"Hätte ja sein können, dass du ’ne Arschgeige bist..."

War aber wohl nicht der Fall. Inzwischen haben Jan Josef Liefers und Axel Prahl schon ihren dritten gemeinsamen "Tatort" hinter sich. Was sie sonst noch so verbindet, erzählen sie im BRIGITTE-Gespräch.

Sie sind zwei der gefragtesten Schauspieler Deutschlands. Axel Prahl sackte für den ostdeutschen Ehereigen "Halbe Treppe" von Regisseur Andreas Dresen einen Preis nach dem anderen ein und bekam für das Mobbing-Drama "Die Hoffnung stirbt zuletzt" den diesjährigen Grimmepreis noch obendrauf. Jan Josef Liefers spielt kurz hintereinander gleich in zwei hoch gelobten TV-Produktionen mit, in "Der Aufstand" (ZDF) und, zusammen mit Axel Prahl, in "Das Wunder von Lengede" (Sat.1). Außerdem standen die beiden schon zum dritten Mal gemeinsam für den WDR-"Tatort" in Münster vor der Kamera: Prahl als wortkarger Kommissar Frank Thiel und Liefers als schrulliger Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne.* Bei der ganzen Filmerei haben die beiden dieses Jahr schon fast mehr voneinander gesehen als von ihren Frauen. Trotzdem: Der Gesprächsstoff ist ihnen noch lange nicht ausgegangen.

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Jan Josef Liefers: Komischerweise sind wir uns vor unserem ersten "Tatort" noch nie über den Weg gelaufen. Die meisten Kollegen kennt man schon von irgendwoher, aber wir zwei hatten uns noch nie getroffen.Axel Prahl: Du hast bestimmt gedacht: Axel Prahl, hab ich noch nie gehört, wer soll'n das sein?Liefers: Immerhin bist du mit einer ganz anderen Art von Filmen bekannt geworden als ich. Ich kenne viele Leute, die aus so etwas Rückschlüsse ziehen und denken, das kann nicht passen. Hätte ja auch sein können, dass du 'ne Arschgeige bist.Prahl: Oder du - hätt ja genauso sein können!Liefers: Aber als wir uns kennen gelernt haben, war nach 15 Minuten alles klar. Lustigerweise hatten vorher mehrere Leute zu mir gesagt: Mit dem Prahl wirst du dich gut verstehen, der ist auch 'n Ossi.

Prahl: Dabei komme ich aus Neustadt in Holstein! Dass ich aus dem Osten bin, denken die Leute immer, weil ich in Filmen wie "Halbe Treppe" und "Die Polizistin" den Ossi gespielt habe.Liefers: Ich komme aus Dresden. Und als ich 1990 von Ostberlin nach Hamburg ans Thalia-Theater gegangen bin, haben viele zu mir gesagt: Wie, du kommst aus'm Osten? Merkt man gar nicht. So, als ob das ein Kompliment wäre. Dabei ist es doch wirklich scheißegal, wo einer herkommt.Prahl: Ich hatte schon immer eine besondere Beziehung zum Osten. Schon lange, ehe ich angefangen habe, dort Filme zu drehen. Meine Mutter und mein Vater hatten dort Verwandte, und wir sind oft rübergefahren. Mir ist damals aufgefallen, dass es da keine Zukunftsangst bei Kindern und Jugendlichen gab. Und es wurde auch nie über Kohle geredet. Das fand ich äußerst bemerkenswert.Liefers: Aber das lag einfach daran, dass du dir für Geld ab einem bestimmten Punkt nichts mehr kaufen konntest. Da waren dann andere Dinge wichtig. Die so genannte Solidarität im Osten kann man nämlich auch so beschreiben: Man kann nie wissen, wann ich eine neue Auspuffanlage für mein Auto brauche, darum sollte ich vielleicht die Frau vom Kfz-Schlosser bei der Gallenoperation vorziehen. So hat sich eine seltsame Art von Wirtschaft entwickelt, die aussah wie Solidarität, aber in Wahrheit auch nur ein Deal war. Das wird heute gern übersehen. Im Moment gibt es ja eher diesen Trend, die DDR als abgefreakte Siebziger-Jahre-Party zu feiern.Prahl: Hat es dir denn im Westen am Anfang eher genützt oder eher geschadet, dass du aus dem Osten kommst?Liefers: Viele haben versucht, mir das Etikett anzuhängen: Der Ossi, der's geschafft hat. Aber dem hab ich mich immer verweigert. Wo ich herkomme, das fand ich von allen Dingen eindeutig am wenigsten erwähnenswert.

Protokoll: Stefanie Hentschel, Angela Wittmann; Fotos: Rüdiger Nehmzow
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