Happy Birthday: Die Diddl-Maus ist volljährig

Seit 18 Jahren grinst sich die Comic-Figur Diddl dümmlich durch unseren Alltag. Auf Postkarten, an Rucksäcken, in Schneekugeln - Diddl ist überall. Höchste Zeit, dass auch die Diddl-Fans endlich erwachsen werden und dem zuckersüßen Tierchen Lebewohl sagen. Denn diese Maus, findet BYM.de-Redakteurin Julia, ist eine Plage

Dreikäsehoch mit Klumpfüßen

Ein einziges Mal habe ich eine Diddl-Karte bekommen. Von meinem damaligen Freund, zum Geburtstag. Weiße Springmaus auf lila Hintergrund, dazu der Text "Ich hab dich zum Knuddeln gern". Am liebsten wäre ich schreiend weggelaufen. Klar war die Karte nett gemeint. Aber was, bitteschön, bewegt einen eigentlich intelligenten jungen Mann dazu, seine Liebe durch eine blöd grinsende Maus mit Klumpfüßen auszudrücken?

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Diddl hat sich längst zu einer Mäuseplage entwickelt. Es gibt Diddl-Bettwäsche, Diddl-Computerspiele, Diddl-Badeschaum, Diddl-Buntstifte. Bei der Depesche Vertriebs-gesellschaft sind rund 350 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Maus und ihre plüschigen Freunde unter's Volk zu bringen. Und das Zentralorgan der Diddl-Fans, "Diddls Käseblatt", erscheint monatlich in einer Auflage von 340.000 Exemplaren.

In jeder beliebigen deutschen Fußgängerzone, zu jeder beliebigen Zeit, ist mindestens ein Eastpak-Rucksack unterwegs, an dem ein total knuffiger Plüsch-Diddl baumelt. Und an die Unmengen von Diddl-Karten mit Texten wie "Du machst mich so kribbelkrabbel-flitterflatter-lollileicht verliebt", die Tag für Tag per Post verschickt werden, mag ich gar nicht denken.

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Verbannt die Nager in den Keller!

Dabei fing alles ganz harmlos an. Mit einem Känguru. Der Nürnberger Grafiker Thomas Goletz hat es 1990 entwickelt. Aufrecht stehend, mit Latzhose und langer Schnauze. Nach eigenen Angaben war Goletz das Känguru nicht "knuddelig" genug, deswegen hat er ihm größere Ohren und Füße verpasst und die Schnauze geschrumpft. Fertig war sie, die supersüße Springmaus!

Jetzt ist Diddl 18 Jahre alt geworden. Andere machen in diesem Alter den Führerschein, ziehen von zu Hause aus, werden erwachsen. Nicht so die Diddl-Maus. Sie macht weiter das, was sie am besten kann: uns mit kitschigen Wohn-accessoires und infantilem Liebesgebrabbel auf die Nerven gehen.

Wobei, eigentlich darf man Diddl keinen Vorwurf machen. Die Maus kann ja nichts für ihren Erfolg. Beschweren muss man sich bei denjenigen, die ihre Umwelt mit den zuckersüßen, knuddel-knuffigen Monstern terrorisieren. Grundschüler dürfen von mir aus weiterhin auf Diddl-Blöcken schreiben. Alle anderen sollten endlich erwachsen werden. Und ihre Diddl-Mäuse dorthin verbannen, wo Nagetiere sich besonders wohl fühlen: in den Keller oder auf den Müll.

Text Julia Müller

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