Fußball international: Vorsicht, Fettnäpfchen!

Wie begrüßt man eine Spanierin? Welche Themen sind bei Polen tabu? Fettnäpfchen lauern überall, wenn europäische Fans in diesen Tagen wieder gemeinsam Fußball gucken. Natürlich lässt sich der soziale Umgang nicht so simpel regeln wie ein Fußballspiel. Aber ein paar Tipps für die Fan-Freundschaft können nie schaden.

Polen - der EM-Gastgeber

Polen neigen nicht unbedingt zur Selbstironie. Witze über Fußball sollten sie also möglichst meiden. Ebenfalls in die Fettnäpfchen-Kategorie gehören: Witze über den Papst, die Katholische Kirche, polnische (blondierte) Frauen und Diebe. "Warum sollte man nie lachen, wenn ein Pole einen Autounfall hat? Es könnte auch dein Auto sein!" Solche Pointen finden Polen gar nicht komisch. Wer die Stimmung angesichts mieser Leistung auf dem Feld heben möchte, sollte lieber auf den Schauspieler und Kabarettisten Steffen Müller zu sprechen kommen, der seit 1994 in Polen lebt und mit Abstand der beliebteste Deutsche ist. Im Fernsehen mimt er beispielsweise einen dussligen deutschen Kartoffelbauern. So einer darf sogar ungestraft Witze über Autodiebe machen.

Und wenn Sie dann mit einem Gläschen Wodka (keinesfalls ablehnen!) anstoßen: Bleiben Sie höflich bei "Sie" als Anrede. In Polen ist das "Du" engen Freunden vorbehalten. Sollten Sie anschließend zu einer Familie nach Hause eingeladen werden: Niemals an der Türschwelle ein Geschenk überreichen, das bringt Unglück. Angeblich wurden unter der Türschwelle früher die Gebeine der Vorfahren vergraben.

England

Selbst wenn Sie in das allergrößte, tiefste Fettnäpfchen treten - Sie werden es nicht merken. Engländer und Engländerinnen sind einfach viel zu höflich, um geradeheraus zu sagen, dass sie beleidigt sind.

Es gibt jedoch Themen, die Sie auf gar keinen Fall anschneiden sollten, wenn Sie sich nicht alle Sympathien verscherzen wollen. Sprechen Sie zum Beispiel niemals über Ihre schlimmen Erfahrungen mit British Railway bei Ihrer letzten Reise (Streik! Verspätungen!).

Erwähnen Sie niemals die mangelhafte Funktion der Wasserhahn-Mischbatterie im Hotel oder die Zugluft im schnuckeligen Ferienhaus, das Sie vergangenes Jahr gemietet hatten. Vermeiden Sie den Zweiten Weltkrieg (ihr Großvater war gar nicht dabei) und Anekdoten über Erfahrungen mit britischen Touristen auf Mallorca. Und vor allem: Kein böses Wort über die Royals (auch nicht über die Hochzeit, wirklich nicht!) oder über das "Wembley-Tor" 1966 (sie wissen gar nicht, was das ist). Und wenn ein Engländer zur Begrüßung fragt: "How are you?" erwartet er darauf natürlich keine wahrheitsgemäße Antwort. Sagen Sie einfach "Fine. How are you?" und schon sind Sie im Gespräch.

Frankreich

Beim gemeinsamen Fußballgucken kann man nicht viel verkehrt machen. Bedenken Sie bei Gesprächen aber immer, dass La France in den Augen der Franzosen immer noch eine Weltmacht ist. Dazu gehört die Atombombe ebenso wie die Atomkraftwerke. Diskutieren Sie nicht über Fukushima! Das bestärkt Franzosen nur in ihrer Auffassung, dass wir Besserwisser und Pessimisten sind. Und sollten Sie mit französischen Gästen nach dem Spiel ein Restaurant besuchen: Erinnern Sie sich an Ihre besten Tischmanieren. Schlürfen Sie nicht, pusten Sie nicht in die heiße Suppe, essen Sie die Hähnchenkeule nicht mit den Fingern.

Italien

Italiener lassen es Sie nicht spüren, wenn Sie in einen Fettnapf getreten sind. Aber sobald Sie aus der Tür sind, werden sie sich mit Freunden und Familie kaputt lachen. Italiener legen Wert auf Stil, vor allem bei der Kleidung. Auf Facebook gibt es eine lustige italienische Seite mit Bildern von deutschen Touristen in Shorts, Sandalen und Socken, verbunden mit der Frage: Warum muten die uns das zu? Also: Zuerst immer einen Blick in den Spiegel werfen, auch wenn es noch so heiß sein sollte.

Und selbstverständlich ist die italienische Küche die beste der Welt (wo liegt Frankreich?). Kommen Sie nicht auf die Idee, selbst "italienisch" zu kochen. Servieren Sie niemals Filterkaffee in Blümchenstärke. Sie werden Ihre neuen Bekannten nie wieder sehen. Capito?

Spanien

Sind sie alle taub? Nein, Spanier sprechen einfach einige Dezibel lauter als wir, das ist nicht unhöflich gemeint. Sie stehen beim Reden auch gerne näher zusammen als wir. Schon nach relativ kurzer Zeit wechseln Spanier zum "Du" - es wird auch nicht extra angeboten. Frauen begrüßen sich mit Küsschen: zuerst die rechte Wange, dann die linke. Aber keinen Schmatzer geben, eher in die Luft hauchen! Beteiligen Sie sich an diesem Ritual, sonst gelten Sie als kühl und unfreundlich. Zwei Gesprächsthemen sollten Sie unbedingt vermeiden: Den Zweiten Weltkrieg und insbesondere die Franco-Diktatur. Und natürlich den Stierkampf. Toreros sind Helden. Und bestellen Sie in Gegenwart von Spaniern niemals Cappuccino oder - schlimmer noch - Latte Macchiato. Diese Getränke existieren in Spanien nicht. Ein Kaffee ist ein Café ist ein Café.

Griechenland

Am besten sprechen Sie mit Griechen weder über Politik noch über Geschichte. Griechen neigen dabei zu Temperamentsausbrüchen. Sie haben türkische Freunde oder gar Verwandte? Verschweigen Sie es! Versuchen Sie nicht, mit Ihren Schulweisheiten über die Antike zu prahlen. Verbessern Sie Ihre Gesprächspartner nicht, wenn Sie denken, diese nähmen es mit den historischen Fakten nicht so genau. Sie haben eine Verabredung? Planen Sie gleich Alternativen ein. Viele Griechen finden es nicht schlimm, mehrere Stunden später oder eben gar nicht zu kommen. Was ist schon dabei?

Niederlande

Schon der erste Satz kann ein Fauxpas sein: Niederländer sind keineswegs alle Holländer. Holland ist nur eine von elf Provinzen und deshalb ist die Gleichsetzung so, als würden wir alle als Bayern bezeichnet. Auch einfach auf Deutsch loszuplaudern, ist tabu und wirkt überheblich. Viele Niederländer verstehen zwar Deutsch, aber nicht alle können oder wollen es sprechen. Fragen Sie erst mal nach und denken Sie daran: Wir sind zwar Nachbarn, aber keine Freunde.

Niederländer gelten als leger und unkompliziert, sie legen beispielsweise nicht viel Wert auf Statussymbole wie dicke Autos oder einen Doktortitel. Großspuriges Auftreten, zu dem Deutsche manchmal neigen, mögen sie gar nicht. Bei einer Sache gibt es aber volle Übereinstimmung: Pünktlichkeit bei einer Verabredung wird geschätzt.

Text: Beate Koma

Wer hier schreibt:

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