"Unser Song für Deutschland": Lenas zweiter Eurovision-Anlauf

BRIGITTE-Mitarbeiterin Sophie Lübbert hat sich Montagabend "Unser Song für Deutschland" angeschaut - und sieht schwarz für die Titelverteidigung in Düsseldorf.

Es hätte so schön sein können. Ein Abend der ganz großen Emotionen, an dem nicht nur ein Traum wahr, sondern auch eine drängende "nationale Aufgabe" gelöst wird. So zumindest hatte ProSieben "Unser Song für Deutschland" angekündigt.

Und so war es wirklich: Lena sang sich mal besser, mal schlechter durch die erste Show, nie mit den angekündigten großen Emotionen, aber wenigstens immer hörenswert. Dann aber kam das Ergebnis der Zuschauerabstimmung und damit Lena ans Mikrofon von Moderator Matthias Opdenhövel. Sie wollte unbefangen und locker wirken, machte Witze über alle Anwesenden, schrie "Yeah!" und wirkte auf ungute Art aufgedreht. Das war schade. Besonders für Lena selber. Denn bis zu diesem Moment hatte sie eine ordentliche Show abgeliefert. Mal im bodenlangen Wickelkleid mit 15-cm-Absätzen an den Füßen, mal in schwarzer Jeans und schlichtem weißen Top zeigte sie nicht nur modische, sondern auch musikalische Bandbreite. Vom mainstream-tauglichen Popsong "Maybe" über das experimentelle Lied "Taken by a stranger" bis hin zum von ihr selbst geschriebenen "What happened to me" - die 19-Jährige war auffällig um andere Melodien als das mittlerweile zum Supermarkt-Hintergrund-Gedudel verkommene "Satellite" bemüht.

Die Jury (Stefan Raab, "Silbermond"-Frontfrau Stefanie Kloß und "Unheilig"-Sänger "Der Graf") schaute ihr zufrieden zu. Lena sei erwachsen geworden, waren sich Kloß und der Graf einig. Nach dieser Feststellung fehlte ihnen offenbar die Kraft, noch ein richtiges Urteil über die Lieder zu fällen. Sie fanden grundsätzlich alle "gut" oder "wirklich gut". Stefan Raab lobte weder Lena noch die Lieder, warf aber mehrfach den Satz "Da muss eine Synthese zwischen Sängerin und Lied da sein" in den Raum. Es war egal, was er damit meinte - sobald Lena auf der Bühne war, strahlte der ganze Mann vor Stolz. Auf seine Lieder, seine Lena.

Allerdings scheint selbst ihm klar zu sein, dass die Titelverteidigung schwer wird. In Holland habe mal eine Sängerin versucht, ihren Sieg zu wiederholen. Beim zweiten Versuch landete sie auf dem letzten Platz, erzählte Raab und lachte so laut wie möglich. Klar, seiner Lena soll das nicht passieren. Allerdings muss dafür in der nächsten "Unser Song für Deutschland"-Show mehr kommen: mehr richtig gute Melodien, mehr herausragende Texte. Und bitte, wenn es geht: weniger Lena.

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!