BRIGITTE.de-Knigge: Stiltipps für den Bar-Besuch

Grundsätzlich gilt für die Getränkebestellung in einem guten Restaurant oder einer guten Bar: Sie können jeden Extra-Wunsch äußern, und jedes Getränk reklamieren. Natürlich gibt's dafür Regeln und Ausnahmen. Außerdem: Wie Sie die Aufmerksamkeit des Barpersonals wecken - und was Sie dabei lieber lassen sollten.

Unser Experte Jörn Goldschmidt ist Bar-Manager im Hamburger SIDE-Hotel. Das Fünf-Sterne-Designhotel liegt in der Hamburger City.

Cocktails

Darf's etwas mehr Zucker sein oder etwas weniger Fruchtsaft? Der Kunde ist König und darf sich seinen Wunsch-Cocktail so modifizieren lassen, wie er möchte - auch wenn er in einer erstklassigen Bar bedient wird, wo perfekte Cocktails gemischt werden. Ausnahmen: Einen Cocktail mit viel Alkohol, zum Beispiel einen Mai Tai, in einer alkoholfreien Variante zu ordern. Außerdem werden Cocktailpreise auch auf Basis der Kosten für die Zutaten kalkuliert. Wenn Sie eine deutlich teurere Spirituose für das gewünschte Mixgetränk verlangen als vorgesehen, müssen Sie damit rechnen, dass man einen Aufpreis verlangt.

Möglich, aber ungern gesehen: Einen Cocktail ganz ohne Eis zu bestellen. Sie können einen Cocktail zurückgehen lassen, wenn er Ihnen nicht schmeckt - möglichst aber nach den ersten ein, zwei Schlucken. Jörn Goldschmidts Rat: "Wenn Sie nicht genau wissen, was Ihnen schmeckt, lassen Sie sich vor der Bestellung vom Barpersonal beraten." Das weiß am besten, welcher Cocktail fruchtig, eher süß oder besonders erfrischend ist. Übrigens: Die Deko ist zum Essen gedacht. Reste wie Holzsticks und Ananasschalen werden auf die beigefügte Serviette und nicht in den nächsten Aschenbecher gelegt.

Wein

Hier gibt's einen grundsätzlichen Unterschied zwischen offen ausgeschenkten Weinen, und Weinen, die Sie nur als Flasche bestellen können. In einem guten Restaurant können Sie einen offenen Wein zurückgehen lassen, wenn er Ihnen nicht zusagt - auch dann, wenn der Wein einwandfrei und richtig temperiert serviert wurde. "Um sicherzugehen, dass Ihnen der Wein schmeckt, ordern Sie vorher einen Probeschluck", rät Jörn Goldschmidt. Bei Flaschenweinen sind Reklamationen in der Regel nicht möglich. Daher ist es hier besonders sinnvoll, sich vorher beraten zu lassen, am besten vom Barmanager oder Oberkellner. Schließlich kennen die ihre Weine am besten, und können gut beurteilen, mit welchem Tropfen das Lamm oder die Entenbrust am besten harmoniert.

Sie möchten nicht so viel ausgeben? Informieren Sie den Kellner ruhig über Ihre Preisvorstellung. Am günstigsten sind üblicherweise offene Weine, allerdings ist die Auswahl nicht groß. Wenn Sie nur einen kleinen Schluck Wein zum Essen möchten, erkundigen Sie sich einfach, ob Sie ein Glas mit 0,1 Liter bestellen können - oft ist das möglich.

Kaltgetränke

Cola, Limo, Bier, Sekt: Alles, was kalt ist und prickelt, sollte auch so serviert werden. Cola ohne Kohlensäure oder abgestandenes Bier können Sie problemlos reklamieren. Um sicherzugehen, dass Sie nicht das erste gezapfte Bier des Abends bekommen, fragen Sie an der Bar, welches Bier schon gelaufen ist. So vermeiden Sie, den abgestandenen Rest im Hahn vom Vorabend zu bekommen. Das Risiko ist allerdings gering: Üblicherweise wird dieser Rest, der so genannte Nachtwächter, zu Beginn des Ausschanks abgezapft und weggekippt.

Wenn Sie Ihre Cola besonders kalt oder lieber zimmerwarm möchten, geben Sie bei der Bestellung Bescheid - solche Wünsche zu erfüllen, gehört zu den Aufgaben des Personals. Sollte etwas mit Ihrer Bestellung nicht in Ordnung sein, fragen Sie sofort höflich nach. Apfelsaft, der vergoren schmeckt, gehört nicht in Ihren Bauch, sondern in den Ausguss.

Heißgetränke

Mit lauwarmem Kaffee brauchen Sie sich nicht zufrieden zu geben. Ein Trick, um gleich bei der Bestellung klar zu machen, dass Ihnen die richtige Temperatur besonders wichtig ist: "Bitten Sie bei der Bestellung darum, dass die Tasse vorher heiß ausgespült wird", meint Jörn Goldschmidt.

Leitungswasser

Sie können nur Leitungswasser zu einem Essen bestellen - das wird allerdings nicht gern gesehen. Wenn Ihnen das unangenehm ist, können Sie sich mit einem großzügigeren Trinkgeld bedanken. In einer Bar ist der Wunsch nach einem Glas Wasser zum Cocktail oder Espresso okay, als einzigem Getränk jedoch deplatziert. Man wird Sie wohl bitten zu gehen - es sei denn, Sie haben einen besonderen Grund, zum Beispiel einen Schwächeanfall.

"Herr Ober, noch ein Bier bitte!" Wie Sie sich am besten bemerkbar machen

Der Durst ist groß, der Andrang an der Bar auch - das verführt viele Gäste dazu, sich auf besondere Weise die Aufmerksamkeit des Personals zu verschaffen. "Pfeifen, 'Hallo' rufen, mit dem leeren Getränk oder gar einem Geldschein winken - damit machen Sie sich bei Barkeepern sehr unbeliebt", berichtet Jörn Goldschmidt. Übrigens: "Herr Ober" zu rufen, ist nicht mehr zeitgemäß. Gelingt es Ihnen nicht, Augenkontakt zum Personal herzustellen, heben Sie die Hand, und sagen Sie "Entschuldigung!" Auch wenn's ein bisschen länger gedauert hat: Ein "Bitte" und ein "Danke" für die Bedienung sollten Sie stets parat haben.

Text/ Foto: wp
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