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Ein Herz für Robbie Williams

Ein Herz für Robbie Williams
Robbie Williams ist wieder da - mit seinem Album "Reality Killed The Video Star". Kein Künstler ist dem Kreislauf aus Selbstzerstörung und Erfolg so treu wie er. Und gerade das macht den Popstar so unwiderstehlich, findet BRIGITTE-Mitarbeiterin Alena Schröder. Testen Sie Ihr Robbie-Wissen!

Robbie Williams hat ein neues Album herausgebracht, "Reality Killed The Video Star", und ich kann gar nicht laut genug sagen, wie piepegal mir das ist. Er könnte die tollsten Hits der Regensburger Domspatzen covern, mir wäre es wurscht. Alles, was zählt, ist: Der Mann ist wieder da! Schlank, smart, ordentlich gekämmt und gekleidet in solide britische Erwachsenen-Mode - man könnte fast sagen: etwas sehr solide. Aber da sind immer noch das sexy Grinsen und die grünen Augen, die einem sofort den Magen in Richtung Knöchel purzeln lassen. Und Robbies unwiderstehliche Aura des gefallenen Prinzen.

Robbie Williams im Wandel der Zeit

Der Mann weiß, wie man Krise buchstabiert. Wie man sich selbst nach allen Regeln der Kunst zugrunde richtet. Und wie man wieder aufsteht, sich den Staub von der Jacke klopft, sich aufs Pferd schwingt und in den Sonnenuntergang reitet. Von solchen Jungs kann es in Zeiten wie diesen gar nicht genug geben. Deshalb war ich nie ernsthaft in Sorge, dass Robbie Williams für immer in Depression und Tablettensucht verschwunden sein könnte. Dafür ist er zu berechenbar: erst der Erfolg, dann der Absturz inklusive körperlicher Verwahrlosung, plötzlich das Erscheinen eines rettenden Engels (ein Plattendeal, ein genialer Songschreiber, eine neue Frau), schließlich ein erfolgreiches Album, auf dem er all die dunklen Zeiten in herrlich opulenten Balladen verarbeitet. Der Mann kann gar nicht anders, da ist er verlässlich.

Zugegeben, dieses Mal sah es wirklich finster um ihn aus: Ein ausgebranntes Drogenwrack war Robbie nach dem Misserfolg seines vorigen Albums "Rudebox" geworden. Zwei Jahre lang hat er sich im kalifornischen Exil seiner neuen Karriere als Ufo-Jäger gewidmet, sich intensiver Verfettung und Verlotterung hingegeben, nicht mal für ein Comeback bei den Langweilern von Take That schien er noch geeignet. Und wer hat den Mann aus seiner Misere geholt? Na klar, eine Frau: Schauspielerin Ayda Field hatte - wie die meisten Amerikaner - zuvor noch nie von Robbie Williams gehört und scheute sich demnach nicht, dem exzentrischen Star mal ordentlich den Marsch zu blasen. Sie schickte ihn zum Entzug, rasierte ihm den Vollbart ab, gab ihm ein paar Gründe abzunehmen und streichelte seine verletzte Narzisstenseele. Sie verbot ihm, stundenlang vorm Computer zu sitzen und manisch den eigenen Namen zu googeln, immer auf der Suche nach hämischen Kritiken. Und siehe da: Plötzlich ist Robbie wieder obenauf und kommt mit einer neuen Platte um die Ecke.

Jetzt könnte mich als weiblichen Fan natürlich betrüben, dass er vor lauter Euphorie gleich von Hochzeit und Kinderkriegen spricht. Aber ich sehe das gelassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine hochgradig neurotische Persönlichkeit wie Robbie jetzt mit Gattin und Golden Retrievern auf ein englisches Schloss zurückzieht, sich fortpflanzt, irgendwann wieder bei Take That einsteigt und mit dieser Altherren-Nostalgie-Combo durch die Welt tingelt, ist verschwindend gering. Wahrscheinlich wird es so laufen wie immer: erst die Krise (Trennung von Ayda), dann eine Phase der Selbstzerstörung (Donut-Diät, Drogen), plötzlich die Rettung (eine echte Ufo-Sichtung, eine neue Frau), schließlich ein neues Album voll musikalischer Lebensbeichten, das die Charts stürmen und Robbie wieder nach oben spülen wird.

Ein Teufelskreis, dem der Mann nicht entkommen kann. Gesund ist das sicher nicht, dieses ewige Leben am Abgrund, aber es ist eben auch die Basis seines Erfolges. Solange der Brite bei Frauen wie mir ebenso viele schmutzige Gedanken wie mütterliche Beschützerinstinkte auslöst, solange wir ihm die Kleider vom Leib reißen und gleichzeitig eine Hühnersuppe kochen wollen, so lange wird er auch nicht untergehen.

Also, Robbie: Schön, dass du wieder da bist. Bleib ruhig eine Weile und mach es dir bequem. Und wenn's dich wieder nach unten spült, sei unbesorgt: Wir rechnen wie immer fest mit deinem Comeback!

Das neue Album

Ein Herz für Robbie Williams

Auf "Reality Killed The Video Star" zeigt sich Robbie in alter Größe: mit wehmütigen Balladen wie "You know me" und schmachtenden Liebesliedern. Die Eröffnungshymne "Morning Sun" bleibt ebenso im Ohr wie die neue Single "Bodies". Nur die elektronisch angehauchten Tanznummern klingen wie ein Versuch, Musikgrößen der 80er zu kopieren.

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