X Factor: die Castingshow für Große

Zum Finale am Dienstag muss es einmal gesagt werden: X Factor ist anders als andere Castingshows - und unbedingt sehenswert. Eine kleine Lobhudelei von BRIGITTE.de-Redakteurin Julia Müller.

Die Jury: Rapper Das Bo, Sängerin Sarah Connor, Jazztrompeter Till Brönner.

Mit Casting-Shows hatte ich spätestens nach der zweiten Staffel von Germany’s Next Topmodel abgeschlossen. Oberflächlich, albern, braucht kein Mensch. Egal ob Popstars, Deutschland sucht den Superstar oder Star Search, der ganze Sternchen-Wahn ist komplett an mir vorbeigezogen. Bis ich letztes Jahr eher zufällig bei X Factor hängen blieb. Eine Castingshow, an der auch die Zielgruppe Ü-16 ihren Spaß hat – es gibt sie wirklich!

Das liegt zum einen am Konzept der aus Großbritannien importierten Sendung. Nach einem ersten Casting werden die Kandidaten in drei Kategorien eingeteilt, als Mentoren bekommen sie jeweils ein Jury-Mitglied zur Seite gestellt. In unserem Fall sind das die Popsängerin Sarah Connor, der Jazztrompeter Till Brönner und der Hamburger Hip-Hopper Das Bo. Eine lustiges Trio, das mit seinen Schützlingen ernsthaft zusammenarbeitet, statt sie öffentlich in die Pfanne zu hauen.

Gute Typen gesucht

Die Finalisten in schönster Castingshow-Pose: David Pfeffer, Nica & Joe, Raffaela Wais.

Till Brönner mit seinen dunklen Anzügen, dem Klassik-Background und klugen Kommentaren tut dem Privatfernsehen gut. Und Das Bo als neuer Juror war sowieso ein Glücksgriff. Er redet frei nach Hamburger Schnauze und flirtet ungehemmt mit den schönen Mädels. Wenn er sich zwischen zwei seiner Kandidaten entscheiden muss, wirkt er ehrlich angefressen und patzt auch mal den Moderator an. Selbst mit Sarah Connor habe ich mich inzwischen arrangiert. Ja, sie benutzt Lipgloss und Anglizismen inflationär. Aber um ihre Kandidaten kämpft sie wie eine Löwenmama.

Überhaupt, die Kandidaten: Letztes Jahr haben es vier XL-Soul-Ladies ins Finale geschafft, dieses Jahr sang sich der kahlköpfige Ex-Elektriker Volker Schlag weit nach vorn. Es geht eben nicht nur darum, wie sich die Kandidaten auf PR-Fotos machen würden. Gesucht sind wirklich gute Sänger – und gute Typen. So einer wie David Pfeffer zum Beispiel. Der Polizist singt lieber schönen Indie-Rock als viel von sich zu erzählen. Jetzt steht er im Finale und ich hoffe natürlich, dass er gewinnt. Obwohl, eine Garantie für den großen Erfolg ist das noch lange nicht. Von der Vorjahressiegerin Edita hat man wenig bis gar nichts mehr gehört. Aber zumindest musste sie nicht mit Dieter-Bohlen-Songs durchs Land tingeln.

Strahlemann: Jochen Schropp moderiert X Factor.

Ganz frei von den typischen Castingshow-Zutaten ist natürlich auch X Factor nicht. Kleine und größere Schicksalsschläge der Kandidaten werden ausgiebig erzählt, es gibt einen Live-Chat und unsinnige Herzschlag-Messungen. Aber trotzdem habe ich den Eindruck, dass das Können im Vordergrund steht und nicht die rührseligen Geschichten.

Eigentlich ist Dienstag bei mir Sport-Tag, aber für diese Sendung hetze ich mich tatsächlich jede Woche nach dem Fitnesskurs ab, um pünktlich zu Hause zu sein. Auch, weil dann der tolle Jochen Schropp auf mich wartet. Er moderiert die Shows, hat ein ungeheuer charmantes Lächeln und ein nicht enden wollendes Repertoire an bescheuerten Wortwitzen. Dazu unterhält er sich mit den internationalen Stars, die als Gäste auftreten, in tadellosem Englisch. Wenn ihn das nicht als Nachfolger für Thomas Gottschalk qualifiziert, dann weiß ich auch nicht weiter.

Nach dem großen Finale stellt sich nur die Frage: Was mache ich, bis die nächste Staffel von X Factor anläuft? Zum Glück hat mir Kollegin M. einen Tipp gegeben, wie ich die Zeit sinnvoll überbrücken kann: Auf ProSieben und Sat.1 läuft immer donnerstags und freitags The Voice of Germany. Mit einer hochkarätigen und unkomplizierten Jury, die sich nicht in den Vordergrund drängt. Kandidaten, die richtig gut singen können. Und einem überraschenden Konzept: Die Jury entscheidet zunächst blind und nur anhand der Stimme, ob ein Kandidat weiter kommt. Klingt vielversprechend. Und ich könnte endlich mal wieder länger beim Sport bleiben.

Fotos: Vox
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