"Ich habe ganz neue Erfahrungen gemacht"

Heute Abend läuft im ZDF der Fernsehfilm "Liebe und Verlangen". Brigitte.de sprach mit Hauptdarstellerin Katja Flint über starke Frauen, das Drehen von Liebesszenen und Bein-Models.

Karen (Katja Flint), von allen nur "Puppa" genannt, und Hendrik (Hannes Hellmann) führen eigentlich keine schlechte Ehe. Wenn Karen darüber nachdenken würde, müsste sie sich allerdings als "Kuckuck im Nest" bezeichnen oder als "Vogel im goldenen Käfig". Hendrik hingegen ist der provinzielle Sonnenkönig, dem die Rolle des Schuldirektors ebenso gefällt wie die des Ehemannes seiner attraktiven Frau. Er liebt die kleinen Exzesse von Karen; nur dort, wo sie in der Öffentlichkeit ein schlechtes Bild machen, korrigiert er sie schnell. Jeanne (Natalia Wörner) hat eine gescheiterte Beziehung zu einer Kollegin hinter sich. Von Liebe will sie erst einmal nichts mehr wissen. Sie fängt als Lehrerin an Hendriks Schule an und sucht in der Kleinstadt Ruhe und einen Neuanfang. Auf einem Schulfest lernen sich die beiden Frauen kennen. Bald wird "Puppa" von der unkonventionellen Jeanne magisch angezogen...

"Liebe und Verlangen", ZDF, 20.15 Uhr

Interview mit Katja Flint

Katja Flint als "Puppa"

Brigitte.de: Über den Film "Liebe und Verlangen" heißt es, man sähe sie dort von einer ganz anderen Seite. Wie würden Sie diese Seite beschreiben?

Katja Flint: Im Moment interessieren mich, im Gegensatz zu den glamourösen Überfrau-Rollen, in denen man mich bislang gesehen hat, durchschnittliche, einfache Frauen viel mehr. Frauen, die im Verlauf der Geschichte in eine Krise geraten, diese bewältigen müssen und dabei über sich hinauswachsen. Hätte ich bislang immer solche Frauen dargestellt, würde ich nun bestimmt gerne die Marlenes und Pompadours spielen, aber da ich die schon gespielt habe und auch sonst meist finanziell abgesicherte, selbstbewusste Frauen, reizen mich jetzt eben diese anderen Frauen.

Brigitte.de: Frauen wie Puppa...

<antwort name="Katja Flint"> Ja. Ursprünglich sollte Puppa auch Lehrerin an der Schule ihres Mannes sein, aber ich habe darum gebeten, dass sie nur eine Hilfskraft ist, eine ungebildete Person, die aus sehr einfachen Verhältnissen kommt. Die Idee für ihre Vorgeschichte als Strumpf-Model kam auch von mir und dass sie heimlich zu Hause raucht, obwohl der Mann das nicht erlaubt. Puppa kommt aus einer anderen Welt, hat aber trotzdem viel Charisma, ist also sehr liebenswert. Ich fand es spannend, dass eine Frau, die in einer Art sanften Unterdrückung, einer Scheingeborgenheit lebt, mit einem Mann, der das Geld verdient und das Sagen hat, plötzlich etwas in sich entdeckt und merkt, dass sie vielleicht doch anders leben möchte.</antwort>

Brigitte.de: Zunächst denkt man aber, Puppa sei die schwächste Person im Film.

Katja Flint: ... und am Ende ist sie die Mutige. Die Konstellation in der Geschichte ist sehr interessant. Manchmal gibt es Angebote, da ist die Rolle großartig, aber die Geschichte drum herum, die anderen Figuren, sagen einem nicht so zu. Die sind nur Zuspieler. In diesem Film gibt es zwei gleichwertige große Rollen, die genau gegensätzlich in der Dramaturgie funktionieren. Am Anfang bin ich die Schwache und Natalia kommt als selbstbewusste Lehrerin an die Schule. Im Verlauf der Geschichte wachse ich, werde viel selbstbewusster und mutiger und Natalia kriegt was auf den Deckel, sinkt in sich zusammen und wird zu einer schwachen Figur, die ich dann als ehemals Schwache am Ende stützen und retten muss. Das habe ich selten in einem Film gesehen, dass zwei Leute sich so konträr in ihrer Entwicklung bewegen und trotzdem in der Liebe zusammen finden.

Brigitte.de: Stichwort Liebe: Wie war es denn, die Liebesszenen mit Natalia Wörner zu drehen?

Katja Flint: Im Mittelpunkt des Films steht weniger die Homosexualität als die Liebe. Puppa könnte sich auch in einen anderen Mann verlieben. Dass sie sich nun aber in eine Frau verliebt, bringt eigentlich nur die Gesellschaft in dieser Vorstadt durcheinander, wo ein lesbisches Paar eben noch etwas Besonderes ist. Wir beide spielen dieses Paar so, als könnte das auch eine Liebe zwischen Mann und Frau sein. Da wir beide heterosexuell sind, haben wir das mit großem Vergnügen gespielt, aber natürlich so, wie wir uns normalerweise in einen Mann verlieben. Es war spannend, sich auf diesem neuen Terrain zu bewegen: Wie geht das überhaupt, eine Frau zu küssen, ist das "ih" oder doch nicht "ih", ist es schön oder nicht, wie ist es, wenn eine Frau eine Frau berührt. Für Puppa ist das in dem Film auch eine ganz neue Erfahrung, und wir haben die sozusagen gemeinsam gemacht.

Entdecken ihre Liebe: "Puppa" (Katja Flint,l.) und Jeanne (Natalia Wörner)

Brigitte.de: Das Team bestand hauptsächlich aus Frauen. Hat das den Dreh leichter gemacht?

Katja Flint: Ja, bei der Liebesszene wurden die wenigen Männer im Team rausgeschickt – bis auf den lieben, sehr schüchternen Johnny, den Kamera-Assistenten. Zuerst war er auch draußen, aber dann merkte die Kamera-Frau, dass es mit der Schärfe ein Problem gibt. Deshalb durfte Johnny dann als einziger Mann im Raum sein. Doch der war so mit seinen Schärfen beschäftigt, dass er keine Zeit hatte, sich dafür zu interessieren, was wir da miteinander machen. So war der Dreh sehr angenehm, ganz entspannt und sehr familiär, was vor allem auch der Regisseurin Judith Kennel zu verdanken ist. Sie ist eine Frau, die zu allen derart lieb ist, die so viel Wärme ausstrahlt und so eine Aufopferung für das Projekt zeigt, dass man sich sehr geborgen fühlt.

Brigitte.de: Aber Sie sind nicht gedoubelt in irgendeiner Szene, oder?

<antwort name="Katja Flint"> Das war nicht nötig. Man sieht nicht viel Nacktheit – zwei eng umschlungene Körper – und die Kamera ist ständig in Bewegung. Oft kann man die Beteiligten gar nicht auseinander halten. Normalerweise habe ich im Vertrag stehen, dass ich keine Nacktszenen drehe, aber wenn eine Liebesszene die Geschichte, die erzählt werden soll, unterstützt und notwendig ist, um die Entwicklung der Figuren zu erzählen, dann bin ich auch bereit, dabei zu sein. Sonst drehe im am liebsten gar keine Liebesszenen, weil ich auch andere Männer gar nicht gerne küssen oder mich nicht vor dem Team mit Leuten ins Bett legen will, auch wenn man vielleicht noch etwas an hat. Das ist nie angenehm und immer irgendwie seltsam. </antwort>

Brigitte.de: Das geht Ihnen mit einem Mann also auch nicht anders...

Katja Flint: Im Gegenteil, mit einem Mann finde ich Liebes-Szenen viel schwieriger. Mit Natalia fand ich das eigentlich ganz einfach, weil wir uns auch sehr mögen, seit wir "Die Sieger" gedreht haben. Als ich das Drehbuch zu "Liebe und Verlangen" gelesen habe, hat mich die erste Szene gestört, die mit dem Mann. Da dachte ich: "Ach, gleich am Anfang des Films eine Sex-Szene", aber als ich das Drehbuch zu Ende gelesen hatte, habe ich verstanden, dass diese Szene am Anfang wichtig ist. Da sich die Frau später sexuell entfernt, ist es wichtig, den Alltag, der auch die Sexualität mit einbezieht, zu erzählen. Wenn ich Liebesszenen mit Männern drehe, denke ich immer, was ist das bloß für ein Beruf. Man überspielt die unangenehme Situation mit Professionalität und Humor, es sei denn, und bei mir ist es höchstens ein- oder zweimal so gewesen in all den Jahren, dass ich wirklich ein bisschen verknallt war in meinen Partner und den ganz süß fand. Das ist dann natürlich ganz gut, wenn man richtig Lust hat, den zu küssen.

Brigitte.de: Und mit wem war das?

Katja Flint: Das verrate ich nicht.... Was den Dreh von Liebesszenen so schwierig macht, ist nicht die Nacktheit, sondern, dass man sich in einer Situation, in der man sich gehemmt fühlt, innerlich davon frei machen muss. In der Szene mit Natalia war das kein Problem. Ein Vorteil ist auch, dass Frauen keine kratzigen Bärte haben. Selbst wenn Männer rasiert sind, zerkratzen sie einem so das Gesicht, dass ich rot anlaufe, und zwar bis unter die Augen, um die Nase und überall, und dann muss ich eine Stunde warten, bis ich die nächste Szene drehen kann.

Jeanne (Natalia Wörner,l.) und "Puppa" (Katja Flint) kommen nicht voneinander los

Brigitte.de: Können Sie sich denn im wirklichen Leben die Liebesbeziehung zu einer Frau vorstellen?

Katja Flint: Im Moment nicht, weil ich die Veranlagung gar nicht habe oder dieses Bedürfnis nicht spüre, aber ich würde nicht ausschließen, dass so etwas wie in dem Film möglich ist, dass einem plötzlich eine Frau begegnet, die so faszinierend ist und mit der man sich so wohl fühlt, dass eine Beziehung daraus entsteht. Ich hätte jedenfalls keine gesellschaftlich bedingten Hemmungen und würde nicht sagen, das kommt für mich nicht in Frage, was sollen denn die Leute denken oder das kann ich meiner Mutter nicht antun. Nur ist es bei mir einfach so: So toll es ist, mit Frauen zu reden und alles Mögliche zu machen, habe ich nicht das Bedürfnis nach Sexualität mit einer Frau.

Brigitte.de: Puppa war in der Vergangenheit Bein-Model. Sie haben ja selber auch mal als Model gearbeitet...

Katja Flint: Ja, und zwar so ähnlich, oft auch ohne Kopf.

Brigitte.de: Haben Sie denn auch noch Poster zu Hause aus ihrer Modelzeit?

Katja Flint: Natürlich, allerdings nicht aufgehängt. Ich war zum Beispiel das Triumph-Model für Unterhosen. Da gab es eine Anzeige, da hocke ich und zu sehen sind nur Füße, Beine und der Slip. Der Rest von mir ist abgeschnitten. Ich wollte diese Model-Geschichte gern in den Film einbringen, weil ich diesen Stolz so gut nachempfinden kann. Damals kannte mich niemand, und dann war diese Anzeige überall: im Spiegel, im Stern und ganz groß bei Horton im Schaufenster. Das war natürlich toll, als ich das zum ersten Mal gesehen habe, egal, ob mit oder ohne Kopf. Hauptsache, man ist auf einmal etwas Besonderes, wenn man vorher ein Nobody war. Das hat mir auch so an Puppa gefallen, dass sie sich nicht von diesem Plakat trennt und stolz ist auf das, was sie da gemacht hat. Das gibt dieser Figur so einen Charme, so ein Charisma. Insofern bin ich sehr froh, dass wir alle übereingekommen sind, so eine Puppa aus ihr zu machen, die aber trotzdem keine Klischee-Puppa ist. Schließlich zeigt sie ja auch einen Hang zur Selbstironie, wenn sie sagt: "Alle nennen mich Puppa, immer noch besser als Barbie."

Interview: Katharina Wantoch Fotos: ZDF/Thekla Ehling

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