Steve Jobs ist gestorben: Ein Abschiedsbrief

Das Ende einer Ära: In der Nacht zum 6. Oktober ist Apple-Gründer Steve Jobs im Alter von 56 Jahren gestorben. Eine Nachricht, die nicht nur Computerfreaks traurig macht - BRIGITTE-Redakteurin Sinja Schütte hat einen persönlichen Abschiedsbrief geschrieben.

Dear Steve,

ich wusste es ja: Du bist sehr krank. Aber ich wollte es nicht wahr haben. Jetzt bist Du tot. Heute Morgen, als der Radiowecker mir die Nachricht überbrachte, da war sie da: die Leere. Eine Welt ohne Dich ist wie ein Anruf ohne iPhone, Musik ohne iPod - ein Leben ohne Äpfel.

Wir lernten uns vor ziemlich genau 22 Jahren kennen - Du warst schon aus der Garage ausgezogen und ich im Begriff einzuziehen: in meine Studentenbude. Lochkarten und Endlospapier waren nicht ganz vom Markt, um Computer zu nutzen musste man noch Programmierbefehle beherrschen, und ich brauchte was zum Hausarbeiten schreiben. So ein uncooler Riesen-PC, für dessen Gebrauch man einen Computer-Nerd kennen musste, kam nicht in Frage. Du hattest die Lösung: klein, kompakt und so trendy. Gefühlt hatten alle hippen Menschen - und ich - diesen kleinen Classic Apple. So groß wie ein Schuhkarton, der Bildschirm hatte gerade mal Foto-Dimensionen, geschätzt 13x18 cm. Natürlich schwarz-weiß, aber ohne PC-Befehle zu bedienen. Und einen kleinen Mülleimer gab's auch schon: drag and drop - welch ein Luxus! Gemeinsam verfassten wir gute und schlechte Zeilen. Glücklich waren wir immer. Und als seine Stunde geschlagen hatte und die nächste Generation von Apple-Computer auf meinen Schreibtisch sollte, konnte ich mich nicht trennen. Bis heute steht er auf dem Speicher meiner Eltern - und einer seiner großen Brüder im Museum of Modern Art, New York.

Was soll ich sagen? Es folgten viele Jahre der tiefen Freundschaft, des bedingungslosen Vertrauens und des Gefühls, zur In-Crowd zu gehören, den revolutionären Underdogs: Alle kauften PCs und Laptops, die günstiger und günstiger wurden und immer gigantischere Speicherkarten bekamen. Ich kaufte teuer, aber glücklich mein Stückchen Design und versuchte mit mehr oder weniger Erfolg Dokumente zwischen den Welten auszutauschen. Ja, ich verzichtete auf vieles: Spiele, günstige (weil kopierte) Software, bezahlbare Modems. Aber ich bekam auch viel zurück: Lebensfreude - nie, einfach gar nie hatte ich einen Virus auf dem Rechner.

Dankbar blieb ich Dir und Deinen Produkten deshalb treu: Mit dem iMac hast Du Farbe in mein Leben gebracht, der erste iPod erweiterte meinen Musikgeschmack - endlich konnte ich mehr als die sechs CDs aus meinem CD-Wechsler im Auto hören.

Und dann das iPhone: Freiheit im Handschmeichlerformat. Auf Deinen legendären Pressekonferenzen zu Produktneuheiten hast Du mich abhängig gemacht: Niemand wird jemals so liebevoll über Speicherkapazitäten, Tastaturen und Bildschirme reden wie Du, so ergreifend Telefone und Herzenswünschen in einem Satz verbinden, so überzeugend seine Visionen und Ideen zum Leben erwecken. Und niemand wird je so verstörend mager und gleichzeitig entwaffnend unprätenziös in Jeans und Hemd aussehen.

Gut, ich muss zugeben, spätestens seit dem iPod war unsere Freundschaft nicht mehr ganz so exklusiv. Und seit dem iPhone haben wir auch so manche Meinungsverschiedenheit. Du bist ein bisschen kontrollsüchtig geworden, willst mehr von mir, als ich bereit bin zu geben. Und ein bisschen zickig sind Deine neuesten Produkte auch: anfällig, sensibel und manchmal schwierig zu erreichen.

Aber Schwamm drüber - ohne sie wollte ich nicht leben. Das iPad steht schon auf meiner Weihnachtswunschliste und auch das iPhone 4s wird wohl bald zu mir gehören. Ohne Dich muss ich jetzt leben. Du wirst mir fehlen!

Farewell Steve!

Deine Sinja

Text: Sinja Schütte Fotos: JOSIE LEPE/dpa, Terry Schmitt/dpa, Monica M.Davey/dpa, dpa.
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