Danke, Jungs! Unser ganz persönlicher Dank an die Weltmeister

Was für ein Endspiel! Nach einer furiosen Fußball-WM ist Deutschland Weltmeister. Wir sagen "unseren Jungs" Danke - für Tore, Emotionen und wache Kinder am Morgen.

Danke, liebe Abwehr, für Heldentaten im Hintergrund

Es ist die Ur-Ungerechtigkeit des Fußballs: Alle bewundern die Toreschießer, die Neymars, die Ronaldos und neuerdings auch die Müllers. Aber über die Männer, die hinten die Fleißarbeit machen, spricht man allenfalls, wenn sie Fehler machen. Auch an unserer Abwehr wurde vor der WM herumgemäkelt. Sie sei unsortiert, der größte Schwachpunkt des Teams. Alles Quatsch. Helden seid ihr, und das hat jetzt endlich auch mal die ganze Welt gesehen. Todesmutig habt ihr euch Kanonenkugeln wie Brasiliens Hulk in den Weg gestellt, fast immer wart ihr einen Schritt schneller als die Gegner - und dann zeigte Mats Hummels auch noch formvollendete Kopfballtreffer. Messi war bester Spieler des Turniers? Pah. Dafür haben wir Philipp Lahm - den besten Spieler des Jahrzehnts.

Danke, Manuel Neuer, fürs Halten, Halten, Halten

Auf dich ist immer Verlass! Das Mittelfeld und die Abwehr schwächeln? Kein Problem, du machst den Libero. Wenn du keine Ausflüge auf das Spielfeld machst und dich als elfter Feldspieler unter deine Kollegen und den Gegner mischst, hältst und hältst und hältst du auch den stärksten Torschuss (die drei Bälle, die du durchgelassen hast, überzählen wir jetzt einfach mal). Als Held wurdest du gefeiert, du selbst sagst dazu gegenüber der "Gala" nur: "Es gibt im Leben Wichtigeres, als über meine Leistung zu philosophieren." So entspannt kann nur einer reden, der Welttorhüter ist. "Ganz talentfrei bin ich auch nicht", sagst du lachend. Wir sagen: Nö, bist du absolut nicht. Und außerdem herrlich bodenständig!

Danke, Mario Götze, für deine Menschlichkeit (und für DAS Tor, natürlich)

Selbst in der 80. Minute wirkst du wie aus dem Ei gepellt. Aber wir alle wissen: Du, der Youngster mit dem Babyface, kannst mehr als nur nett aussehen. Du bist ein Teamplayer und glaubst an deine Mannschaft. Du musstest viel Kritik einstecken, konntest dem hohen Druck nicht dauerhaft standhalten. Das ist menschlich und macht dich noch sympathischer. Und dann bist du da, in der 113. Minute des Finales, haust den Ball volley ins Netz und lässt eine ganze Nation jubeln. Danke, Super-Mario!

Danke, Christoph Kramer, für den dramatischsten und den süßesten Moment des Finales

Christoph - wer? Das Finale begann mit einem Schreckmoment, dem noch viele folgen sollten. Läuft da plötzlich dieser Schlacks aufs Spielfeld, der aussieht, als dürfte er um diese Zeit gar nicht mehr wach sein. Christoph Kramer aus Solingen musste für den verletzten Sami Khedira in die Startelf und in seinem fünften (!) Länderspiel gegen abgebrühte Fußballhaudegen wie Lionel Messi und Gonzalo Higuaín antreten. Konnte er das schaffen? Die 80 Millionen Zweifler vor dem Fernseher merkten schnell: Der Junge konnte - zumindest 31 Minuten lang. Als er mit einem offensichtlich erschütterten Gehirn den Platz verließ, rutschte uns schon wieder das Herz sonst wohin. Konnte dieser Abend noch glücklich enden? Wir alle kennen den Ausgang, und dass dieser tapfere Mann nach dem Abpfiff auch noch mit roten Bäckchen seine Oma grüßte, beweist einmal mehr: Deutschland hat nicht nur das beste, es hat auch das netteste Team der Welt.

Danke, liebes Mittelfeld, fürs Dirigieren

Im Fußball geht nichts ohne das Mittelfeld. Nach hinten verteidigen, nach vorne passen. Ihr seid überall und habt das gesamte Feld im Blick. Was wurde vor der WM über unsere Mittelfeldspieler diskutiert und dass wir nur einen richtigen Stürmer dabei haben. Ihr wusstet, dass das nicht stört, weil im Mittelfeld Torjäger stehen, die beide Positionen beherrschen. Ihr haltet euren Körper hin, um Angriffe zu stoppen, bevor die Abwehr übernehmen kann, ihr schickt die offensiven Spieler in den Sturm. Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger: Ihr seid die Dirigenten des Spiels.

Danke, André Schürrle, für die Bescheidenheit des Jokers

Dass wir Weltmeister geworden sind, verdanken wir nicht zuletzt dir: unserem Super-Joker. Statt dich zu beschweren, dass du so selten von Beginn an spielen darfst, hast du Tore sprechen lassen: das erlösende Tor gegen Algerien (mit der Hacke!) und gegen die Brasilianer gleich zwei Tore in einer Viertelstunde. "André bringt immer wieder neuen Schwung in unser Spiel", weiß Jogi Löw. Du sammelst Superlative wie andere Panini-Bildchen, bist der erfolgreichste deutsche Joker der WM-Geschichte, der gefährlichste Einwechselspieler der WM 2014. Und sagst dennoch: "Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft." Solche Bescheidenheit belohnen wir mit einem besonders großen Dank.

Danke, liebe Ersatzbank, dafür, dass ihr immer voll dabei wart

Es muss ein komisches Gefühl sein, Weltmeister zu werden und kaum - oder gar nicht - gespielt zu haben. Aber was ist das beste Team ohne seine Ersatzspieler? Diese WM hat schon in der Vorbereitung gezeigt, wie schnell aus Stars Schwerverletzte werden können (an dieser Stelle eine kleine Marco-Reus-Gedenksekunde). Wie beruhigend ist es da zu wissen, dass bärenstarke Leute wie Roman Weidenfeller, Kevin Großkreutz oder Julian Draxler auf der Bank sitzen - und dabei auch noch gute Stimmung verbreiten. Ihr wart immer voll dabei, habt eure Kollegen rührend mit Wasser und Schulterklopfern versorgt und die schönsten Selfies gepostet. Danke dafür!

Danke, Mezut Özil, für zwei Tore ...

... das eine, das du geschossen hast und das andere, das du nicht geschossen hast. Es läuft dieses schwierige Achtelfinale gegen Algerien. Schürrles 1:0 zu Beginn der Verlängerung verschafft uns einen kurzen Moment der Erleichterung, sicher im Viertelfinale sehen wir euch danach immer noch nicht - bis du in der 120. Minute angelaufen kommst, das 2:0 machst und damit den Sack zu.

Es läuft dieses unglaubliche Halbfinale gegen Brasilien. Das Torometer zeigt bereits 7:0, die Brasilianer sind am Boden, gebrochen wie der Lendenwirbel ihres Superstars Neymar. Kollege Draxler schickt dich auf Reisen Richtung gegnerisches Tor. Du bist so schnell vorn, das Ding musst du machen, doch was machst du? Schießt vorbei. Und wir? Freuen uns still, denn unser Mitleidometer ist bereits seit drei Toren am Anschlag.

Danke, liebe deutsche Spieler, für eure Fairness

Rote Karten? Keine. Gelb-rote Karten? Auch keine. Und die sechs gelben in sieben Spielen - geschenkt. Das deutsche Team ist seit Jahren für sein faires Spiel bekannt. Natürlich geht es um viel bei dem größten, wichtigsten Turnier dieses Sports, natürlich geht es im Finale auch mal etwas ruppiger zu. Aber eben nicht um jeden Preis. Hier wird nicht gestoßen, getreten und gebissen, nicht unnötig gefährlich gespielt, ohne hohes Bein, keine Karate-Tricks, die Lendenwirbel brechen. Das hat mit Respekt zu tun. Und weil alle wissen, wie schnell eine Fußballkarriere vorbei sein kann, wie furchtbar eine monatelange Verletzungspause ist. Ihr riskiert das nicht. Danke dafür.

Danke, Lukas Podolski, für den Blick hinter die Kulissen

Lukas, auch wenn du während dieser WM mehr getwittert als gespielt und mehr gepostet als Bälle geschossen hast: Mit deinen süßen Jugendfotos und den coolen Kabinen-Selfies hast du dich nicht nur als PR-Profi entpuppt, sondern uns auch einen sehr sympathischen und "rischtisch juten" Blick hinter die Kulissen erlaubt. Danke an dieser Stelle übrigens auch für die appetitliche Aufnahme des entblößten Oberkörpers von Kollege Schweinsteiger ...

Katharina dankt Jogi Löw, dass er sie eines Besseren belehrt hat

Ich gebe zu, ich habe in den letzten Jahren auch mehrfach in die Kerbe gehauen und gesagt: Der schöne Jogi hat seinen Jungs das schöne Spielen beigebracht, aber am Ende der großen Turniere ist dann doch alles schöne - Entschuldigung - Scheiße, weil wieder kein Pott. Für die WM in Brasilien hatte ich meine Erwartungen dann auch gleich mal weit unter Halbfinale geschraubt. Und jetzt stehst du da, Jogi, mit deinem gewinnenden Siegerlächeln und hast uns tatsächlich zum Weltmeister gemacht. Danke, dass du mich und Millionen Deutsche eines Besseren belehrt hast.

Angelika dankt Toni Kroos für 70 Sekunden pure Euphorie

Lieber Toni, meinen schönsten WM-Moment verdanke ich dir. Halbfinale, Deutschland gegen Brasilien, wir beim Public Viewing, im Zelt auf Bierbänken. 1:0 von Müller nach elf Minuten, die Ecke kommt von dir. Wir springen auf, schreien unsere Freude raus. Dann die 23. Minute, Klose trifft, wir jubeln, und die nächsten zwei Minuten guckt keiner so richtig, was auf der Leinwand passiert.

Und dann bist du vorm Tor, der Ball kommt zu dir, du ziehst ab, und ehe wir richtig wissen, was passiert ist, ist der Ball im Tor: 3:0. Kann man Jubeln noch steigern? Wir hüpfen doch schon! Und während wir versuchen, noch höher zu hüpfen und noch lauter zu schreien ... triffst du zum 4:0. Ich kapier's erst gar nicht: War das gerade wirklich das 4:0 oder nur noch mal die Zeitlupe? Nee, kann nicht sein, diesmal kam der Pass von Khedira. Diese 70 Sekunden vom 3:0 bis zum 4:0, das war Magie, Gänsehaut, ein einziger Rausch. Für solche Momente liebe ich Fußball.

Bianka dankt Miroslav Klose für sein Durchhaltevermögen

Miro Klose - du gehörst für mich zur Weltmeisterschaft wie Würstchen und Bier. Vier Mal warst du schon dabei und immer, wenn du auf dem Platz standest, wusste ich: Jetzt wird alles gut. Okay, das ist nicht bei jeder WM aufgegangen, aber ich habe es dir nie persönlich angekreidet. Mit deinen Luftsprüngen wirbelst du für mich Hoffnung über den Platz. Und deshalb sollst du bloß nicht aufhören. Bei der nächsten WM bist du 40, Miro. Das ist ja wohl kein Alter! Oder wie du selbst so schön sagst: "Es tut mir ja leid, aber ich kann noch." Danke dafür.

Henning dankt Thomas Müller für wache Söhne am Morgen

Früher war meine Wohnung eine fußballfreie Zone, aber damit war es mit der Geburt meiner beiden Söhne praktisch über Nacht vorbei. Während mein Vierjähriger selbst nach Ende der WM noch an einen Überraschungssieg der USA glaubt ("Howard schafft das noch, Papa!"), guckt mich letztens mein Zweijähriger beim Aufwachen sehr ernst und schweigsam aus seinem Gitterbett an. Das ist etwas seltsam, normalerweise sind die ersten Laute aus seinem Mund "Papa!" "Fernsehen!" und "Okay. Dann Frühstück!"(stets in dieser Reihenfolge). Leicht besorgt hebe ich ihn auf den Arm für den obligatorischen Fieber-Check. Er sieht mir ernst in die Augen und nimmt den Schnuller aus dem Mund. "Thomas Müller." - "Was?" - "Thomas Müller. Thomas Müller ist gut." Schon höre ich vom Bett nebenan schlaftrunkene Widerworte: "Nein. Manuel Neuer ist besser!" Und prompt sind wir mitten im ersten Konflikt des Tages. Aber immerhin einigermaßen pünktlich wach. Danke, Thomas Müller!

Danke, WM-Team: Die Glückwünsche in der BRIGITTE Community

keine Bildunterschrift

Natürlich wurde das Finale auch in den Foren verfolgt - in diesem Strang können Sie sich mit anderen User über den Weltmeister-Titel austauschen und live über die Landung des deutschen Teams diskutieren.

Texte: Vivien Rassbach, Katharina Wantoch, Veronika Zweckerl, Angelika Unger, Freddy Hansmann, Insa Winter, Henning Hönicke, Michèle Rothenberg, Bianka Echtermeyer
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