getötet, gibt Jane Charlotte zu. Aber so sei das nun mal, wenn man für !Die Abteilung für die finale Ausschaltung nicht zu rettender Personen", innerhalb der "Organisation" auch "Bad Monkeys" genannt, arbeite. Jane sitzt im Gefängnis. Ein Arzt, Dr. Vale, verhört sie. Er soll herausfinden, was mit dieser Frau los ist. Bei ihrer Verhaftung hatte sie behauptet, für eine Geheimorganisation zu arbeiten. Ihr Auftrag: Die Welt von bösen Menschen befreien. Doch statt Klarheit in die Sache zu bringen, erreicht Vale das Gegenteil. Je länger er sie verhört, desto mehr wahnwitzige Details über die "Organisation" tischt Jane ihm auf. Sie habe böse Menschen mit einer NT-Waffe ausgelöscht, eine Waffe, die nicht mit Kugeln töte, sondern eine Natürliche Todesursache auslöse. Herzinfarkt per Fernschuss, sozusagen. Die Informationen, wer böse sei, liefere "Eyes Only", eine weitere Abteilung der "Organisation". Sie habe im ganzen Land unsichtbare Kameras versteckt. Die "Organisation" sieht also alles, weiß alles, kann alles - und sie hat einen Feind: "die Bande". Ist diese Frau komplett durchgeknallt? Oder steckt doch ein Funken Wahrheit in ihrer Geschichte? Werden wir alle unbemerkt auf unsere moralische Integrität überprüft? Matt Ruff führt in seinem neuen Roman derartig in die Irre, dass man bald nicht mehr weiß, wo oben und unten, was möglich und unmöglich ist. "Bad Monkeys" ist eine Mischung aus "Matrix", "Die Truman Show", "Twelve-Monkeys" und "Fightclub". Noch irrwitziger, noch abgedrehter und absolut lesenswert.

Matt Ruff. "Bad Monkeys" Verlag: Hanser Hardcover: 256 Seiten Preis: 19,90 Euro ISBN: 978-3446230026

Mari Jungstedt - "Im Dunkeln der Tod"

Egon Wallin führt ein stetes Leben. Er ist Kunsthändler, sehr beliebt und verheiratet. Auf Hochtouren bereitet er eine Vernissage in seiner kleinen aber renommierten Galerie auf Gotland vor. Es wird seine letzte sein. Am Morgen nach der Ausstellung wird er tot aufgefunden: Seine Leiche hängt nackt, erdrosselt und zerschunden im Torbogen der Stadtmauer - auch Liebespforte genannt. Kommissar Anders Knutas ist ratlos. Selbstmord schließt er aus. Aber warum musste dieser sympathische Mann auf so grausame Art sterben? War es ein Mord aus Eifersucht? Oder hatte er sich der Galerist mit Kunstdieben eingelassen? Die Spuren führen ins Leere. Nur eines wird immer deutlicher: Egon Wallin führte ein Doppelleben. Seine Ehe stand kurz vor dem Aus, seine Galerie hatte er hinter dem Rücken seiner Frau verkauft und insgeheim liebte der Kunsthändler Männer. Dann schlägt der Mörder erneut zu. Mit "Im Dunkeln der Tod" hat Mari Jungstedt einen soliden Schwedenkrimi hingelegt. Stimmungsvoll beschreibt sie das winterliche und etwas triste Gotland und zeichnet dabei ein einfühlsames Bild der Charaktere. Was dabei leider manchmal auf der Strecke bleibt, ist der letzte Rest Spannung. Dieses kleine bisschen, das einem kalte Schauer über den Rücken jagt und einen auch noch Mitten in der Nacht wach hält... Wem also ein Henning Mankell zu krass und blutrünstig ist, der ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut beraten.

Mari Jungstedt. "Im Dunkeln der Tod" Verlag: Heyne Hardcover: 384 Seiten Preis: 18,95 Euro ISBN: 978-3-453-26558-5

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