Langeweile - aufregender, als man denkt

Langeweile ist der Unterhaltungskünstler unter unseren Gefühlen - man muss sie nur lassen! Sieben Fakten über einen unterschätzten Gemütszustand.

Wussten Sie schon...

...warum die Langeweile hochinteressant ist?

Weil diese Gefühlslage unter Forschern als äußert vielschichtig gilt und sich auf unterschiedlichste Weise ausdrücken kann: Menschen, die sich langweilen, werden aggressiv oder zappelig, manchmal aber auch träge oder fühlen sich innerlich leer. Im Vergleich dazu sind Freude oder Ärger ziemlich langweilige Emotionen.

...wo wir uns am meisten langweilen?

Eindeutig in der Schule. Laut verschiedenen Studien sind Schüler in einem bis zwei Dritteln der Unterrichtszeit ziemlich angeödet. Sie vertreiben sich ihre Zeit vorzugsweise, indem sie an ihre Hobbies denken oder in eine Art Dämmerschlaf fallen, letzteres fällt Jugendlichen besonders leicht.

...warum die Zeit viel langsamer vergeht, wenn uns langweilig ist?

Unser Gehirn verfügt über keine innere Uhr. Deshalb greift es zu einer Hilfskonstruktion: Alles, was passiert, wird in Zeiteinheiten umgerechnet. Ereignisarme Phasen verstreichen dementsprechend viel langsamer – fünf Minuten Warten können sich anfühlen wie eine halbe Stunde. Wenn richtig was los, haben wir hingegen den Eindruck: Die Zeit vergeht wie im Fluge. Nachträglich gesehen verhält sich das Ganze umgekehrt: Langweilige Lebensphasen scheinen uns viel schneller vergangen als Zeiten, in denen sich viel ereignet hat.

...dass Langeweile so gesundheitsschädlich sein kann wie Stress?

Burn-Out lautet die derzeit häufig gestellte Diagnose bei Menschen, die beruflich und privat chronisch im Stress sind. Genau so gesundheitsschädlich, sagen Psychologen, sei aber das "Bore out". Wer im Job und im Leben dauerhaft gelangweilt und unterfordert ist, kann genauso an Herz-Kreislaufsystem, Depressionen erkranken, wie die Generation Stress.

...dass man sich sogar zu Tode langweilen kann?

Jedenfalls deutet diese Studie darauf hin: Britische Wissenschaftler befragten im Rahmen einer Langzeit-Untersuchung bereits in den 80er-Jahren 7500 Beamte zwischen 35 und 55 Jahren, ob ihr Leben stark von Langeweile gekennzeichnet sei. Nach 25 Jahren fragten sie noch mal nach: Da waren viele der Interviewten bereits gestorben. Unter denjenigen, die sich damals chronisch gelangweilt hatten, kamen fast 40 Prozent mehr Todesfälle vor.

...warum auch große Denker sich oft langweilen?

Der Philosoph Martin Heidegger nennt Langeweile "die Abgründe des Daseins", denn sie wirft Sinnfragen auf. Blaise Pascal, Sören Kierkegaard, Georg Büchner und Arthur Schopenhauer hatten oft mit Langeweile zu kämpfen – und wurden wohl nur auf diese Weise zu wirklich großen Denkern. Denn nur wer die Leere zulässt und den Gedanken erlaubt, allerlei Kreuz- und Querverbindungen zu bilden, kommt auf wirklich neue Ideen.

...dass man Langeweile nicht vertreiben kann?

Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts in München ergab: Egal, wie viel Kinder in ihrer Freizeit unternehmen – Aktive sind ebenso häufig gelangweilt wie Stubenhocker. Denn eine sinnvolle Gestaltung ihrer Zeit können Kinder und Erwachsene nur lernen, wenn sie es sich erlauben auch mal Zeit zu verschwenden.

Text: Irene Stratenwerth Teaserfoto:istockphoto.com

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Irene Stratenwerth
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