Kunstwissen: "Summer of Love" von Cecily Brown

Schon gesehen? Dieses Bild von Cecily Brown hängt zur Zeit in den Hamburger Deichtorhallen. Zehn Details zum Hinschauen und Weitersagen.

  • Wie sich diese beiden vergessen, wie sie sich hingeben und dabei fast auflösen - so muss man sich die 39-jährige Cecily Brown beim Malen vorstellen. Das zierliche Energiebündel ist viel in Bewegung und bringt dabei auf der Leinwand Dinge fertig, die Sammlern wie Elton John oder dem Fotografen Mario Testino sechsstellige Summen wert sind.
  • Cecily Brown schafft es, das Ungefähre, das Verschmolzene lebendig zu machen. Ein Gesicht wie das des Mannes auf diesem Bild, das eigentlich keines ist, kann für die Betrachterin auf einmal ganz deutlich zu sehen sein, ebenso kann ein Bein wie das der Frau, das eben noch da war, nur noch eine Linie sein.
  • Ausrisse aus Pornoheften sind Vorlagen für Bilder wie dieses. Dass diese Szenen extrem emotional aufgeladen sind, interessiert Brown besonders daran. Der Malerin geht es in ihrer Kunst nicht um harten Sex, sondern um die Intensität, die in solchen Momenten steckt.
  • Cecily Brown malt stets mit Öl auf Leinwand. Klassisch ist auch, wie sie durch warme und kalte Farben Raumtiefe erzeugt. Hier kommt einem das Orangebraun der Körper entgegen, das Graubraun und das Blau bleiben im Hintergrund.
  • Francisco de Goya, James Ensor, Francis Bacon - die großen Herren der Kunst hat sich schon die junge Cecily sehr genau angesehen. Schon als Teenager war sie häufig mit David Sylvester unterwegs, einer Eminenz unter den Kunstkritikern.
  • Dass Sylvester ihr Vater ist, erfuhr sie erst mit 21. Danach wurde ihr sein großer Name daheim in London zur Bürde. Also zog sie nach dem Studium an der Slade School of Fine Arts nach New York, wo sie sich das Malen als Kellnerin finanzierte.
  • Mit 28 hatte sie ihre erste Einzelschau und wurde schnell zum Kunst-Star. Sie kostete das aus, feierte wilde Partys, inszenierte sich selbst in "Vanity Fair" und "Vogue". Und sagte dazu in einem Interview sehr ehrlich: "Ich war schon immer arrogant, was meine Kunst betraf. Ich wollte einfach, dass so viele Menschen wie möglich meine Arbeit sehen."
  • Sie lebt und arbeitet in einem Loft in Manhattan - in Sichtweite von Andy Warhols früherer Factory. Umgeben von fast fertigen Bildern, denen sie im richtigen Moment den letzten Strich verpasst.
  • In dem riesigen Atelier schiebt sie mannshohe Spiegel auf Rollen hin und her, so dass sie beim Malen genau in ihrem Rücken stehen. Will sie mit ein bisschen Abstand betrachten, was sie gerade gemalt hat, muss sie nicht von der Leiter steigen, sondern sich nur umdrehen.
  • Künftig wird sie Wohnen und Malen stärker trennen. Letztes Jahr hat sie den Architekturkritiker Nicolai Ouroussoff geheiratet, die beiden erwarten ein Kind. 15 Stunden am Tag zwischen Lösungsmitteln zu verbringen wird dann nicht mehr möglich sein. Bei einer Virtuosin wie Brown dürfte es spannend werden, die Veränderung ihres Lebens auf ihren Bildern mitzuverfolgen.

Die Ausstellung geht bis zum 30. August, www.deichtorhallen.de

Text: Tinka Dippel Foto: Cecily Brown. Courtesy Thomas Holdings Inc. Collection Ein Artikel aus der BRIGITTE 10/09
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