Nolde ganz privat

Hoch im Norden Deutschlands kann man auf den Spuren Emil Noldes wandeln. Sein ehemaliges Wohnhaus und Atelier in Seebüll beherbergt seit seinem Tode das Nolde-Museum.

Der Gemäldesaal

Ob Ölbilder oder Zeichnungen, ob vom Impressionismus beeinflusste Frühwerke oder expressionistische Hauptwerke, ob Landschaften oder religiöse Motive: keine Technik und keine Schaffensphase Emil Noldes (1867-1956), die nicht in diesem Museum vertreten wäre. Rund 500 Ölbilder sowie mehrere Tausend Aquarelle, Zeichnungen und "Ungemalte Bilder" Noldes sind im Besitz der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, darüber hinaus fast das gesamte graphische Werk.

Emil Nolde: "Gaut der Rote" aus der Reihe der "Ungemalten Bilder" 1938/45

Undenkbar, diesen großen Bestand komplett in den ehemaligen Wohn- und Atelierräumen Emil Noldes zu zeigen. So stellt das Museum jedes Jahr andere Werke Noldes aus - und präsentiert dabei jeweils verschiedene Schwerpunktthemen. Wiederkommen lohnt sich also, denn selbst Kenner können unter den rund 170 Bildern pro Jahr noch die eine oder andere Neuentdeckung machen. Doch ganz ohne "Klassiker" geht es natürlich nicht. Blumenmotive dürfen zum Beispiel in keinem Jahr fehlen. Aber davon hat Nolde so viele gemalt, dass es trotzdem nicht langweilig wird. Ähnliches gilt übrigens auch für die so genannten "Ungemalten Bilder", die Emil Nolde während der NS-Zeit heimlich erstellte, weil er ab 1941 Malverbot hatte. Rund 1300 dieser kleinformatigen Aquarelle gibt es, fast alle sind in Seebüll und werden im Wechsel gezeigt.

Als Schwerpunkte hat das Museum in diesem Jahr Noldes Selbstbildnisse sowie seine Meer- und Gebirgsdarstellungen gewählt. Die Bandbreite der 46 Selbstporträts reicht fast über ein halbes Jahrhundert - von einem strengen Porträt aus der Frühphase (1899) bis zum letzten Selbstbildnis, das er im Alter von achtzig Jahren malte.

Eigentlich eng verwurzelt mit Norddeutschland und dem Meer, hatte sich Nolde seit seinen frühen Jahren als Zeichenlehrer in St. Gallen auch eine Vorliebe für die Schweiz und ihre Bergwelt bewahrt. Die diesjährige Ausstellung zeigt deshalb Meeresbilder wie "Die Begegnung am Strand" (1920) oder "Hohe Sturzwelle" (1948) und stellt ihnen die Berglandschaften Noldes gegenüber.

Noldes Naturverbundenheit drückt sich nicht nur auf seinen Bildern aus, sondern auch in dem Garten, der das Museum umgibt. Von Emil Nolde selbst geplant und angelegt, wird der Garten in seinem Sinne weitergepflegt, beherbergt Dahlien, Tulpen, Rosen, Sonnenblumen sowie weitere Schönheiten - eine Farbenpracht, die auch die Kunstwerke Noldes auszeichnet.

Starstück

Emil Nolde: "Grablegung", 1915

Eines der Starstücke des Nolde-Museums ist die "Grablegung Christi", entstanden 1915. Zusammen mit anderen religiösen Motiven ist es im Untergeschoss - dem ehemaligen Atelier Noldes - ausgestellt. Dort befindet sich auch das neunteilige Altarwerk "Das Leben Christi" (1911/12), das fester Bestandteil jeder Jahresausstellung in Seebüll ist.

Sonderausstellungen

Sonderausstellungen zeigt das Nolde-Museum nicht. Es beschränkt sich darauf, nur Bilder von Nolde zu zeigen und auch nur solche, die aus dem eigenen Fundus kommen.

Finden woanders Nolde-Sonderausstellungen statt, leiht das Museum aber Bilder aus seinem Bestand aus.

Info

Öffnungszeiten: 1. März bis 1. Dezember täglich, bis Oktober 10 - 18 Uhr, ab November 10 - 17 Uhr Eintrittspreise: Erwachsene: 4 Euro, Schüler und Studenten: 1 Euro Führungen: nach vorheriger Anmeldung Adresse: Nolde-Museum Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde 25927 Neukirchen, Seebüll Telefon: 04664-364 Telefax: 04664-1475 www.nolde-stiftung.de

Und nach dem Museumsbesuch?

Etwa 200 Meter vom Museum entfernt liegt das Museumscafé und das Gästehaus Seebüll mit Fremdenzimmern. Hier kann man nach dem Museumsbesuch Snacks, Kaffee und Kuchen genießen - und wer will, bleibt gleich über Nacht und erkundet noch ein bisschen die Landschaft, die Emil Nolde zu vielen seiner Werke inspiriert hat.

Katharina Wantoch Fotos: © Nolde Stiftung

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