Gute Manieren leicht gemacht

Die Gabel links, das Messer rechts, oder doch andersrum? Alles nicht so wichtig. Gute Manieren sind vor allem eine Frage der Einstellung.

Fragt man Uta Bernsmeier wie es um die Manieren der heutigen Jugend bestellt ist, seufzt sie und zitiert Aristoteles: "Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen." Und dann sagt sie "das Gejammere über die Manieren der Jugend ist vor allem ein Generationenkonflikt." Sie muss es wissen. Uta Bernsmeier ist Kuratorin einer Ausstellung am Bremer Focke Museum. "Manieren. Geschichten von Anstand und Sitte aus sieben Jahrhunderten" heißt die Schau. Und was man dort sehen, lesen und hören kann, ist fremd und vertraut zugleich. Denn richtiges Verhalten zu lernen, fiel den Menschen auch früher schwer. So notierte zur Reformationszeit der Humanist Erasmus von Rotterdam: "Menschen werden nicht als Menschen geboren, sondern als solche erzogen", und riet seinen Lesern, sich vor dem Essen die Hände zu waschen und die Fingernägel zu schneiden.

Zunächst wurden solche Verhaltenstipps nur für junge Adlige aufgeschrieben. Doch das Bürgertum holte schnell auf und begann, die Sitten des Adels zu imitieren. Dabei mussten die Handwerker und Kaufleute aufpassen, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Das Essen mit Messer und Gabel, die Einführung der Serviette, all das wurde bei Hof vorgemacht und wer nicht plump und bäurisch sein wollte, beeilte sich, es ebenso zu tun.

Früher machte man das so. Die Geschichte der Manieren

Doch Manieren waren und sind mehr als flüchtige Modeerscheinungen. Wer sich gut benimmt, wirkt einfach sympathischer. "Manieren sind immer auch eine Frage der inneren Haltung", sagt Uta Bernsmeier. Anders gesagt: Es reicht nicht, sich gut zu benehmen, weil man das eben so macht - gutes Benehmen ist erst dann wirklich gut, wenn man es auch für andere tut, weil man die Gesellschaft mit ihnen so angenehm wie möglich gestalten will. "Gute Manieren bestehen aus lauter kleinen Opfern", schrieb der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson im 19. Jahrhundert. Da ist es fast schon egal, wie man aktuell das Weinglas hält. Wer bereit ist, auf andere Rücksicht zu nehmen und sie freundlich und respektvoll behandelt, der kann sich gar nicht richtig schlecht benehmen. Das sieht auch Uta Bernsmeier so. "Gutes Verhalten", sagt sie, "ist immer auch ein Zeichen von Menschenfreundlichkeit."

Text: Veronika von Zahn
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