"Alles ist schön" - Das Leben des Andy Warhol

In diesem Jahr wäre Andy Warhol achtzig Jahre alt geworden. Auch nach seinem Tod sind seine Suppendosen und die bunten Promi-Porträts nicht von der Bildfläche verschwunden. Aber wer war dieser blonde Typ mit der großen Brille und dem scheuen Blick eigentlich? Wir werfen einen kurzen Blick auf das Leben des Ausnahmekünstlers, der die Kunstwelt seinerzeit revolutionierte

Sohn tschechischer Einwanderer

Guy Pearce alias Andy Warhol in dem Film "Factory Girl"

Andy Warhols Aufstieg verkörpert den amerikanischen Traum einer Karriere: Vom tschechischen Einwanderer zur Ikone und Begründer eines neuen Kunststils. Geboren wurde Andrej Warhola in Pittsburgh als einer von drei Söhnen eines Bergbauarbeiters. Sein Vater war nach Amerika geflohen, um dem Militärdienst in Tschechien zu entfliehen. Mit acht Jahren erlitt er eine Art Nervenzusammenbruch gepaart mit einer Pigmentstörung, so dass man ihn lange Zeit für einen Albino hielt. Über Wochen ans Bett gefesselt, entwickelte der junge Warhol seine Leidenschaft für Comics und Spielfilme. Er begann zu zeichnen und schnitt Papierpuppen aus. Nach dem frühen Tod des Vaters lebten die Warholas ein Leben am Rande des Existenzminimums. Während der Schulferien half der schüchterne Warhol als Schaufensterdekorateur in einem Kaufhaus aus. Zum ersten Mal kam er hier mit einer Welt in Berührung, die später seine Berufung werden sollte: der Welt des Konsums und der Werbung. Das Kaufhaus bot ihm den Anblick eines Überflusses an begehrenswerten Dingen. Der ästhetische Schein und der Glamour, der diese Dinge umgab, faszinierten ihn. Schon damals entwickelte er eine Gier nach Ruhm, Geld und Luxus, die ihn bis zu seinem Tod nicht mehr los ließ.

Virtuose der Massenkultur

Guy Pearce alias Andy Warhol in dem Film "Factory Girl"

Nach der Highschool und einer abgeschlossenen Ausbildung zum Schaufensterdekorateur studierte er Gebrauchsgrafik. Daraufhin arbeitete er als Werbegrafiker für eine Schuhfirma. Schnell folgen erste Arbeiten als Grafiker und Illustrator für verschiedene Magazine wie „Vogue“ oder „Haper’s Bazar“. Schließlich wurde er zu New Yorks gefragtestem und erfolgreichstem Illustrator.

In den 60er Jahren fing er an, das zu malen, was ihn schließlich weltweit berühmt machte: Alltägliche Artikel aus Massenproduktionen. Berühmtes Beispiel: Die Campbell-Suppendosen, deren Inhalt er jahrelang als Lunch verspeist hatte. Er wollte den Unterschied zwischen den schönen Künsten und der kommerziellen Gebrauchskunst aufheben. Seine radikale Ästhetik: "Alles ist schön" bestimmte seine Arbeit und machte ihn für viele zum Anti-Künstler.

Andy Warhol war nicht nur ein kreativer, eigenwilliger Kopf, der in seinem Leben alles ausprobiert hat, wonach ihm gerade war. Er war auch ständig auf der Suche nach Ruhm und Anerkennung für das, was er tat. Wie kein anderer verstand er es, die Medien zu manipulieren, indem er stetig das Bedürfnis nach Skandalen befriedigte, ohne jemals wirklich etwas von sich preis zu geben. Er schuf einen Mythos um seine Person, der bis heute nicht gestorben nicht.

Guy Pearce alias Andy Warhol in dem Film "Factory Girl"

1968 wurde er bei einem Attentat von einer geistig verwirrten Frauenrechtlerin in die Brust geschossen und schwer verletzt. Warhol erholte sich niemals vollständig von diesem Angriff. Er zog sich zunehmend zurück.

Am 22. Februar 1987 starb Andy Warhol in New York an den Folgen einer Gallenblasenoperation. Er war nicht nur Künstler, sondern auch Maler, Grafiker, Zeichner, Fotograf, Filmemacher, Musik- und Fernsehproduzent, Illustrator, Autor, Verleger, Fotomodell und Nachtclubbesitzer. Und der Begründer der Pop-Art.

Ergründen wird man diesen ungewöhnlichen Mann wohl nie. Aber eines steht fest: Er hat die Vorstellung vom Bild des erfolgreichen Künstlers in der Öffentlichkeit neu definiert und ist zum Helden und Vorbild nachfolgender Künstlergenerationen geworden.

Text Gudrun Möller
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