"Man muss zu sich selbst stehen"

Sie haben Josh Bröckers charmante Komödie "Schwer verknallt" verpasst? Am 20. Oktober um 9.30 Uhr gibt's auf Pro 7 nochmal die Gelegenheit zum Gucken oder Aufnehmen. Brigitte.de sprach mit Hauptdarstellerin Katrin Filzen über die Filmheldin Alma, Diäten und "Marienhof".

Bahnhofsansagerin Alma (Katrin Filzen) hat zwar eine wunderschöne Stimme, bringt aber einige Pfunde zu viel auf die Waage. Eines Tages sieht sie auf dem Bahnsteig "Mr. Wonderful", den sie kurz darauf unwissentlich in einem Internet-Chat kennenlernt. Dem Chat folgen schon bald endlose Telefonate. Aus Angst, sie könnte ihren neuen Freund verlieren, beschreibt sich Alma allerdings wie ihre Lieblingsheldin Angel aus den Hongkong-Karate-Filmen - und hat bald darauf ein Riesenproblem. Denn "Mr. Wonderful" möchte sie gerne persönlich kennen lernen...

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Interview mit Katrin Filzen

Katrin Filzen als Alma

Brigitte.de: Was hat Sie an der Rolle der Alma in "Schwer verknallt" gereizt?

Katrin Filzen: Ich fand das Buch sehr süß, diese Geschichte, die ein ganz anderes Ende nimmt, als man zunächst vielleicht erwarten würde. "Schwer verknallt" ist zwar eine Komödie, aber trotzdem ist die Rolle der Alma sehr gefühlvoll, mit vielen Höhen und Tiefen. Dieses emotionale Hin und Her, die Entwicklung, die Alma durchmacht, wie sie ihre Stärke findet und die Kraft, zu dem zu stehen, was sie ist, das hat mich gereizt. In Komödien kommen manchmal platte oder karikierte Charaktere vor, aber das ist bei Alma nicht der Fall: Sie ist eine sehr authentische Figur.

Brigitte.de: Schauspielern ist Ihr Beruf, Singen Ihr Hobby: Haben Sie in dem Film beides kombiniert und selbst gesungen?

Katrin Filzen: Ursprünglich war das so geplant, aber leider hatten wir nicht die Zeit, noch extra ins Studio zu gehen und das aufzunehmen. Deshalb hat eine Sängerin diesen Part übernommen.

Brigitte.de: Haben Sie denn mal überlegt, eine Karriere als Sängerin zu machen?

Katrin Filzen: Nein. Ich singe zwar sehr gerne, habe schon mal in Musicals gesungen und finde Gesang als Interpretationsmittel wahnsinnig stark, aber eine Alternative zum Schauspiel wäre das Singen für mich nicht. Da liegt mir die Schauspielerei einfach viel mehr am Herzen.

Brigitte.de: Das Singen und vor allem Almas Stimme spielen in dem Film eine große Rolle. Wenn sie als Bahnhofsansagerin ihre Stimme erhebt, bleiben alle ganz fasziniert stehen. Werden Sie privat auch auf Ihre schöne Stimme angesprochen?

Katrin Filzen: Das kommt schon vor. Lustigerweise ist das genau passiert, kurz bevor ich angefangen habe zu drehen. Das war eine schöne Bestätigung für mich, denn man selbst hört sich immer ganz anders und kann nicht so gut einschätzen, ob die eigene Stimme wirklich schön klingt.

Brigitte.de: Alma hat große Probleme, weil sie sich zu dick findet. Können Sie nachvollziehen, was Ihre Filmfigur durchmacht?

Katrin Filzen: Ja, teilweise schon. So ziemlich jeder, der übergewichtig ist, macht zumindest als Kind einiges durch, wird zum Beispiel in der Schule gehänselt. Dadurch entsteht Unsicherheit, denn eigentlich möchte jeder gerne so akzeptiert werden, wie er ist. Man braucht eine Weile, um darüber zu stehen und zu sagen: "Es ist mir egal, was Leute sagen, die ich nicht mal kenne und die mich nicht kennen. Einfach so aus einer Äußerlichkeit heraus lasse ich mich nicht beurteilen oder in eine Schublade stecken." Ich verstehe sehr gut, dass Alma denkt, sich verändern zu müssen. Sie glaubt, nicht richtig zu sein, so wie sie ist. Aber es wird immer Leute geben, die, egal wie man ist, etwas an einem auszusetzen haben. Man muss sich davon trennen, so sein zu wollen wie alle anderen, und stattdessen lernen, sich zu mögen und zu sich selbst zu stehen. Sobald das klappt, sind interessanterweise die Reaktionen ganz anders. Dann bietet man den anderen keine Angriffsfläche mehr.

Brigitte.de: Hat Ihnen dabei die Schauspielerei geholfen?

Katrin Filzen: Bestimmt, aber natürlich war da immer die Angst, dass es wegen meiner Figur mit der Schauspielerei nicht klappen könnte. Da war ich sehr erleichtert, als es anders kam. Schauspielerin zu werden, war immer mein Traum und jetzt kriege ich den Beweis dafür, dass ich das machen kann. Und dabei ist mir nicht meine Figur oder was auch immer im Wege, sondern ich bin mir im Weg, wenn ich aus meinem Gewicht ein Problem mache. Ich glaube, das ist ein Lernprozess, der zum Älterwerden dazu gehört. Das hat wenig mit Figur zu tun. Ich kenne kaum jemanden, der nicht irgendein Problem mit sich hat und lernen muss, sich so zu akzeptieren, wie er ist. Es ist eine schöne Sache, irgendwann das Gefühl zu haben: Ja, ich bin okay, ich bin irgendwie anders, aber das ist gut so. Natürlich bekomme ich nicht jede Rolle angeboten, weil man als Typ besetzt wird, aber das finde ich nicht negativ. Hauptsache, man wird ernst genommen.

Brigitte.de: Angefangen hat Ihre Karriere mit dem "Marienhof"...

Katrin Filzen: Ja, da hatte ich Glück mit meiner Rolle. Wenn man Soap macht, wird man schnell in eine Schublade gesteckt, aber ich fiel durch mein Aussehen aus der Rolle und habe dadurch Geschichten bekommen, die meiner Meinung nach viel spannender waren und mehr in die Charakterrolle gingen. Da habe ich gesehen, dass das, was ich für einen Nachteil gehalten habe, plötzlich ein Vorteil war. Ich habe zu der Zeit oft gehört, dass es schwer war, die Rolle zu besetzen, weil es so wenig Schauspieler gibt, die übergewichtig sind, oder Mädchen, die sich trauen, vor die Kamera zu gehen. Das fand ich schade: Da hat man schon mal die Chance, sich zu zeigen und in der Rolle vielleicht auch auf Probleme übergewichtiger Menschen hinzuweisen, und dann will das keiner machen. Für mich war das natürlich trotzdem gut, so habe ich die Rolle im "Marienhof" bekommen.

Brigitte.de: Warum sind Sie Ende 2000 aus der Serie ausgestiegen?

Katrin Filzen: Ich wollte unbedingt auf eine Schauspielschule. In die Serie "Marienhof" bin ich mehr oder weniger reingerutscht. Ich hatte vorher ein bisschen Theater gemacht, aber nie richtig eine Schule besucht. Irgendwann wollte ich einfach wissen, was ich da tue, und nicht weiter aus dem Bauch heraus spielen - auch wenn das nicht schlecht war und dreieinhalb Jahre wunderbar funktioniert hat. Aber mich hat auch Theater interessiert und dafür muss man das Handwerk besser lernen, die Stimme ausbilden. Das hat mich gereizt. Beim "Marienhof" wurde immer sehr schnell gearbeitet, und ich habe mich danach gesehnt, mir mal mehr Zeit zu nehmen.

Brigitte.de: Der Einsatz hat sich gelohnt. Jetzt spielen Sie die Hauptrolle in "Schwer verknallt"...?

Katrin Filzen: Ja, und das Schöne ist, dass die Botschaft dieses Films nicht ist: Ja, Alma muss abnehmen, damit sie glücklich wird. Nein, sie muss eben ihren Weg finden, und dann findet sie ihr Glück. Aber wenn sie die ganze Zeit frustriert hinter etwas herläuft, was sie nicht sein kann, dann kommt sie nie an. Leider funktionieren Geschichten über Pummlige oder Dicke oft so, dass sie als einzigen Ausweg aus ihrer unglücklichen Lage die Diät sehen. Das finde ich ziemlich schwachsinnig.

Brigitte.de: Haben Sie Diäten für sich immer abgelehnt?"

Katrin Filzen: Ich habe das eine oder andere probiert, aber schnell gemerkt, dass ich nicht die Disziplin habe, durchzuhalten. Ich habe Leute kennen gelernt, die sich richtig in solche Diäten "reingefrustet" haben. Die haben vielleicht abgenommen, aber denen ging es danach viel schlechter, weil sie sich einfach so viel verboten haben. Das wäre nicht mein Ding. Natürlich sollte jeder auf seine Gesundheit achten, deshalb mache ich zum Beispiel auch viel Sport.

Brigitte.de: Alma trifft in dem Film ihren Mr. Wonderful. Haben Sie den privat schon getroffen?

Katrin Filzen: Nein, nicht den Richtigen. Auf den warte ich noch, aber vielleicht läuft er mir ja irgendwann am Bahnhof über den Weg.

Interview: Katharina Wantoch Fotos: ProSieben/Willi

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