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Machen Kartoffeln dick? 10 Ernährungsmythen im Check

Ernährungsmythen: Obst und Gemüse purzeln aus Papiertüte
© Alexander Raths / Shutterstock
Kartoffeln machen dick, Rohkost ist am gesündesten und frisches Brot verursacht Bauchschmerzen. Es gibt so einige Ernährungs-Irrtümer. Lest hier die Dauerbrenner der Gerüchte-Küche

1. Kartoffeln sind Dickmacher

Was für eine Verleumdung! Im Vergleich zu anderen klassischen Beilagen ist der Erdapfel sogar eine besonders figurfreundliche Alternative. Pro verzehrfertiger Portion (à 150 Gramm) bringt die Kartoffel gerade mal 105 Kalorien auf den Teller.

Reis schlägt dagegen mit ca. 170 Kalorien zu Buche, dieselbe Menge Nudeln mit ca. 225 Kalorien. Zurückhaltung ist allerdings bei Pommes geboten: Die in Fett ausgebackenen Kartoffelstifte enthalten ca. 370 Kalorien pro Portion - und zwar ohne Mayonnaise!

2. Salz erhöht den Blutdruck

Diese These beruht auf der eigentlich logischen Annahme, dass Salz Wasser bindet, dadurch das Blutvolumen steigert und den Blutdruck in die Höhe treibt. Und tatsächlich reagierten Ratten im Labor auf gesalzenes Futter mit einem Anstieg des Blutdrucks. Doch würde man die im Tierversuch verabreichte Dosis auf den Menschen umrechnen, käme man auf zirka ein Pfund Salz pro Tag. Aktuell liegen wir bei durchschnittlich acht Gramm.

Außerdem konnte beim Menschen ein Einfluss des Salzverzehrs auf die Höhe des Blutdrucks nur in Ausnahmefällen und dann auch nur in sehr geringem Ausmaß nachgewiesen werden. Die meisten von uns können also guten Gewissens eine Prise Salz über das Frühstücksei rieseln lassen.

3. Vitamine kann man nicht überdosieren

Es gilt wie so oft der Satz des Paracelsus: "Die Dosis macht das Gift". Wer Vitaminpräparate ohne ärztliche Empfehlung und in unkontrollierter Menge einnimmt, schadet im schlimmsten Fall seiner eigenen Gesundheit.

Bei Überdosierung kann zum Beispiel Vitamin C zu starken Durchfällen und Vitamin B6 zu neurologischen Störungen führen. Vitamin A (reichlich in Schweine- und Rinderleber enthalten) kann schon bei geringer Überdosierung den Fötus im Mutterleib schädigen. Seine Vorstufe Beta-Carotin geriet in mehreren Studien sogar unter Verdacht, in isolierter Form und hoher Dosierung das Lungenkrebsrisiko von Rauchern zu erhöhen.

Doch keine Angst vor knackigen Möhrchen: Die Gefahr der Überdosierung besteht im Normalfall nur bei hochkonzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln. Und die sind für den gesunden Menschen eigentlich überflüssig, sofern man regelmäßig frisches Obst und Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte sowie etwas Fleisch und Fisch zu sich nimmt.

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4. Spinat ist der Toplieferant für Eisen

Noch immer hält sich das Gerücht, dass Spinat einen sensationell hohen Eisengehalt habe. Doch diese Annahme beruht auf einem Missverständnis: Der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge hat 1890 bei getrocknetem (!) Spinat einen Eisengehalt von 35 Milligramm pro 100 Gramm ermittelt.

Später wurde dieser Wert dann einfach auf frischen Spinat übertragen, der allerdings zu 90 Prozent aus Wasser besteht. Man hätte den von Bunge nachgewiesenen Eisengehalt also durch zehn teilen müssen und wäre damit auf einen für Gemüse eher durchschnittlichen Wert von 3,5 Milligramm Eisen pro 100 Gramm gekommen. Dabei ist außerdem zu beachten, dass pflanzliches Eisen vom Körper schlechter verwertet wird als das aus tierischen Nahrungsmitteln.

5. Spät essen macht dick

Wer tagsüber ausreichend isst und sich trotzdem regelmäßig ein üppiges Abendbrot oder die Tüte Chips vor dem Fernseher gönnt, muss in der Tat mit Hüftspeck rechnen. Allerdings nur deshalb, weil die Gesamtsumme der über den Tag verzehrten Kalorien zu hoch wird. Sie allein gibt den Ausschlag dafür, ob man zu- oder abnimmt bzw. sein Gewicht konstant hält.

Natürlich kann man mit Dinnercancelling Kalorien sparen. Das funktioniert aber auch, wenn Sie auf Frühstück oder Mittagessen verzichten. Unter dem Strich ist es völlig egal, ob man sein Pensum morgens, mittags oder abends "voll macht".

6. Frisches Brot macht Bauchschmerzen

Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um ein "pädagogisches Gerücht" aus den Zeiten vor der Überflussgesellschaft. Damit der alte Brotlaib aufgegessen wurde, bevor man den neuen anschnitt, redete man den Kindern ein, dass das köstlich duftende, frische Brot schlimme Bauchschmerzen verursache.

Heute weiß wohl jeder aus eigener Erfahrung, dass man auch knuspriges Baguette ohne schmerzhafte Folgen essen kann. Nur bei empfindlichen Personen kann sehr frisches Brot in großen Mengen zu Blähungen führen.

Ein ebenfalls weitverbreiteter Irrtum: Je dunkler die Farbe, desto gesünder das Brot. Oft wird das Mehl aber lediglich mit dunklem Malz eingefärbt, um den Laiben einen gewissen Vollkorn-Appeal zu verpassen. Doch nur wo explizit "Vollkorn" drauf steht, ist letztlich auch Vollkorn drin.

7. Rohkost ist am gesündesten

Der Gehalt an hitzeempfindlichen Vitaminen wie B1, B6, Folsäure oder Vitamin C wird bei längerem Garen zum Teil stark reduziert. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, regelmäßig frisches, rohes Obst und Gemüse zu essen.

Es gibt aber auch gesunde Stoffe, wie zum Beispiel Carotinoide aus Möhren und Tomaten, die durch Erhitzen besonders gut für den Körper verwertbar gemacht werden.

Einige Lebensmittel wie Reis, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sind roh gänzlich ungenießbar, andere, wie z. B. Getreide sind schwer verdaulich. Eier, Fleisch und Fisch können roh gesundheitsgefährdende Keime enthalten, die beim Garen abgetötet werden. Die gesündeste Alternative ist ein ausgewogener Mix aus rohem und gekochtem Essen.

8. Der Verzehr von Eiern erhöht den Cholesterinspiegel

Cholesterin ist ein wichtiger Baustoff des Körpers. Herz und Gehirn bestehen zu einem großen Anteil aus dieser fettähnlichen Substanz. Deshalb wird es auch vom Körper selbst in Mengen von 1000 bis 1500 Milligramm pro Tag produziert. Durch die Nahrung werden zusätzlich ca. 100 bis 300 Milligramm pro Tag aufgenommen.

Ein Hühnerei enthält stattliche 200 Milligramm Cholesterin (ein Esslöffel Butter enthält übrigens nur lächerliche 24 mg), das aber vom Körper nur zu 30 bis 60 Prozent aufgenommen wird. Die maximale Aufnahme aus der Nahrung liegt bei 500 Milligramm pro Tag.

Der Körper reagiert darauf, indem er die eigene Synthese der Cholesterinzufuhr anpasst. Zahlreiche Studien scheinen zu bestätigen, dass diese Regulation so gut funktioniert, dass der Cholesterinspiegel im Blut mehr oder weniger konstant bleibt - egal, wie viel wir über die Nahrung aufnehmen.

9. Braune Eier sind gesünder als weiße

Wie die Henne so das Ei: Die Farbe der Schale ist allein abhängig von der Rasse, also braunes Huhn gleich braunes Ei. Sie sagt erst mal nichts über die Qualität der Eier aus.

Früher gab es tatsächlich die Tendenz, dass eher weiße Hühner in Legebatterien gehalten wurden, während die Braunen als Biohühner aufwachsen durften. Doch auf diese Faustregel ist kein Verlass. Zum Glück müssen detaillierte Infos, auch zur Herkunft des Eis, heutzutage auf der Verpackung stehen.

10. Ananas ist ein natürlicher Fatburner

Dem in der Frucht enthaltenen eiweiß-(!)spaltenden Enzym "Bromelin" wird eine fettverbrennende Wirkung angedichtet. Was Eiweißspaltung mit Fettabbau zu tun haben soll, wäre die eine Frage. Aber sie erübrigt sich, weil Enzyme sowieso komplett von der Magensäure zerlegt werden und damit ihre - was auch immer - spaltende Wirkung verlieren. Aber geschmacklich ist frische Ananas auf jeden Fall der Burner!

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