"Unser Star für Oslo": Mit Jeans zum Grand Prix

Gestern Abend machte Stefan Raab den Versuch, den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest wieder zu etwas zu machen, was den Deutschen nicht peinlich sein muss. Zumindest das ist ihm gelungen, findet BRIGITTE-Redakteurin Stefanie Hellge. Diese fünf Kandidaten haben es geschafft. Wie hat Ihnen die Sendung gefallen? Diskutieren Sie mit anderen Userinnen - im Bfriends-TV-Forum.

Während des Vorentscheids für den Grand Prix im vergangenen Jahr kotzte mir meine Tochter auf den Schoß. In diesem Jahr schlief sie während der Sendung ein. Und das fasst ziemlich gut zusammen, welchen Eindruck "Unser Star für Oslo" machte. Aufgebaut ist die Sendung wie eine typische Castingshow – bloß dass die Kandidaten wohl kaum in einer anderen als dieser mitgemacht hätten. Statt der sonst üblichen Mischung aus Prolls und skurilen Freaks, sangen bei Raab überdurchschnittlich viele Akademiker und sogar ausgebildete Musiker. Das war angenehm fürs Ohr. Fürs Auge war es öde.

Bemüht um Understatement traten die meisten Kandidaten in Jeans auf, sogar die etwas überforderte Moderatorin trug ihre alten Hosen. Wo bleibt da der Glamour? Von Starfaktor keine Spur. Die Stars saßen in der Jury und waren die eigentliche Überraschung des Abends. Yvonne Catterfeld ist tatsächlich eine kluge, zurückhaltende und extrem sympathische Frau, wer hätte das gedacht? Und Marius Müller-Westernhagen, der in der Vergangenheit aus purer Arroganz auch schon mal Konzerte mit dem Rücken zum Publikum gesungen hatte, bemühte sich deutlich um Fairness und hilfreiche Kritik. Das kennt man so nicht aus Castingshows.

Baby-Pandas: Pandabär-Drillinge erblicken das Licht der Welt

Und das ist vielleicht ein Problem: Denn junge Zuschauer haben bereits so viele Castingshows von "Supertalent" bis "DSDS" gesehen, in denen Glamour, Boshaftigkeit und Fremdschämen Normalität sind, dass ihnen "Unser Star für Oslo" möglicherweise einfach zu wenig emotionale Aufreger bietet. Vermutlich gewinnt deshalb auch nicht der beste Kandidat, sondern der, der der Gemächlichkeit der Sendung am meisten entgegensetzen kann. Gestern war das die 18-jährige Lena. Keine große Sängerin, aber lustig, originell, süß und ganz anders als alle anderen.

Unser Star für Oslo: Noch mehr Infos zur Sendung und den Kandidaten finden Sie im großen Extra auf stern.de.

Lena Meyer-Landrut Die 18-jährige Abiturientin war die Überraschung und der heimliche Star des Abends. Sie sieht aus wie die kleine Schwester von Nora Tschirner, tanzt wie Josephine Baker und singt wie eine kleine verrückte isländische Fee.

Kerstin Freking Die 21jährige Kunst- und Germanistikstudentin trug ihr blondes Haar im Stil der ukrainischen Premierministerin Tymoschenko um den Kopf geflochten. Ihr Gesang war hübsch, sie selber auch. Ob das reicht?

Meri Voskanian Die Lehramtsstudentin, 22, wurde mal Zweite beim armenischen Vorentscheid für den Grand Prix 2007, sie hat also Erfahrung, und das hört man auch. Ihre Persönlichkeit ist, nun ja: anstrengend. Sie würde auch zu "DSDS" passen.

Cyril Krueger Ach, der Cyril. Sieht gigantisch aus, singt toll, cooler Hengst. Sport studiert er auch noch. Mit Cyril, 21, möchte man gern mal ein Bier trinken gehen, singen dürfte er dabei auch. Der Junge hat Chancen aufs Finale.

Katrin Walters Die ausgebildete Sängerin hatte die beste Stimme des Abends. Leider scheint sie das nicht zu wissen, denn sie wirkte auf der Bühne schüchtern wie eine kleine Bürokraft, die zum ersten Mal auf die Bühne darf. Das muss sie ändern, sonst fliegt sie raus.

Text: Stefanie Hellge Fotos: ProSieben
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!