BRIGITTE.de-Knigge: Kinder zu Besuch

Zerstörte Vasen, Schokoflecken auf dem Designersofa, heulende Kinder, genervte Erwachsene - wenn Freunde ihren Nachwuchs zu Besuch mitbringen, kann das in Stress ausarten. Kann ich mich auf den Besuch vorbereiten? Und wie reagiere ich, wenn die Eltern ihre tobenden Kinder nicht selbst zurechtweisen?

Nils-Günter Schultze, Diplom-Psychologe, Psycho-Therapeut und zweiter Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, rät folgendes:

Das A und O ist die Vorbereitung. Kleine Kinder haben ein hohes Maß an Energie. Wenn Sie selbst Kinder haben, sollten Sie dafür sorgen, dass sie ihren Bewegungsdrang vorher abbauen, zum Beispiel auf dem Spielplatz. Fragen Sie die Kinder auch nach ihren Wünschen und sprechen Sie den Tagesablauf mit ihnen ab. Machen Sie sich einen genauen Zeit-Plan, bevor die Gäste zu Hause eintreffen. Kleine Kinder sind schnell überfordert, wenn sie lange Zeit still am Tisch sitzen müssen. Überlegen Sie sich also, wie man sie beschäftigen könnte. Ideal wären zum Beispiel ein Kindertisch oder ein Raum, in den sich die Kinder zurückziehen könnten. Laden Sie nicht zu viele Kinder ein. Wenn Sie niemanden haben, der sich um die Kinder kümmert, einen Babysitter oder ein älteres Geschwister zum Beispiel, sollten es nicht mehr als fünf sein. Die Kinder sind sonst leicht überfordert. Überlegen Sie sich ein geeignetes Unterhaltungsprogramm. Stellen Sie je nach Alter Spielkisten, Malsachen, Bilderbücher, Brettspiele oder vielleicht sogar ein Kindervideo bereit. Da Bewegungsspiele leicht zum Toben verleiten, sollte wenigstens am Anfang ein Spielleiter anwesend sein. Haben Sie immer alles gut im Blick. So mancher Streit lässt sich vermeiden, wenn man frühzeitig eingreift und vermittelt. Wenn die Kinder trotz Ihrer Vorbereitungen unruhig werden, sollten Sie ihnen genaue Anweisungen geben und ihnen ein Programm vorsetzen. Zum Beispiel: "So, jetzt gibt es etwas in der Küche zu essen!" Dabei sind Haltepunkte wichtig: "Ihr esst jetzt gemeinsam Pommes, und gleich kommt Ursula und schaut nach euch. Und dann kommt Peter und zeigt euch ein tolles Spiel." Achten Sie auf den richtigen Ton, wenn Sie die Kinder zurechtweisen müssen. Nehmen Sie sich das Kind vor, das am meisten Einfluss hat und erklären Sie ihm was es tun soll. Zum Beispiel: "Jetzt setz dich bitte richtig an den Tisch!" Seien Sie dabei ruhig, ernst und stellen Sie einen engen Kontakt zum Kind her, etwa indem Sie ihm direkt in die Augen schauen. Reagieren die Eltern nicht, während ihre Kinder im Nebenzimmer wüten, sollten Sie selbst die Kinder ansprechen. Erläutern Sie aber vorher den Eltern, was Sie vorhaben. Sagen Sie zum Beispiel: "Ich muss aufpassen, dass nichts kaputt geht. Ich sage den Kindern jetzt, dass sie draußen im Garten spielen können." So holen Sie sich die stillschweigende Erlaubnis der Eltern. Sind Sie mit den Gästen eng befreundet, können Sie die Kinder auch ohne Vorwarnung ansprechen.

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