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Deutschland sucht den Oberlehrer


Sie wissen, wie man Kinder richtig erzieht, was politisch korrekt und moralisch verwerflich ist. Und sie sagen es in jede Kamera: prominente Besserwisser. Wer ist der nervigste Oberlehrer? Stimmen Sie ab!

Jetzt ist es amtlich: Wenn Schüler ihren Lehrern anonym Zensuren geben, dann ist das nur gerecht - das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe so entschieden und die Klage einer Lehrerin gegen das Bewertungsportal Spickmich.de abgewiesen. Wer andere belehren will, muss auch aushalten, dass er dafür kritisiert wird. Oder gelobt. Hier sind zehn Prominente, die es sich nicht nehmen lassen, öffentlich das Volk zu unterrichten - in den Nachrichten, Quiz-Sendungen und Talkshows. Auch wenn sie manchmal Recht haben, kann das ganz schön nervig sein. Die Lehrerin, die wegen ihrer schlechten Zensuren gegen Spickmich.de klagte, hat ihren Unterrichtsstil inzwischen überarbeitet - und bekommt plötzlich bessere Noten...

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Michael Winterhoff, 55

Für seine einseitigen Thesen über die Notwendigkeit bei der Kindererziehung wieder auf Gehorsam und das "Einschleifen von Grundfunktionen" zu bestehen, gehört dem Kinderarzt und Jugendpsychiater der Hintern versohlt.

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Veronica Ferres, 45

Über jede Dekade der Geschichte unserer Bundesrepublik gibt es einen Film, in dem uns die üppige Schauspielerin in der Hauptrolle belehrt, wie heldenhaft die deutsche Frau jede noch so kritische Krise wuppt. Und weil sie "zwischen Leben und Schauspiel keine absoluten Grenzen ziehen kann", ist sie diese Heldin natürlich in echt.

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Jürgen Trittin, 55

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen wirkt immer, als wäre er 2,20 Meter groß. Ist er aber nicht. Das liegt nur daran, dass er alle von oben herab behandelt, weil er sich selbst ganz gut findet: "Wir Grünen haben uns bewusst dafür entschieden, einen Wahlkampf mit unseren Rezepten gegen die Krise zu führen. Dass ich ein bisschen Erfahrung in der Industriepolitik wie auf globaler Bühne mitbringe, muss ich ja nicht verschweigen."

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Ursula von der Leyen, 47

Als Ärztin, engagierte Politikerin und Mutter von etwa 37 Kindern macht uns die Familienministerin jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn wir wieder mal nicht alles so gut unter einen Hut bekommen haben. Böse kann man ihr deswegen natürlich nicht sein, und mögen mögen wir sie ja auch irgendwie - und jetzt packen wir ausgerechnet sie, die so nett ist auf diese Liste - schon wieder schlechtes Gewissen. Ach, Ursula...

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Marcel Reich-Ranicki, 90

Natürlich hat er Recht mit seiner Schelte gegen das deutsche Fernsehen. Und Hut ab für die medienwirksame Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises. Aber dass der Oberlangweiler Thomas Mann der größte Schriftsteller aller Zeiten sein soll, kriegen wir einfach nicht in unsere Köpfe rein.

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Heidi Klum, 37

Mit 56 Kilo verteilt auf sehr ansehnliche 1,73 Meter fand Modelmutti Heidi die ehemalige Miss Hessen zu dick für ihre Mobbing-Show "Germany's Next Topmodel". Vielleicht war Margarita auf Heidis Rat hin einfach nur zu oft bei Mc Donald's, um sich dort gesund und kalorienarm zu ernähren.

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Ranga Yogeshwar, 51

Dienstags vor der Tagesschau und morgens im Radio erklärt uns der Wissenschafts-Journalist ein bisschen die Welt - immer interessant, immer gut verständlich, immer nett. So soll ein Lehrer doch sein, oder? Bei dem Christoph und dem Armin von der "Sendung mit der Maus" fühlen wir uns als Erwachsene aber trotzdem ernst genommener.

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Charlotte Roche, 32

Ja, wir lieben sie. Schon immer. Und nein, wir sind nicht prüde. Waren wir noch nie. Aber um das zu beweisen, muss man ja nicht gleich detailliert an all ihren Feuchtgebieten interessiert sein und ihr Roman-Debüt in den Himmel loben, wie ihr Lieblingsschüler Roger Willemsen auf dem Klappentext.

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Jürgen Klinsmann, 45

Mit Ehrgeiz, unbändigem Willen und ein paar Buddha-Figuren müsste es doch ganz einfach sein, deutscher Meister, Pokalsieger und Champion's-League-Champion zu werden, dachte sich das strebsame Strahlemännle. Ganz wichtig ist natürlich auch die rituell packende Ansprache vor dem Anpfiff. Nein Jürgen, wir gehen da jetzt nicht raus und reißen uns den Arsch auf!, dachten sich die Bayern - und deshalb ist jetzt Wolfsburg Meister. Danke, Jürgen!

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Eva Herman, 51

"Wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde." Blöde Hippies! Dabei könnte es so schön sein: Vatti geht arbeiten, Mutti bereitet ihm und den lieben Kleinen ein behagliches Heim - Friede, Freude, Eierkuchen. Diese fortschrittliche Idee fanden Evas Chefs, natürlich Männer, unheimlich überzeugend - und feuerten die ehemalige Miss Tagesschau.

Text: Jan Gritz

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