BRIGITTE.de-Knigge: Ganz entspannt ins Wellness-Hotel

Vom Trinkgeld bis zum Saunabesuch - Hotels und Spas stecken voller Stilfallen. Tipps für Ihren nächsten Trip.

Mit den Tipps von Judith Fuchs-Eckhoff vom "Vier Jahreszeiten" in Hamburg, Daniela Ragge vom "Savoy" in Köln und Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband e.V. meistern Sie Ihren nächsten Wellness-Trip souverän.

"Hach, erstmal ein heißes Bad. Nur wohin mit dem benutzten Handtuch? Einfach auf den Boden werfen? Das kommt mir nun doch sehr unverschämt vor ..."

Keine Sorge Handtücher auf den Badezimmerboden zu legen, ist in Hotels durchaus üblich. Allerdings sollten Sie sich überlegen, ob Sie wirklich jeden Tag eine frische Garnitur benötigen, schon der Umwelt zuliebe. Falls Sie das Handtuch erneut benutzen wollen, hängen Sie es einfach über den Handtuchhalter.

"Ich habe die Zeit total vergessen. Noch fünf Minuten gibt es im Speisesaal was zu essen, jetzt aber los ..."

In Hotels der gehobenen Kategorie können Sie auch noch eine Minute vor dem Ende der Essenszeit ein 4-Gänge-Menü bestellen. In Ressorthotels sollte man das besser nicht versuchen. Hier nimmt das Personal auf Nachzügler selten Rücksicht und räumt das Buffet pünktlich ab. Deshalb sollten Sie spätestens 15 bis 20 Minuten vor Ende der offiziellen Essenszeit eintreffen.

"Ich kann mir soviel Essen auf meinen Teller laden, wie ich will. Schließlich hab ich dafür bezahlt."

In keinem Hotel wird man Sie auf den Berg an Speisen auf Ihrem Teller ansprechen. Aber allzu ungehemmte Gier ist kein guter Stil. Faustregel: Man sollte den Tellerrand nach dem Gang zum Buffet-Tisch noch erkennen können. Lieber holen Sie sich später noch einen Nachschlag. Dann aber mit einem frischem Teller, denn keiner der anderen Gäste will sehen, was Sie vorher schon gegessen haben.

"Ich lasse meine Kinder überall spielen. Schließlich kann ich von einem guten Hotel Kinderfreundlichkeit erwarten."

Klar, Kinderfreundlichkeit ist wichtig, da wird Ihnen jedes Hotel recht geben. Aber Rumtollen im Speisesaal ist ein echtes No-Go, schließlich sind Sie nicht die einzigen, die das Essen in Ruhe genießen wollen. Um unruhige Kinder vom langweiligen Stillsitzen abzulenken, sollten Sie sie beschäftigen. Bringen Sie zum Beispiel ein Malbuch mit in den Speisesaal.

"Die besten Plätze am Pool sind immer so schnell belegt. Vielleicht sollte ich meinen Liegestuhl schon im Morgengrauen mit einem Handtuch ..."

"Das ist eine typisch deutsche Unart", so Judith Fuchs-Eckhoff vom "Vier Jahreszeiten" in Hamburg. Liegestühle mit Handtüchern "reservieren" wird in keinem Hotel gerne gesehen. Wenn Sie einen guten Platz am Pool haben wollen, müssen Sie eben früher kommen.

"Jetzt hätte ich richtig Lust auf eine Pizza."

Eigentlich gibt es kein Verbot, sich eine Kleinigkeit zu Essen mit auf das eigene Zimmer zu nehmen. Auch eine Pizza ist in Ordnung, aber auf einen Bringdienst sollten Sie verzichten.

"Was macht der Spinner im Nebenzimmer nur so laut? Mich hält keiner ungestraft vom Schlafen ab! Dem zeige ich jetzt mal wo's lang geht ..."

Atmen Sie erst mal ruhig durch. Es bringt nichts, gegen die Türe des Nachbarn zu hämmern und ihn wild zu beschimpfen. Melden Sie den Störenfried lieber der Rezeption. Das Hotelpersonal kümmert sich dann darum.

"Das nennen die Service?!?"

80 Prozent der Gäste schlucken ihren Ärger über schlechten Service herunter. Doch konstruktive Kritik ist wichtig, nur so kann das Hotel seinen Service verbessern. In vielen Häusern liegen anonyme Kommentarkarten auf den Zimmern aus. Doch das Beste ist, wenn Sie persönlich mit dem Personal sprechen. Vielleicht liegt ja auch nur ein Missverständnis vor - da wäre es doch wirklich dumm, sich damit den Urlaub zu vermiesen.

"Wie aufgeräumt muss ich mein Zimmer für das Zimmermädchen hinterlassen? Schließlich will ich mir ja nichts nachsagen lassen."

Persönliche Dinge sollten Sie entweder im Schrank verstauen oder zumindest auf die Tische und Stühle legen. Prinzipiell gilt: Alles, was das Zimmermädchen möglichst nicht sehen oder berühren soll, muss weggepackt sein. Am besten verlassen Sie Ihr Zimmer so, wie Sie Ihre Wohnung zuhause verlassen würden, bevor eine Putzhilfe vorbei kommt.

"Uups, ich hab vergessen das "Bitte nicht stören"-Schild an die Tür zu hängen, und jetzt hat uns das Zimmermädchen erwischt. Wie peinlich!"

Wenn es ein gutes Zimmermädchen ist, verschwindet es schneller wieder, als es überhaupt aufgetaucht ist. Ansonsten hilft in einer solchen Situation nur: Blöße bedecken und lächeln!

"Diese verflixte Sache mit dem Trinkgeld: Ich will nicht geizig wirken, habe es aber auch nicht mit Millionen zu tun!"

Trinkgeld sollten Sie als Anerkennung für den Service des Hotels betrachten und deshalb von der Länge Ihres Aufenthaltes abhängig machen. Belohnen Sie diejenigen besonders, mit denen Sie auch am meisten zu tun hatten, also zum Beispiel das Zimmermädchen oder den Concierge, der Ihnen Karten für eine eigentlich schon ausverkaufte Vorstellung besorgt hat. Sie können sich beim Trinkgeld an fünf bis zehn Prozent der Gesamtkosten für Ihren Aufenthalt orientieren.

"Bademantel, Badeschuhe und sonst nichts - ist das wirklich angemessen im Wellness-Bereich meines Hotels?"

Machen Sie sich keine Gedanken, Sie sind mit Bademantel und Badeschuhen wirklich passend gekleidet. Der Therapeut vor Ort deckt dann die Stellen am Körper mit frischen Handtüchern ab, die nicht behandelt werden.

"Aber quer durch das Hotel im Bademantel zur Sauna latschen - das geht wahrscheinlich nicht, oder?"

Wenn Sie sich auf dem direkten Weg in den Wellness-Bereich Ihres Hotels befinden, ist ein Bademantel vollkommen in Ordnung. In einigen Hotels sind die Aufzüge sogar so programmiert, dass Gäste, welche die Spa-Ebene gedrückt haben, direkt und ohne Zwischenstopp dorthin gefahren werden. Sie können natürlich auch in Ihrer normalen Kleidung in den Wellnessbereich gehen und sich erst dort umziehen.

"Mich vor einer fremden Person nackt ausziehen? Das kommt für mich gar nicht in Frage."

Das müssen Sie auch gar nicht. Sie können entweder Ihren Badeanzug oder Ihren Bikini anbehalten oder Sie nutzen einen der ausliegenden Einweg-Slips. Diese Hilfsmittel sollten Sie sogar benutzen, wenn Sie sich nackt unwohl fühlen. So können Sie die Wellness-Behandlung wenigstens ohne Sorgen genießen.

"Mist, ich komme zu spät. Hoffentlich wartet die Masseurin auf mich."

Darauf können Sie nicht vertrauen. Viele Hotels rechnen zwar einen Zeitpuffer mit ein, aber das ist auf keinen Fall ein Freibrief zum Zuspätkommen. In der Regel wird Ihre Behandlungszeit entsprechend verkürzt und endet zum vorhergesehenen Termin. Manchmal haben Sie jedoch Glück und Sie bekommen die volle Behandlung. Das hängt jedoch von der Auslastung und vom Zeitplan der Therapeuten ab.

"Ich muss immer und überall erreichbar sein."

Wenn Sie sich schon eine Wellness-Behandlung gönnen, dann sollten Sie auch mal abschalten können, zumindest aber Ihr Handy. Mobiltelefone haben im Wellness-Bereich Ihres Hotels nichts zu suchen.

"Die liebe Sucht. Ich kann einfach nichts dran ändern. Ich brauche meine Zigaretten."

Es herrscht in nahezu allen Wellness- und Spa-Bereichen ein absolutes Rauchverbot. Oftmals gibt es im Außenbereich die Möglichkeit, den blauen Dunst zu inhalieren. Aber gerne gesehen wird es nicht. Auch außerhalb der Wellnesszone sollten Sie sich an die Anweisungen des Hotelpersonals halten.

"Ich hab doch noch ein bisschen Zeit. Mal schauen, ob die Wellness-Experten genauso spontan sind, wie ich."

In Luxushotels ist eine gewisse Spontaneität in Ordnung. Zwei Stunden sollten Sie dem Personal aber dennoch Zeit geben, sich vorzubereiten. Es gibt aber auch andere Einrichtungen, in denen die Behandlungstermine schon Wochen im Voraus ausgebucht sind. Hier führt Spontaneität eher zu Enttäuschung.

Text: Julia Abb Foto: Kristiane Vey/jumpfoto
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