"Ich bin da reingerutscht"

Ihren ersten Fernsehauftritt hatte Annett Renneberg mit 13 Jahren. Mittlerweile ist die Berlinerin 26 und kann schon auf eine ganze Menge Rollen zurückblicken.

Sie spielte in "Die Musterknaben" und "Erbsen auf halb sechs", sie war Maja in dem gleichnamigen Fernsehfilm und ist Elena in den Commissario Brunetti-Verfilmungen. 2002 bekam Annett Renneberg die Goldene Kamera als beste Nachwuchsschauspielerin verliehen. Im Moment steht sie als Solveigh in Peter Zadeks "Peer Gynt"-Inszenierung auf der Bühne (Berliner Ensemble). Mit Brigitte.de sprach die Schauspielerin über Traumberufe, Nonnen und das Leben auf dem Land.

Annett Renneberg beim BRIGITTE Foto-Shooting

Brigitte.de: Was wollten Sie als kleines Mädchen werden?

Annett Renneberg: Ballerina. Ich war auch in einer Tanzgruppe, aber zu DDR-Zeiten zielte das alles sehr auf Leistung ab, und ich habe nicht die richtigen Körpermaße mitgebracht. Außerdem habe ich mit sechs Jahren angefangen, Akkordeon zu spielen, und die Musik-Stunden lagen immer zur gleichen Zeit wie die Ballett-Stunden. Da habe ich mich dann für die Musik entschieden.

Brigitte.de: Und ab dem Moment lieber die Musik zu Ihrem Beruf machen?

Annett Renneberg: Zwischenzeitlich wollte ich noch Eisverkäuferin werden oder im Zirkus arbeiten, was wohl alle Kinder toll finden. Aber mit 12 oder 13 Jahren wusste ich dann, dass ich Opernsängerin werden möchte.

Brigitte.de: Heute sind Sie Schauspielerin. War das denn nie Ihr Traum?

Annett Renneberg: Nein, da bin ich mit 13 Jahren reingerutscht. Als ich meinen jüngeren Bruder von einem Casting-Termin abholen wollte, habe ich mich auf dem Studiogelände verlaufen und geriet plötzlich selbst in ein Casting. Das Resultat: eine Rolle im „Tatort“. Trotzdem wollte ich, bis ich 19 war, Operngesang studieren. Bis dahin hatte ich die Filmerei immer als nettes Hobby betrachtet, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon viel gedreht hatte. Erst mit dem Theater und Peter Zadek kam mir überhaupt der Gedanke, dass Schauspiel mehr ist als nur Film.

Brigitte.de: Heißt das, Sie stehen lieber auf der Bühne als vor der Kamera?

Annett Renneberg: Ich finde es spannend, beides zu machen. Ich möchte nicht mein ganzes Leben lang nur Theater spielen, habe aber auch gemerkt, dass ich nicht immer nur Film machen kann. Weil ich jetzt schon so lange vor der Kamera stehe, gibt es nur wenige Dinge, die mich da noch überraschen. Ich habe verstanden, wie Film funktioniert, auch wenn jede Rolle anders ist. Theater spiele ich noch nicht so lange. Da gibt es noch viele Momente, in denen ich mich sehr fremd fühle. Das gefällt mir gut.

Brigitte.de: Wie ist Peter Zadek auf Sie aufmerksam geworden?

Annett Renneberg: Er hat den Film "Maja" gesehen, in der Wiederholung, nachts beim Zappen. Dann hat er meine damalige Agentin angerufen und gefragt, ob ich eine Schauspielausbildung hätte. Die hatte ich nicht, dafür aber eine Gesangsausbildung. Er suchte eigentlich eine Ophelia für seine Hamlet-Inszenierung, wollte aber vorher noch die Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" in Salzburg machen. Ich bin hingefahren, habe vorgesungen, und er war begeistert. In der Oper spielte ich den Erzähler und habe auch eine kleine Rolle gesungen. Und dann hat mir Peter Zadek gesagt, dass er mich als seine Ophelia möchte. "Peer Gynt" ist unsere dritte gemeinsame Arbeit.

Brigitte.de: Kann es trotzdem sein, dass wir sie irgendwann noch als Opernsängerin erleben?

Annett Renneberg: Ich würde nie nie sagen. Ich habe den Traum nicht begraben, beuge mich aber der Realität. Beim Vorsingen an der Hochschule bin ich damals nicht genommen worden und dann kam zeitgleich auch Peter Zadek auf mich zu. Ich hätte mich also sowieso entscheiden müssen. Und weil ich das Lebensmotto habe "Alles kommt so, wie es kommen soll", habe ich auch nicht lange gehadert.

Brigitte.de: Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, auf eine Schauspielschule zu gehen?

Annett Renneberg: Es gab mal eine Phase, in der ich gerne nach New York gegangen wäre, in den Actors Workshop, aber dann habe ich gemerkt, dass man das nicht braucht. Für die Bühne habe ich ein bisschen Sprechunterricht genommen, um mir die Technik anzueignen, aber Schauspielern kann man nicht lernen, entweder man hat Talent oder nicht. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die nie auf einer Schule waren und die hervorragend sind. Und ich habe die Schule auch nie vermisst.

Brigitte.de: Und bei Ihrer Arbeit war das auch nie von Nachteil?

Annett Renneberg: Beim Theater gab es ein paar Situationen, in denen ich dachte: Mensch, vielleicht würdest Du das mit Ausbildung jetzt besser hinkriegen. Da ging es um technische Sachen wie Lautstärke, Raumgefühl, Körperlichkeit auf der Bühne, aber die Praxis ist auch ein guter Lehrmeister. Für "Peer Gynt" haben wir sechs Monate geprobt, und jetzt würde ich sagen, dass ich den fertigen Schauspielstudenten in nichts mehr nachstehe.

Brigitte.de: Welche Rolle würden Sie gerne mal spielen?

Annett Renneberg: Eine Nonne.

Brigitte.de: Wieso gerade eine Nonne?

Annett Renneberg: Durch die Einheitskleidung, die Nonnen tragen, hat man in dieser Rolle nicht die Möglichkeit, die Persönlichkeit durch bestimmte Klamotten zu unterstreichen. Es kommt hier umso mehr darauf an, was man mit dem Gesicht erzählt, mit den Augen und der Mimik. Das finde ich spannend.

Brigitte.de: Haben Sie eigentlich eine bestimmte Schauspielerin als Vorbild?

Annett Renneberg: Nein, es gibt welche, die ich ganz toll finde, Cate Blanchett zum Beispiel oder Julianne Moore, aber Vorbilder? Dazu befasse ich mich zu wenig mit deren Werdegang. Ich bin ein ganz normaler Kinozuschauer und vergesse, wenn ich im Kino sitze, auch komplett, wie ein Film gemacht wird. Und die Schauspieler sehe ich dann nur in ihrer jeweiligen Rolle.

Brigitte.de: Das klingt alles sehr bodenständig ...

Annett Renneberg: Ich glaube, das liegt daran, dass ich nie Schauspielerin werden wollte. Wenn man als kleines Mädchen schon diesen Traum hat, dann geht man da bestimmt ganz anders heran, aber bei mir war' ja eher Zufall.

Brigitte.de: Gibt es Momente, in denen Sie gerne einen anderen Beruf hätten?

Annett Renneberg: Manchmal, wenn ich um vier Uhr morgens aufstehen muss, weil ich zwei Stunden in der Maske brauche... Nein, ich finde Schauspielerin ist ein toller Beruf, gerade für mich, weil ich sehr neugierig bin, gerne reise und überhaupt immer wieder gerne in neuen Situationen bin.

Brigitte.de: Haben Sie Träume für die Zukunft?

Annett Renneberg: Irgendwann würde ich gerne auf dem Land wohnen. Ich habe hier in Berlin eine sehr schöne Stadtwohnung, merke aber im Moment, dass sich meine Naturverbundenheit immer stärker entwickelt. Ich könnte mir vorstellen auf einem Bauernhof zu leben, mit Pferden, Katzen, Kühen und Schafen. Aber ich weiß nicht, ob ich das wirklich machen werde und wenn, dann bestimmt nicht übermorgen.

Interview: Katharina Wantoch Foto: Gabo/Focus

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