München: Ein Wochenende mit Kunst

Draußen ist die Stadt ein Wintermärchen, drinnen eine Schatztruhe: in den Galerien, Museen und Pinakotheken. Ein Spaziergang durch Münchens Kunstszene.

Glitzerflocken rieseln, Schritte knirschen, Winternebel liegt über den Isarauen im bläulich schimmernden Englischen Garten - schöner geht's nur gemalt. Aber Gemaltes und noch mehr Kunst findet sich in München überall. Wer sich auf die Suche macht, bekommt nicht nur alte Meister zu sehen, nicht nur Design, Architektur und Video-Installationen - sondern auch einige der schönsten versteckten Cafés und Aufwärmplätze der Stadt. Da ist zum Beispiel die Glyptothek am Königsplatz, Heimat der Antikensammlung. Auf dem Rundgang begegnen wir Marius, Augustus und Nero - und in sich versunkene Kunststudenten, die diese Herren der Geschichte zeichnen. Auf halbem Weg durch das Institut bremst eine Kuchenbar mit Blick in den Innenhof unseren Kunst-Trip. Es besteht Gefahr, dass das Draußen heute etwas kurz kommt, denn von der Glyptothek ist es nur ein Steinwurf bis zum Lenbachhaus, von dort fällt man von einer Pinakothek in die andere, wandert von den alten Meistern bis in die Moderne.

"Kunstareal" heißt diese Ecke im Viertel Maxvorstadt. Und das Einzige, was hilft, um dann doch mal wieder raus in den Winter zu kommen, ist: Mut zur Lücke. Denn das Kunstareal ist erst der Anfang, von dort geht es durch die von endlosen Prachtfassaden gesäumte Ludwigstraße und den Hofgarten in die Maximilianstraße. Hier tragen die Damen Pelz und ihre Rassehündchen Loden. Überladene Schaufenster lenken die Blicke von den unscheinbaren Eingängen der Galerien ab. Gut so, jetzt haben wir Platz: für die klassischen Expressionisten in der "Galerie Thomas" zum Beispiel. Am Maximiliansplatz lohnt ein Abstecher in den Untergrundbahnhof, wo das "ZKMax" Ausstellungen von jungen Künstlern und Hochschulabsolventen zeigt (www.zkmax.de). Nachwuchskünstler stellen auch im Glockenbachviertel aus. Es geht sehr viel entspannter zu als in Münchens Schickmicki-Zonen, und die Kunst ist nicht so geballt und teuer. Zwar ist der Winter weniger gülden, dafür wohnt hier die Kunst Tür an Tür mit unzähligen Schmuck- und Klamotten-Boutiquen und Cafés mit Bio-Label.

Nicht verpassen: Gerhard Richter im Haus der Kunst

Ab 27. Februar hängen die abstrakten Bilder, großformatige Farbspektakel, in den weitläufigen Sälen des Kunstpalasts am Englischen Garten. Die Museumswärter werden eine Menge zu tun haben, sie vor den Händen der Besucher zu beschützen: Denn die Versuchung ist groß, die fast reliefartigen Oberflächen zu berühren. Aber auch das bloße Anschauen ist etwas ganz Besonderes, weil die vielen Schichten, die kleinen abstrakten Details nur live wirklich erkennbar sind (bis 17. Mai; Prinzregentenstraße 1, Tel. 089/21 12 71 13, www.hausderkunst.de).

Galerien-Tipps für München

Vom Haus der Kunst können Sie durch den Hofgarten zum Odeonsplatz spazieren. Dort betreibt Daniel Blau, der Sohn von Georg Baselitz, eine Galerie (Odeonsplatz 12, Tel. 089/29 73 42, www.danielblau.de). Dann ist es nicht mehr weit bis zum Kunstareal in der Maxvorstadt, zu den Pinakotheken und den vielen kleinen Schwabinger Galerien. Sie können aber auch in die andere Richtung laufen, zum Opernplatz und dann die Maximilianstraße entlang. Dort befindet sich die Galerie Thomas (Maximilianstr. 25, Tel. 089/290 00 80, www.galerie-thomas.de), spezialisiert auf den klassischen Expressionismus, aber auch sehr gut in der Auswahl zeitgenössischer Künstler. Einen guten Überblick über die Münchner Galerien gibt der Münchner Kulturverführer (Hrsg. Helmut Metz Verlag, 232 Seiten, 14,80 Euro).

Text: Tinka Dippel Fotos: Galerie Daniel Blau/München, Gerhard Richter Ein Artikel aus der BRIGITTE 04/05
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