Was können Frauen in Cannes erreichen?

Die Stunde der Frauen schlägt auch in der Wettbewerbsjury von Cannes. Warum wir uns darüber trotzdem nicht recht freuen können.

Wenn am Abend des 14. Mai die 67. Filmfestspiele von Cannes eröffnet werden und die Wettbewerbsjury vom roten Teppich winkt, werden fünf Frauen und vier Männer zu sehen sein. Wenn sich am Abend des 24. Mai die Preisträger zum Gruppenbild formieren, wird eben dieses Bild mit großer Wahrscheinlichkeit von Männern dominiert werden.

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Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion ist bislang die einzige Regisseurin, die die Goldene Palme gewonnen hat. In diesem Jahr entscheidet sie als Jury-Präsidentin über die Preisvergabe.

Dass das bedeutendste Filmfestival der Welt mit Jane Campion nach 2009 endlich wieder eine Frau an der Jury-Spitze hat, ist schön. Noch schöner ist, dass sie an ihrer Seite nicht nur vier Männer(*), sondern auch vier Frauen hat: Regie-Kollegin Sofia Coppola sowie die Schauspielerinnen Carole Bouquet, Leila Hatami und Do-Yeon Jeon. Die Frauen haben also die Oberhand in der Jury. Das gab es in der Festivalgeschichte erst einmal: 2009 hat Isabelle Huppert die Jury-Truppe angeführt.

Die Freude über soviel Frau im Filmbusiness verfliegt allerdings schnell, wenn man sich die Filme im Wettbewerb ansieht. Von den 18 Filmen, die nach der Goldenen Palme streben, sind nur zwei von Frauen: Die Japanerin Naomi Kawase darf ihren Film "Still the Water" präsentieren, die Italienerin Alice Rohrwacher ihr Werk "The Wonders". Was für eine miserable Quote!

Bevor wir jetzt missverstanden werden: Wir wünschen uns nicht um jeden Preis Filme von Frauen im Wettbewerb. Wir wollen, dass Filme gezeigt werden, die etwas zu sagen haben, die gut gemacht sind, die bewegen. Wir weigern uns aber zu glauben, dass es davon nur so wenige aus Frauenhand geben soll. Was wir hier erleben, ist übrigens kein Cannes-typisches Phänomen. In Venedig war das Verhältnis von Frauen zu Männern im letzten Jahr 2:18, auf der Berlinale sah es in diesem Jahr mit 4:16 auch nicht viel besser aus. Preis-Ausbeute für die Filme der Regisseurinnen bei beiden Festivals: Null.

Wie schön wäre es, wenn Jane Campion am Ende dieser Filmfestspiele die Goldene Palme an eine Nachfolgerin vergeben könnte. Campion ist bislang die einzige Frau, die das Festival von Cannes gewinnen konnte, 1993 mit ihrem Film "Das Piano". Wahrscheinlicher ist jedoch, dass wir bei der Preisverleihung wieder mal nur Frauen auf der Bühne sehen werden, die geben und nicht nehmen. Abgesehen natürlich von der Kategorie "Beste Schauspielerin", dieser Preis ist "uns" sicher.

(*)die Schauspieler Willem Dafoe und Gael Garcia Bernal sowie die Regisseure Zhangke Jia und Nicolas Winding Refn

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