Kunstwissen: "Morgen in South Carolina" von Edward Hopper

Schon gesehen? Dieses Bild hängt zur Zeit im Bucerius Kunstforum in Hamburg. Zehn Details zum Hinschauen und Weitersagen.

  • Die junge Frau auf diesem Bild, die darauf wartet, dass ihr Mann nach Hause kommt, sahen Edward Hopper und seine Frau Jo im Frühjahr 1929 auf einer Reise. 16 Jahre später malte er sie.
  • Die Szene ist so genau überliefert, weil die Hoppers über Edwards Arbeit Tagebuch führten. Er machte die Skizzen, seine Frau schrieb einen Text dazu.
  • Hopper (1882 bis 1967) war ein Szenensammler. Sein Atelier lag am Washington Square in Greenwich Village, und der Maler liebte es, durch die Straßen von New York zu laufen - besonders in den dämmrigen und dunklen Stunden, wenn die Fenster beleuchtet waren.
  • Die Szenen, die Hopper sah, malte er aber nicht einfach ab. Die echte Frau etwa stand in einer Hütte im Wald. Warum steht das Haus in Hoppers Version inmitten wiegender Kornfelder? Was macht die Frau in dieser Gegend? Warum ist sie gekleidet, als würde sie gleich zu einem Konzert oder einem feinen Essen aufbrechen?
  • Hopper warf bewusst Fragen auf und ließ sie bewusst unbeantwortet. Die klaren Kompositionslinien ziehen den Betrachter in seine Bilder. Wer drin ist, findet seine eigenen Antworten, entwickelt seinen eigenen Film. Hoppers große Kunst bestand darin, für diese vielen unterschiedlichen Filme Raum zu lassen.
  • Läuft man durch New York, meint man oft, an einer Straßenecke die Bar aus Hoppers berühmtestem Gemälde "Nighthawks" zu sehen. Auch auf Cape Cod, wo die Hoppers ein Häuschen hatten, glaubt man, durch Hopper-Bilder zu wandeln. Seine Szenen sind von allem Schnickschnack entrümpelt und können deshalb zu jeder Zeit und an vielen Orten spielen.
  • Hopper malte im Stil seines ganz eigenen Hopperismus, irgendwo zwischen Realismus und Surrealismus. Und er blieb ihm Zeit seines Lebens treu - während um ihn herum die amerikanische Moderne u. a. Ausflüge in Minimalismus, Futurismus und Pop-Art unternahm.
  • Er wuchs im Ort Nyack nahe New York auf, war gelernter Illustrator und verdiente sein Geld mit Werbung, bis er ab Mitte der 20er Jahre genügend Bilder verkaufte. 1924 heiratete er die Malerin Josephine Nivison. Sie malte später kaum noch und stand dafür ihrem Mann Modell.
  • Hopper ließ sich auch vom Kino inspirieren. Dass sein Bild "Haus am Bahndamm" im Gegenzug Alfred Hitchcock zu dem Motel in "Psycho" inspirierte, soll ihn riesig gefreut haben.
  • Die reiche Kunstmäzenin Gertrude Vanderbilt Whitney war eine von Hoppers frühen Förderinnen. Seinen künstlerischen Nachlass vermachte er dem von ihr gegründeten Whitney Museum of American Art, das für diese Ausstellung mit dem Bucerius Kunstforum zusammenarbeitet. Der Titel der Bilderschau: "Modern Life. Edward Hopper und seine Zeit".

Die Austellung geht bis zum 30. August, www.buceriuskunstforum.de

Text: Tinka Dippel Foto: Edward Hopper. Whitney Museum of American Art, New York Ein Artikel aus der BRIGITTE 11/09
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