Im Interview: Michael Bublé

Michael Bublé singt nicht nur großartig, er ist auch richtig lustig: Im BRIGITTE-Interview erzählt er von betrunkenen Verwandten, viel zu dünnen Frauen - und wundert sich über etwas, was er mit eigenen Augen gesehen hat.

Michael Bublé: Sie kommen aus Deutschland? Ich war vor ein paar Monaten dort. Bei Boss in Metzingen. Die Fahrt dahin war toll. Da gab es einen Park mit lauter Nackten.

BRIGITTE: Das muss ein Baggersee gewesen sein - da ist FKK bei uns nichts Ungewöhnliches.

Michael Bublé: Unglaublich. Abgesehen von den Nackten auf dem Weg - die haben gute Klamotten bei Boss. Sehen Sie, das hier ist ein Boss-Jackett, dazu trage ich einen Boss-Bauch. Wollen Sie, dass ich mich hier für Sie ausziehe? Dann können Sie meine Boss-Unterwäsche angucken. Aber wenigstens könnten Sie mir über mein Boss-Haar wuscheln. Stört es Sie, wenn ich während des Gesprächs ein bisschen mit dem Sofakissen knuddele?

BRIGITTE: Nein, wenn es Ihnen gut tut. Wir sind in Vancouver, wo Sie lange gelebt haben. Hier hat Ihr Großvater, hauptberuflich Klempner, Musikern Klos eingebaut, damit Sie in deren Bands auftreten durften. Treffen Sie diese Herren manchmal?

Michael Bublé: Sie werden lachen. Grad kürzlich sprach mich ein Trompeter namens Dave an: "Dein Opa hat mir einen Schredder in mein Küchenwaschbecken eingebaut." Ich treffe auch Leute, die sagen: "Hey, erinnerst du dich, du hast doch mal als singendes Telegramm vor meiner Haustür gestanden."

BRIGITTE: Und - erinnern Sie sich?

Michael Bublé: Nö. Aber ich sage dann immer ganz höflich: "Natürlich erinnere ich mich. Ist alles okay bei dir?" Dabei sind das die Menschen, die mich oft rüde behandelten und mir die Tür vor der Nase zuschlugen. Aber jetzt sind die Leute hier sehr stolz auf mich. Sie haben das Gefühl, dass sie Teil meines Erfolges sind. Und viele sind es auch tatsächlich. Weil sie mich gratis für Fotosessions eingekleidet oder kostenlos meine erste Platte produziert haben. Sie glaubten an mich. Und jetzt versuche ich, das zurückzugeben.

BRIGITTE: Wie das?

Michael Bublé: Indem ich jungen Künstlern helfe. Ich selbst habe so ein wunderbares Leben. Beispiel: Ich reise um die Welt. Das macht offen, man lernt. Ich bin sicher: Wenn George W. Bush herumgereist wäre, bevor er seinen Job antrat, wäre er ein besserer Präsident.

BRIGITTE: Was außer Reisen macht denn Lebensqualität für Sie aus?

Michael Bublé: Das Wichtigste: meine tolle Freundin.

BRIGITTE: Das ist die britische Schauspielerin Emily Blunt. Was verbindet Sie beide?

Michael Bublé: Wir haben ähnlich wunderbare Familien. Wir haben beide sehr viel bedingungslose Liebe bekommen. Und dadurch sind wir in der Lage, andere Menschen zu lieben. Das mit der Familie hat aber auch Nachteile.

BRIGITTE: Welche denn?

Michael Bublé: Wenn ich auf Tournee gehe, nehme ich meistens alle mit: meine Mutter, meinen Vater, meine beiden Schwestern, ihre Ehemänner und ihre beiden Kinder. Und bis auf die Kinder besaufen sie sich alle bis zum Anschlag. Ich arbeite mir den Arsch ab, und sie trinken wie die Fische. Und die arme Emily hängt dazwischen.

BRIGITTE: Sie kommt damit nicht klar?

Michael Bublé: Ach, letzten Endes amüsieren sie sich prima miteinander. Meine Mutter hat gerade gestern beim Essen zu mir gesagt: "Junge, wenn du das mit Emily vermasselst, dann bekommst du ernste Probleme mit mir."

BRIGITTE: Kürzlich sagten Sie in einem Interview: "Emily reist als Groupie mit mir."

Michael Bublé: Wenn es so wäre! Dann würde sie als gutes Groupie immer das tun, was ich will. Aber eigentlich kenne ich mich gar nicht so gut mit Groupies aus. Ich hatte nie wirklich welche. Irgendwie zieht meine Musik keine Groupies an. Schade eigentlich. Die Mädels denken wahrscheinlich: "Der Mann hat zu viel Klasse." Also: Bitte kommt doch alle!

BRIGITTE: Und was sagt dann Emily dazu?

Michael Bublé: Keine Ahnung. Aber es wäre nur fair, wenn ich Groupies hätte. Weil Emily dauernd diese Knutschszenen mit irgendwelchen Typen dreht. Sie kriegen ihre Titten zu sehen und knutschen wild mit ihr rum. Also, ihr Groupies, kommt alle zu mir. Und dann sage ich: "Ist nur mein Job. Das brauche ich zur Inspiration. Ich weiß, du wolltest mit keinem dieser tollen Typen knutschen. Aber Baby, es ist dein Job. Wir müssen Verständnis für den Job des anderen haben."

BRIGITTE: Fordert sie das von Ihnen?

Michael Bublé: Klar. Sie behauptet immer: "Ich muss diese Typen küssen. Ich will das gar nicht." Na ja, sie ist eine Frau. Wenn ich eine Liebesszene mit Catherine Zeta-Jones drehen müsste, wäre ich nicht zu stoppen. Oder mit Scarlett Johansson, da schon gar nicht.

BRIGITTE: Viele halten Sie für ziemlich glatt.

Michael Bublé: Bin ich aber nicht. Ich würde mich auch selbst hassen, wenn ich in meine Show käme und dieser Kerl da oben auf der Bühne aalglatt wäre. Ich würde ihm mit der Faust ins Gesicht hauen wollen. Männer kommen ja nur widerwillig in meine Shows, weil ihre Freundinnen sie mitschleppen. Sie würden lieber ein ordentliches Basketballspiel sehen. Aber wenn sie wieder rausgehen, sind sie auf meiner Seite. Sie sagen: "Jetzt versteh ich. Dieser Bublé, der lacht sich ja über sich selbst kaputt, und dabei lächelt er meine Frau an." Sie merken: Ich spiele ein Spiel.

BRIGITTE: Warum spielen Sie?

Michael Bublé: Ich litt jahrelang unter einer Angststörung. Damals habe ich gelernt zu überkompensieren. Ich wurde oft zu laut oder benahm mich daneben. Ich habe diese Angst dann schnell überwunden. Meine Schwester Crystal brauchte viel länger. Wenn sie unter Menschen sollte, wurde ihr schlecht, und sie zitterte. In ihrer schlimmsten Zeit verließ sie eineinhalb Jahre nicht das Haus.

BRIGITTE: Sie ist doch Schauspielerin. Sie muss die Störung also erfolgreich besiegt haben.

Michael Bublé: Ja, sie hat sich Hilfe geholt. Und auch die Familie hat sie unterstützt. Kürzlich hatten wir unseren ersten gemeinsamen Auftritt auf dem roten Teppich. Sie hat das gut geschafft. Ich bin sehr stolz auf sie.

BRIGITTE: Da gibt es Parallelen. Ihre Freundin Emily hatte eine Sprachstörung, bevor sie erfolgreiche Schauspielerin wurde.

Michael Bublé: Sie hat gestottert. Und manchmal wird sie heute noch nervös, und dddann stototottert sssie. Und dann mach ich mich über sie lustig. Nein, nicht wirklich. Ich frage mich manchmal, ob ein Mensch zu Höchstleistungen angespornt wird, gerade weil er durch solche Behinderungen zurückgehalten wurde. Wenn ich heutzutage vor etwas Angst habe, dann zwinge ich mich, es zu tun. Und danach fühle ich mich dann stärker.

BRIGITTE: Sie sind bekannt dafür, dass Sie nicht den Lebensstil Ihrer Promi-Kollegen führen, sondern lieber Geld spenden. Hat das auch mit dieser Vergangenheit zu tun?

Michael Bublé: Ich will nicht abheben. Deshalb spende ich für viele Projekte, unter anderem ein Kinderkrankenhaus in meiner Stadt. Ich bin nicht der Luxustyp. Wissen Sie, es gibt wunderbare teure Restaurants hier in Vancouver. Aber mein Lieblingsrestaurant ist dieses lauschige Plätzchen namens McDonald's.

BRIGITTE: Das Angebot dort ist nicht gerade gut für die Figur.

Michael Bublé: Ich wünschte, es wäre sexy, fett zu sein. So wie im 16. Jahrhundert, als eine Frau als sehr attraktiv galt, wenn sie 140 Kilo wog. Damals war das ein Zeichen des Wohlstands. Wann, verdammt noch mal, kommt diese Einstellung endlich zurück? "Oh, guck mal, Bublé, meine Güte, er hat zugenommen, wow! Er sieht ja umwerfend aus." Ich würde den ganzen Tag Junkfood in mich reinstopfen. Wär das schön.

BRIGITTE: Und was ist mit Ihrer sehr schlanken Freundin? Dürfte die zunehmen?

Michael Bublé: So schlank ist sie gar nicht. Ich würde sie als knuffig bezeichnen. Dünn, aber weich. Sie hat einen tollen runden Hintern, in den kneife ich sie immer. Sie fühlt sich sehr gut an. (Singt:) It feeheeheels good. Entschuldigung, ich schweife ab. Also, ich mag Mädchen, die ein bisschen Fleisch auf den Rippen haben. Aber ich warte immer noch darauf, dass das als sexy gilt. Manche dieser superdürren Frauen sehen aus wie Lollies.

BRIGITTE: Sie meinen Frauen mit Größe null, wie Victoria Beckham?

Michael Bublé: Bei denen fragst du dich doch, wie die ihren Kopf da oben auf diesem winzigen Körper in Balance halten. Sie sehen so aus, als würden sie jeden Moment umfallen. Wie Babys mit Riesenköpfen. Du siehst so eine Frau und denkst: "Hey, das ist ja ein Kopf, der eigentlich auf einen Hundert-Kilo-Körper gehört." Wenn dieser Hundert-Kilo-Körper-Kopf stattdessen auf einem 45-Kilo-Körper steckt, dann ist was nicht richtig. Ich glaube nicht, dass Männer das toll finden.

BRIGITTE: Sondern?

Michael Bublé: Ich glaube, dass Frauen vor allen anderen Dingen für Frauen gut aussehen wollen. Ich finde, sie sollten damit einfach aufhören und zu McDonald's gehen. Außerdem mag ich Brüste. Und wenn eine Frau zu sehr abnimmt, verschwinden auch die Brüste - (singt): the bigger the better, the bigger the better. Thank you very much. Jetzt muss ich erst mal wieder mein Sofakissen knuddeln. Ich bin ein bisschen verrückt. Nennen Sie mich verantwortungslos.

BRIGITTE: Prima Überleitung. Das ist der Titel Ihres neuen Albums: "Call Me Irresponsible".

Michael Bublé: Das fasst zusammen, wie ich bin. Verantwortungslos, aber voller Liebe. Das klingt doch besser als der Titel meines letzten Albums, "It's Time". Den hatte mein Manager ausgesucht. Ich fragte ihn damals: "Es wird Zeit? Wofür?" Prompt schrieb eine Zeitung: "Es wird Zeit, dass Michael Bublé abtritt."

"Call Me Irresponsible"

Der Junge war irgendwie komisch. Hörte als Kind schon lieber bei seinem Opa die Platten von Frank Sinatra, Ray Charles, Nina Simone und Paul Anka an als Hiphop oder Grunge. Mit 15 wusste Michael Bublé, Fischersohn aus der Bucht von Vancouver: Ich werde Sänger. Dafür zog er nach Toronto. Acht Jahre blieb er erfolglos. Dann sang er bei einer Firmenfeier, der damalige kanadische Premierminister Brian Mulroney wurde sein Fan - und besorgte Bublé die richtigen Kontakte. Inzwischen ist der Mann 31 und weltberühmt. Im Mai erschien die dritte Platte "Call Me Irresponsible" (wea).

Interview: Christiane Rebmann Foto: wmi BRIGITTE Heft 14/2007

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