Oscar-Nominierungen: Frauen gehen wieder leer aus

Bei den Oscar-Nominierungen sind keine Frauen in den wichtigsten Kategorien vertreten. Was läuft da falsch?

Oscar-Nominierungen: Frauen müssen leider draußen bleiben

Das war mal ein echter Durchbruch: 2009 gewann Kathryn Bigelow für ihren Film "The Hurt Locker" den Oscar für die "Beste Regie" - und schrieb damit Filmgeschichte. Noch nie zuvor hatte eine Frau den wichtigsten Filmpreis der Welt für ihre Arbeit als Regisseurin bekommen. Und nicht nur das: Tempo und Härte des Kriegsfilms widerlegten gleichzeitig das Klischee, dass "Frauen keine Actionfilme können". Als besonderes Bonbon stach sie sogar Starregisseur James Cameron aus, der im gleichen Jahr mit seinem 3-D-Film "Avatar" (auch Action, bis heute der kommerziell erfolgreichste Film überhaupt) nicht beim Regie-Oscar punkten konnte (das Sahnehäubchen: James Cameron ist Kathryn Bigelows Ex-Mann).

jubelte und feierte sich selbst: Endlich war die gläserne Decke durchbrochen, endlich konnten Regisseurinnen sich mit an den Männertisch der Filmemacher setzen. Eine schöne Idee, die in der Praxis leider nicht funktioniert hat.

Oscars 2014: Die Moderation ist weiblich

Ein Blick auf die aktuellen Oscar-Nominierungen zeigt: Wieder einmal ist keine einzige Frau in den wichtigsten Kategorien vertreten (abgesehen von den Schauspielerinnen-Preisen, die speziell für Frauen reserviert sind). Und nicht nur dieses Jahr: Seit der Meilenstein-Auszeichnung von Kathryn Bigelow beträgt die Gesamtzahl der nominierten Regisseurinnen exakt Nullkommanichts. Immerhin ist (wie von uns erhofft) die Ägypterin Jehane Noujaim für ihre Dokumentation über die Revolution in ihrem Land nominiert worden. Aber mal ehrlich, worüber werden Filmfans nach der Oscar-Verleihung reden: über den Dokumentarfilm-Oscar, oder darüber, dass der "Beste Film" zu Recht oder Unrecht gewonnen hat?

Immerhin können wir davon ausgehen, dass die diesjährige Moderatorin Ellen DeGeneres mit einer charmanten und witzigen Präsentation in Erinnerung bleiben wird (hoffen wir jedenfalls). And the winner is: best Gastgeberin. Na, super!

Oscars 2014: Die Nominierungen im Überblick

Wie konnte das passieren? Ist das Studiosystem in Hollywood noch immer so frauenfeindlich, dass selbst nach "Hurt Locker" keine Jobs an Frauen vergeben werden? Es scheint fast so - die Mehrheit der Filme, bei denen Frauen im vorigen Jahr Regie führen durften, hatten gezielt Frauen als Thema, wie etwa die Neuverfilmung von Stephen King's "Carrie", für die "Boys don't cry"-Regisseurin Kimberly Peirce angeheuert wurde (weil es ja um einen Mutter-Tochter-Konflikt geht, besser mal eine Frau ranlassen).

Natürlich ist es schon mal gut, wenn Frauen wenigstens "Frauengeschichten" verfilmen dürfen (wie auch immer die definiert sein mögen). Aber das Problem sitzt tiefer: Frauen führen nicht nur selten Regie, sie sind auch hinter den Kulissen weniger beschäftigt als Männer und tauchen, mit Ausnahme der großen Stars, auffällig selten in Filmen auf (eine Analyse des "Geena Davis Institute on Gender in Media" ergab, dass in aktuellen Filmen drei Männer- auf eine Frauenrolle kommen). Noch absurder ist die Geschlechterverteilung in Animationsfilmen:

Video: Geena Davis Institute über Geschlechterverteilung in Kinderfilmen

Irgendwas läuft falsch in der Traumfabrik. Bleibt zu hoffen, dass man irgendwann merkt, dass Frauen mehr Geld als Männer für Kinotickets ausgeben, sich aber von Hollywood nicht so richtig repräsentiert fühlen.

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