Allein ins Restaurant? - Nein danke!

Alleine Essen gehen macht keinen Spaß, als Frau schon gar nicht. Was also tun, wenn man beruflich in einer fremden Stadt ist und Hunger hat? Sich im Internet verabreden?

Gute Idee, aber geht das überhaupt, ohne gleichzeitig ungewollte Online-Flirts in Kauf zu nehmen? Brigitte.de-Redakteurin Monika Herbst hat's ausprobiert und im Global-Dinner-Network nach netter Gesellschaft für einen Restaurantbesuch gesucht.

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Wer im GDN nach netten Frauen für ein gemeinsames Abendessen sucht, trifft zum Beispiel auf Claudia, Brigitta, Sabine und Sandra (von links oben nach rechts unten).

Ein dunkler Winterabend in Hamburg, kurz vor 20 Uhr. Es regnet in Strömen, ich habe keinen Schirm dabei. Egal, ich bin ja fast da. Die Hausnummer stimmt, aber wo ist das Restaurant? Ich rufe Sabine an, sie hat den Treffpunkt vorgeschlagen. Sabine und ich kennen uns nicht. Sie hat spontan zugesagt, als ich ihr über das Global-Dinner-Network (GDN) ein Treffen vorgeschlagen habe. Ich fand ihre Profilseite sympathisch. Die Interessen passen: Sport, Kino und Literatur und wir sind gleich alt, beide Mitte 30.

Die Chemikerin Tanja Lindermeier hatte vor zwei Jahren die Idee, das GDN zu gründen. Die heute 38-Jährige hatte keine Lust mehr, abends alleine im Hotel zu sitzen, wenn sie geschäftlich unterwegs war. Sie wollte eine Möglichkeit schaffen, sich über das Internet unkompliziert mit anderen Frauen zu verabreden.

Inzwischen haben sich weltweit über 1000 Frauen im GDN angemeldet, vier von fünf kommen aus Deutschland, die meisten aus Berlin. Verglichen mit großen Netzwerk-Seiten wie dem Marktführer Xing (früher openbc) sind das nicht viele. Bei Xing geht es um berufliche Kontakte allgemein, nicht um angenehme Freizeitgestaltung. Es gibt dort eine Community für Geschäftsfrauen, bei der sich allein über 6000 Teilnehmerinnen angemeldet haben.

Aber nicht nur für Frauen, die beruflich viel unterwegs sind, ist das GDN praktisch. Man kann die Plattform auch nutzen, um in der eigenen Stadt neue Leute kennen zu lernen, oder im Urlaub, wie es die Kommunikationsdesignerin Simone Lücking (39) gemacht hat. Simone gehört zum GDN-Team. Sie war im vergangenen Jahr auf Mallorca. Dort hat sie sich mit einer Deutschen getroffen, die seit ein paar Jahren auf der Insel lebt. "Ich war neugierig und wollte wissen, wie die Frau dahin gekommen ist". Simone hat von der Verabredung Tipps für die Inselerkundung mitgebracht, und sie konnte ihre Neugier stillen. Der Job des Mannes hatte die Frau nach Mallorca geführt - er stattet Yachten mit Elektronik aus.

Es macht Spaß, in den Profilen im GDN zu stöbern. Es gibt Mitglieder in Rom, Kapstadt, Toronto, darunter Anwältinnen, Architektinnen, Headhunterinnen, Künsterinnen und Stewardessen. Ich habe immer etwas neidisch meine Single-Freunde beäugt, die mir von ihren Online-Dates und den spannenden Menschen erzählt haben, die sie dabei kennen gelernt haben. Endlich kann ich auch spannende Leute kennen lernen, ohne das vor meinem Mann geheim halten zu müssen...

"So ein Treffen ist wie ein Blind Date", sagt Simone nach ihrer Erfahrung auf Mallorca. Klar sei sie vorher nervös gewesen.

Online-Redakteurin Monika Herbst (links) bei ihrer ersten Verabredung mit Sabine.

Oh ja, nervös war ich auch, an diesem Winterabend in Hamburg, an dem ich vergeblich nach dem Restaurant suchte. Nach einem Anruf bei Sabine, meiner Verabredung, stellte sich heraus, dass auf der Homepage des Restaurants offensichtlich die falsche Adresse angegeben war - ich musste noch etwa 100 Hausnummern weiter. Während ich zum Treffpunkt ging, machte ich mir Gedanken. Ihre Stimme klingt sympathisch, aber was, wenn wir uns nur peinlich anschweigen? Angestrengt überlege ich, was meine im Online-Dating erfahrenen Single-Freunde gesagt haben, wie man unangenehme Verabredungen geschickt beendet. Ich kann mich an nichts erinnern.

Zumindest weiß ich, dass hinter dem Nickname wirklich eine Frau steckt. Auf der GDN-Seite wird empfohlen, vor dem Treffen einmal zu telefonieren - damit sich nicht doch heimlich ein Mann einschleicht. Aber keines der Mitglieder, mit denen ich gesprochen habe, hat bislang schlechte Erfahrungen bei einem Treffen gemacht.

Schwieriger scheint es dagegen, überhaupt eine Verabredung zu treffen, wie das Gespräch mit Brigitta (45), zeigt. Die Münchnerin arbeitete bei einer Unternehmensberatung, musste zum Teil mehrmals pro Woche zu Besprechungen nach Frankfurt, Köln, Wien oder Zürich reisen. Als sie vom GDN hörte, meldete sie sich sofort an. Sie war begeistert von der Idee. Doch in der Praxis hat es sich für sie nicht bewährt. Der Grund: "Ich habe meist erst ein paar Tage vorher von meinen Einsätzen erfahren. So kurzfristig war eine Verabredung nicht möglich".

Manchmal sind es auch einfach dumme Zufälle, die ein Treffen kurzfristig platzen lassen. Wie bei Sandra (31), einer Marketingmanagerin aus Hamburg. Eine Frau aus Bielefeld meldete sich bei ihr, die wegen einer Schiffsmaschinenbaumesse ein paar Tage in Hamburg war. Es gab ein paar nette E-Mails und Telefonate zwischen den beiden, der Tisch für das gemeinsame Essen war bereits reserviert, da wurde Sandra krank und musste kurzfristig absagen.

Wenn man über das GDN Kontakte finden will, muss man hartnäckig sein - und selbst aktiv werden. Ich habe in den bisherigen drei Monaten Mitgliedschaft keine Anfrage bekommen, vielen Mitgliedern ging es ähnlich. Noch ist das Netzwerk eben sehr klein.

Das hat aber auch Vorteile: Schreibt man selbst die Mitglieder an, kommt meist eine positive Resonanz, da niemand von Anfragen überhäuft wird. Wie bei Paula (33, Name geändert), die bei Lufthansa-Technik in Hamburg arbeitet und einem Treffen sofort zustimmte. Als ihr Foto in meinem Postfach landet, werde ich skeptisch. Sie wirkt zickig auf dem Bild, oder bilde ich mir das nur ein? Ob das wirklich so eine gute Idee war mit der Verabredung? An besagtem Abend gehe ich missmutig aus dem Büro. Ich habe keine Lust, wegzugehen. Es ist kurz vor 20 Uhr. Ich suche mir einen Platz in dem verabredeten Lokal und bin überzeugt, dass Paula mich entweder versetzen wird oder dass wir sofort anfangen werden zu streiten. Komisch, dabei hatte ich mich eigentlich auf spannende Gespräche mit fremden Menschen gefreut.

GDN-Gründerin Tanja Lindermeier (38).

Für abendliche Treffen dürfte GDN-Gründerin Tanja Lindermeier in der Anfangszeit des Netzwerks nicht viel Zeit gehabt haben. Sie hat neben ihrem Job als Entwicklerin für kosmetische Produkte einen Großteil ihrer Freizeit in das Portal gesteckt. Mittlerweile bekommt sie tatkräftige Unterstützung, unter anderem von einer Webdesignerin und einer Marketing-Expertin. Ihr Team arbeitet größtenteils ohne Bezahlung. Tanja Lindermeier hofft, dass sich das Portal irgendwann selbst finanziert. Die Mitgliedschaft im GDN ist kostenlos, nur Nutzer des Business-Networks, die auch Fotos hochladen und berufliche Infos geben können, zahlen eine monatliche Gebühr von fünf Euro.

Mir gefällt am Global-Dinner-Network die Idee dahinter. Sie hilft, ein konkretes Alltagsproblem zu lösen, nämlich in einer fremden Stadt abends alleine zu sein. Wenn sich dabei berufliche Kontakte oder Freundschaften ergeben, umso besser. Wenn nicht, bleibt ein interessanter, geselliger Abend.

Übrigens auch bei meinen Treffen mit Sabine und Paula. Als ich endlich das Restaurant gefunden habe, in dem ich mit Sabine verabredet war, war ich tropfnass vom Regen - und heilfroh, dass ich in diesem Zustand kein Date mit einem Mann hatte. Mit Sabine konnte ich darüber lachen. Und Paula? Sie hat mich nicht versetzt, war alles andere als zickig und wir haben uns bestens unterhalten.

Text: Monika Herbst Fotos: Michèle Rothenberg (2), privat (4), clipart (1) Collage: Yvonne Paulus

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Monika Herbst
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