Dos und Don'ts beim Baby-Besuch

Kurz nach der Geburt gelten für Mutter und Kind besondere Spielregeln. Hier die wichtigsten Tipps.

Hurra, das Baby ist da! Klar wollen auch Verwandte und Freunde den Nachwuchs so schnell wie möglich sehen und bewundern und herzen und küssen... Doch Vorsicht! Es gibteinige Dinge, auf die ihr achten solltet.

Unsere Expertinnen: Birgit Gebauer-Sesterhenn, Mutter von drei Kindern und Autorin des Ratgebers "Das große GU Babybuch", und Susanne Lohmann, Landesvorsitzende des Hebammenverbandes Hamburg e.V.

Der Besuch

Machen!

Absolute Pflicht: Erkundigt euch, bevor ihr die Visite plant, ob die Mutter euch überhaupt da haben will. Junge Eltern sind oft dankbar, wenn sie sich an die neue Situation gewöhnen können, ohne dass ihnen jemand auf die Finger schaut. Falls die Eltern nichts gegen einen Besuch haben: Auf jeden Fall einen Termin abmachen!

Falls ihr euren Freund oder Mann mitbringen wollt - fragt die Mutter, ob das okay für sie ist. Große Brüste mögen aus Männersicht reizvoll erscheinen, stillende Frauen hingegen fühlen sich mit ihrem Atombusen meist alles andere als erotisch. "Es laufen viele Prozesse im Körper ab, die nicht sichtbar sind. Auch die hormonelle Belastung ist enorm", so Hebamme Susanne Lohmann. "Packen Sie die Mutter ruhig in Watte", rät deshalb auch Gebauer-Sesterhenn beim Umgang mit Säuglingsmüttern.

Lassen!

Auch wenn ihr es kaum erwarten könnt - besucht die Familie lieber nicht im Krankenhaus. Es ist schöner für die Eltern, den "Zauber der ersten Tage" allein zu genießen, meint Birgit Gebauer-Sesterhenn.

Ihr trommelt alle Verwandten und Freunde zusammen und überrascht die Eltern mit einer großen Party? Keine gute Idee. Horden von Gratulanten sind das Letzte, was die Eltern nun brauchen können, und spontane Gäste können selbst mit einem Kuchen keine Sympathiepunkte sammeln.

Auch bei vorheriger Terminabsprache gelten zwei Regeln: Erwartet keine "Perfektes Dinner"-Gastgeber - und reizt die Besuchsdauer nicht unnötig aus. Wann es Zeit wird zu gehen, kriegt man mit etwas Gespür in der Regel selbst heraus. Ein unruhiges Baby, eine müde Mutter - die Signale sind meist eindeutig.

"Verschiebt den Besuch, wenn ihr gerade mit einer Erkältung kämpft", lautet der Tenor der erfahrenen Hebamme, die allen Besuchern rät: "Wenn ihr im Nachhinein feststellt, dass ihr euch beim Besuch in der Inkubationszeit einer ansteckenden Krankheit befandet, informiert  die Eltern umgehend, damit sie rechtzeitig handeln und dem Neugeborenen Antikörper geben lassen können." Besondere Vorsicht gilt bei einer Herpesinfektion, "denn Herpesbläschen sind richtig gefährlich für Neugeborene", warnt Susanne Lohmann.

Gratulieren

Machen!

Eigentlich selbstverständlich - die ersten Worte sollten der Mutter gelten. Schließlich ist sie diejenige, die neun Monate lang Einschränkungen und Schmerzen in Kauf nehmen musste. Drückt bei einer herzlichen Umarmung allerdings nicht zu fest zu. Und natürlich freuen sich auch der Vater des Kindes und die Geschwister über Ihre Aufmerksamkeit.

Aus der Ferne kommt eine schöne Glückwunschkarte mit ein paar persönlichen Zeilen immer gut an. Alternativ kann man mit einer SMS oder einer E-Mail neben seinen Glückwünschen das Signal geben, dass die Mutter erst mal zur Ruhe kommen soll - und eine Rückmeldung oder ein Besuch durchaus Zeit haben.

Lassen!

Ein absolutes Don't für Gebauer-Sesterhenn ist ein Anruf im Krankenhaus. Das permanente Telefonklingeln oder ein unpassender Anruf sind alles andere als erfreulich, weiß die dreifache Mutter. Die Situation, in der sich Mutter und Kind zum Zeitpunkt des Anrufs befinden, ist für den Gesprächspartner nicht vorhersehbar. Schlafen, Essen, Stillen, Windeln, Trösten bestimmen ihren Tagesrhythmus - da ist einfach kein Platz für Smalltalk am Telefon.

Körperkontakt

Machen!

Zurückhaltung ist aus Sicht der Baby-Expertinnen das oberste Gebot. Nehmt das Baby erst dann auf den Arm, wenn ihr von der Mutter dazu aufgefordert werden oder fragt nach, ob es ihr recht wäre. Gerade beim ersten Kind sind Mütter übervorsichtig und ängstlich, haben jedoch häufig Hemmungen ihre Bedenken laut zu äußern.

Bei jedem Besuch: Hände waschen. Die Abwehrkräfte des Neugeborenen sind noch nicht entwickelt, daher sollte man es nicht gleich mit Krankheitserregern bombardieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Hände zusätzlich desinfizieren. In Krankenhäusern befinden sich üblicherweise in allen Zimmern Desinfektionsmittel-Spender.

Lassen!

Auch saubere Hände haben im Gesicht des Säuglings nichts zu suchen. Das Neugeborene wird mit einer Flut verschiedener Reize konfrontiert. Nach dem geschützten Raum im Mutterleib muss es sich an eine völlig neue Umgebung, fremde Gerüche und seltsame Geräusche gewöhnen. Hebamme Susanne Lohmann weist außerdem darauf hin, dass Berührungen den Such- und Saugreflex des Säuglings auslösen können. In diesem Fall: "Nie seinen eigenen Finger dem Kind zum Nuckeln geben."

Sooo süß, der kleine Wonneproppen - aber tragt ihn trotzdem nicht zu lang durch die Gegend. Auch das Herumreichen von Arm zu Arm ist für den Säugling weniger vergnüglich als für die gerührten Besucher.

Ein absolutes "No Go" ist es, den Säugling zu küssen. Das solltet ihr wirklich nur den engsten Angehörigen überlassen, also Mutter, Vater und Geschwister.

Smalltalk

Machen!

Habt Geduld und warten ab, wie viel die Mutter von der Geburt preisgeben möchte. "Statt über eigene Negativ-Erfahrungen zu berichten und die Mutter zu demoralisieren", rät Susanne Lohmann dazu, "mit viel Fingerspitzengefühl auf die Mutter einzugehen." Denn Mütter sind in den ersten Wochen sehr empfindlich und hellhörig. Neben den Einzelheiten der Geburt gibt es viele unverfängliche Themen, über die man sprechen kann. Aufmunternde Worte oder kleine Komplimente sind nie verkehrt.

Wichtig: Bezieht auch den Vater des Kindes ins Gespräch mit ein. Schließlich hat er zum Freudenereignis beigetragen.

Lassen!

Auch wenn euch die Vornamen Hubertus-Karl oder Samantha-Blue unpassend erscheinen, behaltet die Kritik lieber für sich. Die Wahl des Vornamens ist ein sensibles Thema. Für Eltern bleibt ihr Kind genau wie sein Name einzigartig.

Bemerkungen oder gar Witze über das Geschlecht sind für Gebauer-Sesterhenn ebenfalls tabu. Eine Mutter von drei Söhnen, wird vermutlich von rosa Stramplern geträumt haben - ein Vater von drei Töchtern möglicherweise von einem Stammeshalter.

Die Geschenke

Machen!

Da Spieluhren oder Babydecken in Mehrfachausführung keinen Sinn machen, fragt nach konkreten Wünschen. Entweder Sie vervollständigen die Baby-Ausstattung oder werdet selber kreativ. Neben nützlichen Utensilien wie Mützchen oder Fellschuhen über selbst gestaltete Fotoalben ist alles möglich. Auch praktische Dinge wie eine Pampers-Packung oder hochwertige Marken-Babypflege kommen meistens gut an. Weniger einfallsreich, jedoch von höherem Nutzen als ein Geschenk, das den Geschmack der Eltern verfehlt.

Eine schöne Geste sind kleine Gefälligkeiten: Fensterputzen, Kochen, Kinderwagenschieben oder ein Spielplatzbesuch mit den älteren Geschwistern. Oft bringt es den übermüdeten Eltern mehr als das zehnte Paar Söckchen.

Lassen!

Ganz oben auf der Liste der schlimmsten Geschenkideen: Schnuller. "Das Saugen am Schnuller funktioniert anders als an der Brust und kann das Stillverhalten des Säuglings negativ beeinflussen", meint Hebamme Susanne Lohmann.

Von duftenden Sträußen raten beide Frauen beim Klinikbesuch ab und warnen alle Blumenfans: "Hände weg von Topfpflanzen. Aufgrund möglicher Keime in der Erde sind sie in Krankenhäusern streng verboten."

Ebenso ungeeignet für die engen Klinikräume sind sperrige Geschenke und voluminöse Verpackungen. Schließlich muss der ganze Krempel auch irgendwie nach Hause geschleppt werden.

Vorsicht auch bei Ratgeberliteratur. Bei der Vielzahl pädagogischer Ansichten und Theorien macht es Sinn, die Eltern nach ihren Favoriten zu fragen.

Mehr Infos:

"Das große GU Babybuch" von Birgit Gebauer-Sesternhenn und Dr. med. Manfred Praun Preis: 22,90 € (D)/ 23,60 € (A)/ 39,90 sFr Verlag: Gräfe und Unzer ISBN: 978-3-7742-1611-2

Text: Tanja Warkentin Foto: cdk/Photocase.com
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